Die Gelbkopfamazone: zuhause im Amazonsgebiet selten geworden, könnte sie in Baden Württemberg heimisch werden (Foto: SWR)

Neue Große Landesausstellung

Naturkundemuseum Karlsruhe: Einwanderer in der Tier- und Pflanzenwelt

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Eine neue Landesausstellung wird am Dienstagabend im Karlsruher Naturkundemuseum eröffnet. Der Titel "Neobiota–Natur im Wandel" verweist auf Tiere, Pilze und Pflanzen, die zu uns eingewandert sind.

Rund 250 Exponate sind bis September nächsten Jahres im Karlsruher Naturkundemuseum zu sehen. Von A wie Aalschwimmblasenwurm bis Z wie (Büffel)zikade sind alle möglichen Neubürger und Einwanderer in der Tier- und Pflanzenwelt zu sehen.

Manche Neobiota leben schon seit 8.000 Jahren in der Rheinebene

Längst nicht alle gelten als invasive Arten, wie die Robinie oder die Tigermücke. Viele haben sich auch ganz einfach in die heimische Flora und Fauna eingegliedert. Wie beispielsweise die Hauskatze oder die Küchenschabe, die von den Römern oder noch früher von eingewanderten Bauern aus Vorderasien mitgebracht wurden.

Die Ausstellung beschreibt multimedial und barrierefrei die Geschichte dieser Neobiota. Sie wertet dabei nicht, sagt aber trotzdem, welche Arten Probleme bereiten.

Ein Paradebeispiel für einen Neobiont ist die sogenannte Buchstabenschmuckschildkröte. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika und kam über den Zoohandel in unsere Breiten. Weil sie bis zu 30 Zentimeter groß werden kann, setzten viele Aquarianer ihre Tiere aus. Sie passt einfach nicht mehr ins kleine Glasbecken zuhause. So hat sich diese Art hierzulande breit gemacht und vermehrt sich fleißig. Übrigens in Konkurrenz zu den heimischen Sumpfschildkröten, die das Nachsehen haben.

Neobiota (Foto: SWR)
Neobiota Bananenspinnen Bild in Detailansicht öffnen
Neobiota Wildkatze Bild in Detailansicht öffnen
Neobiota Goldschakal Bild in Detailansicht öffnen
Neobiota gemeine Küchenschabe Neobiota Bild in Detailansicht öffnen

Nur ein Bruchteil der Einwanderer gelten als "invasiv"

Invasive Neobiota nennen das die Biologen. Typisches Beispiel sind die kanadische Goldrute oder auch die marmorierte Baumwanze. Wobei nur etwas 0,1 Prozent aller eingewanderten Arten Probleme bereiten und deshalb als invasiv gelten. Aber diese ungemütlichen Neubürger können alten Arten bei uns das Leben durchaus schwer machen. Der japanische Knöterich ist so eine Pflanze, gegen die hier bei uns noch kein Kraut gewachsen ist und die sich ziemlich hemmungslos breit macht.

"Man muss sehen, dass nur ein sehr kleiner Teil der Neobiota invasiv werden. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist das nur etwa 0,1 Prozent."

Unsere Hauskatze ist ein typischer Neobiont, oder besser, ein Archäobiont. Sie wurde von den Römern in Germanien eingeführt und breitet sich seitdem aus. Noch erfolgreicher: Die gemeine Küchenschabe. Die gibt es bei uns schon seit rund 8.000 Jahren. Sie ist ein Kulturfolger und kam mit den ersten Bauern in unsere Breiten.

Oder die Wildkatze: Optisch irgendwo zwischen Hauskatze und Luchs angesiedelt gehört sie zu den indigenen Neobiota. Sie war hier schon mal heimisch und breitet sich seit ein paar Jahren wieder aus. Gefährdet wird sie nicht nur durch den Mensch, auch verwilderte Hauskatzen paaren sich hin und wieder mit den Wildkatzen. Das könnte letztlich dazu führen, dass es sie irgendwann einmal nicht mehr in dieser Form gibt.

Welche Tier und Pflanzen kommen in Zukunft zu uns?

Und wer kommt als Nächstes? Auch darauf versuchen die Karlsruher Ausstellungsmacher im Naturkundemuseum Antworten zu geben: Die Gelbkopfamazone ist zum Beispiel gerade auf dem Sprung nach Baden- Württemberg. Dieser wunderschöne und vom Aussterben bedrohte Papagei aus Südamerika macht sich gerade in Stuttgart breit, vielleicht demnächst sogar landesweit. Der Klimawandel sorgt dafür.

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