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Vor 75 Jahren wurde Pforzheim von den Bomben der Alliierten fast vollständig zerstört. 17.600 Menschen starben. Am Sonntag gedachte die Stadt der Bombardierung. Rechtsextreme nutzten den Tag für eine Fackel-Mahnwache.

Mit einem Lichtermeer aus Kerzen gedachten die Pforzheimer am Sonntagabend den fast 18.000 Menschen, die im Bombenhagel am 23. Februar 1945 den Tod fanden. Das war über ein Fünftel der Bevölkerung. Der Angriff damals dauerte nur 22 Minuten. 98 Prozent des Stadtgebiets wurden zerstört.

Pforzheim Gedenken an Bombardierung vor 75 Jahren (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / dpa)
Ein Feuersturm in den verwinkelten Straßen der Pforzheimer Altstadt zerstörte fast alle Häuser. picture alliance / dpa

Um 19:50 Uhr, dem Zeitpunkt des Luftangriffs, läuteten am Sonntag alle Glocken der Stadt. Mehrere hundert Menschen hatten sich zuvor an einem Protestzug durch die Innenstadt beteiligt. Sie demonstrierten gegen die sogenannte Fackelmahnwache, die Neonazis alljährlich auf einer Anhöhe über der Stadt veranstalten.

Demonstration der Pforzheimer Initiative gegen Rechts (Foto: SWR)

Rund 70 Menschen nahmen an dem Fackelzug teil - bei etwa 500 Gegendemonstranten, wie die Polizei am Sonntagabend mitteilte. Die Stimmung bei Teilen der Versammlungsgegner sei aggressiv gewesen. Polizisten seien mit Gegenständen beworfen, Dienstwagen beschädigt worden. Die Polizeikräfte setzten vereinzelt Pfefferspray ein, man habe die Lage im Griff gehabt, hieß es von der Polizei. Vier Menschen wurden festgenommen, weil sie gegen das Vermummungsverbot verstoßen hatten. Der Pforzheimer Polizeipräsident zog insgesamt aber ein positives Fazit.

"Mit unserer Strategie waren wir richtig aufgestellt. Ganz überwiegend haben sich die Teilnehmer der Veranstaltungen besonnen und diszipliniert verhalten."

Wolfgang Tritsch, Pforzheimer Polizeipräsident

Unter dem Eindruck des Anschlags von Hanau hatte das Rathaus versucht, die Mahnwache der Rechtsextremen zu verbieten, scheiterte damit jedoch vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim. Am Sonntagabend sagte der Pforzheimer OB Peter Boch (CDU) dem SWR, er sei immer noch enttäuscht darüber, dass er die rechtsextreme Fackel-Mahnwache nicht verbieten konnte. Er setze jetzt auf friedliche Aktionen wie das Lichtermeer.

Offizielle Gedenkveranstaltung am Nachmittag

Am Sonntagnachmittag fand die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt auf dem Hauptfriedhof statt. Oberbürgermeister Peter Boch erinnerte in seiner Rede an die Menschen, die in der Bombennacht ihr Leben verloren hatten. Frieden und Demokratie seien keine selbstverständlichen Errungenschaften, deshalb sei es wichtig, diese Güter zu bewahren, so Boch weiter.

"Für die Stadt wurde die Bombennacht zur tiefen Zäsur, zum Bezugspunkt einer Auseinandersetzung um Selbstverständnis und Identität. Und zu einer Verpflichtung zu Frieden und Menschlichkeit."

Peter Boch (CDU), Oberbürgermeister Pforzheim

Im Anschluss wurden die Kränze niedergelegt und weiße Rosen auf Grabsteine abgelegt.

Teilnehmer legen während des Gedenkens zum 75. Jahrestag der Bombardierung der Stadt Pforzheim weiße Rosen auf Grabstein ab (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Die ganze Woche stand bereits im Zeichen des Gedenkens. Es gab Lesungen, Filme und Konzerte. Ein Höhepunkt ist Rolf Schweizers vor 25 Jahren entstandenes "Requiem für Lebende und Tote", das auch am Gedenktag noch einmal aufgeführt wird.

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