Eine Frau läßt sich von Mitarbeitern einer Corona-Teststation auf Covid testen (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Marijan Murat)

Neue Testverordnung sorgt für Kritik

Bei Corona-Tests werden Bürger zur Kasse gebeten

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Die Zeit der Gratistests, mit denen sich alle Bürger jederzeit und überall auf Corona testen lassen konnten, ist vorerst vorbei. Kostenlose Schnelltests gibt es nur noch in Ausnahmen.

Was ändert sich:

Bislang hatte jeder Bürger Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Schnelltest pro Woche durch geschultes Personal inklusive Testnachweis. Damit ist nun Schluss, die Bürger sollen für die Corona-Tests zur Kasse gebeten werden, so will es der Bundesgesundheitsminister, denn die Gratis-Tests kommen den Bund teuer zu stehen – zuletzt haben sie im Bundeshaushalt rund eine Milliarde Euro pro Woche verschlungen.

Ausnahmen:

Kostenlos gibt es die Schnelltests künftig nur noch für sogenannte vulnerable Personengruppen: Hierzu zählen Kinder unter fünf Jahren, Schwangere zu Beginn der Schwangerschaft, Bewohner und Besucher von Pflegeheimen, Kliniken und Behinderteneinrichtungen sowie Haushaltsangehörige von infizierten Personen.

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Drei-Euro-Zuzahlung:

Einen Eigenanteil von drei Euro pro Test müssen Personen entrichten, die am selben Tag eine Veranstaltung in Innenräumen besuchen wollen oder Kontakt zu einem vorerkrankten Angehörigen haben. Auch Menschen, die laut Corona-Warn-App ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben, zählen zu dieser zweiten Gruppe.

Vollzahler:

Der große Rest und damit die meisten Bürger müssen die Schnelltests ab sofort selbst zahlen – mindestens 9,50 Euro. So viel kostet die Durchführung eines Antigen-Schnelltests. Wie hoch tatsächlich der Preis an der jeweiligen Teststation ist, ist dem Betreiber indessen freigestellt.

Eine Mitarbeiterin im Testzentrum macht einen Abstrich für einen Corona-Schnelltest  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa / Sina Schuldt)
Abstrich für einen Corona-Schnelltest picture alliance/dpa / Sina Schuldt

Reaktionen fallen kritisch aus

Bei den Betreibern von Teststationen in der Region sorgt die neue Regelung für Verunsicherung und Kritik. Für Peter Kaiser, der unter anderem in Baden-Baden mehrere Corona-Teststationen betreibt, gibt es noch viele ungeklärte Fragen. "Für uns ist es der Blick in die Glaskugel", sagt er. Er wolle daher mit seinem Testangebot "vorläufig noch kostenlos für die Kunden weiterfahren". Unklar sei zudem, wie das Bezahlsystem funktionieren soll oder die Kontrollen umgesetzt werden sollen. Insgesamt rechnet Kaiser mit einem weiteren Rückgang bei der Nachfrage.

"Wer lässt sich dann noch regelmäßig testen, wenn das Geld kostet?"

Auch sein Kollege Axel Sator, der in Bühl eine Drive-In-Teststation auf dem Schaeffler-Gelände betreibt, will vorläufig die weitere Entwicklung abwarten und die Tests für seine Kunden weiter kostenlos anbieten.

"Wichtiges Kontrollinstrument fehlt"

Die Präsidentin vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg, Tatjana Zambo, die selbst zwei Apotheken und ein Testzentrum in Gaggenau betreibt, hält die neue Testverordnung für "nicht nachvollziehbar", vor allem weil damit auch ein wichtiges Kontrollinstrument für den Infektionsschutz wegfalle.

"Um der Pandemie wirkungsvoll entgegenzutreten, ist das das falsche Signal."        

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