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Machen Influencer auch dann Werbung, wenn sie für ihre Marken-Verlinkungen kein Geld bekommen? Ja, sagt das Oberlandesgericht Karlsruhe und bestätigt damit ein Urteil gegen Instagram-Star Pamela Reif.

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Mit rund 6,4 Millionen Instagram-Followern ist Pamela Reif aus Karlsruhe eine der erfolgreichsten Influencerinnen Deutschlands. Auf ihrem Kanal macht die 24-Jährige auch Werbung. In ihren Posts macht sie das kenntlich, zumindest dann, wenn sie eine bezahlte Kooperation mit Unternehmen hat oder für ihre Fotos und Instagram-Storys Geld bekommt.

Vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe ging es heute in zweiter Instanz um Instagram-Posts, die Pamela Reif nicht als Werbung gekennzeichnet hatte. Auf den Fotos hatte Reif ihre Kleidung und Accessoires mit sogenannten "Tap-Tags" versehen. Folgten ihre Follower diesen Links, kamen sie direkt auf die Instagram-Accounts der Hersteller. Von den Unternehmen hatte Reif dafür nichts bekommen. "Das ist für mich einfach keine Werbung. Das ist der Zweck von Instagram immer gewesen, andere Leute zu inspirieren", so Reif.

Gericht: Werbung muss gekennzeichnet werden - auch ohne Gegenleistung

Der "Verband Sozialer Wettbewerb" (VSW) sieht das anders. Er war Anfang 2019 gegen Reif vor das Landgericht Karlsruhe gezogen und hatte dort in erster Instanz Erfolg. Reif wehrte sich daraufhin vor dem Oberlandesgericht Karlsruhe. Sie habe die Marken nur vertaggt, um Anfragen ihrer Follower zuvorzukommen. Bei ihren Posts handele es sich nur um private Meinungsäußerungen.

Das Oberlandesgericht hat dieser Argumentation nun widersprochen und damit das Urteil aus der ersten Instanz bestätigt. Die Posts seien bei einem Business-Account, wie ihn Reif betreibt, als geschäftliche Handlung anzusehen. Gleichzeitig werde die Influencerin von den Mitgliedern der Community bis zu einem bestimmten Punkt als "authentisch" und "eine von ihnen" wahrgenommen. Deshalb müsse sie Tap-Tags als Werbung kennzeichnen - auch, wenn sie dafür keine Gegenleistung des verlinkten Unternehmens erhält. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Influencer-Werbung ist für Gerichte Neuland

Pamela Reif ist nicht die einzige Influencerin, die wegen angeblich unzulässiger Werbung auf Instagram vor Gericht streitet. Auch Cathy Hummels sieht sich ganz ähnlichen Vorwürfen ausgesetzt, hat ihr Verfahren allerdings in den ersten beiden Instanzen gewonnen.

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Im Fall der Influencerin Vanessa Blumenthal hat das Landgericht Koblenz geurteilt, dass Tätigkeiten von Influencern generell Werbung seien. Das zeigt: Influencer-Werbung ist für die Gerichte Neuland. Was erlaubt ist und was nicht, dürfte wohl erst feststehen, wenn irgendwann der Bundesgerichtshof verbindliche Regeln aufstellt.

Berufungsprozess bald auch in Rheinland-Pfalz Streit um Influencer-Marketing

Der Streit um Werbungskennzeichung in den Sozialen Medien geht weiter: Die Koblenzerin Vanessa Blumenthal wehrt sich bald gerichtlich gegen eine 15.000-Euro-Strafe. Influencerin Cathy Hummels hat ihren Berufungs-Prozess in München gewonnen.  mehr...

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