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Jahrelang streitet sich Familie Jung aus Deutschland mit ihren französischen Nachbarn um den gemeinsam genutzten Hof vor ihren Häusern. Jetzt machen die Nachbarn kurzen Prozess und stellen einen Zaun auf.

Vor vier Jahren sind Andrea Jung und ihr Mann aus dem badischen Hügelsheim in ein Einfamilienhaus nach Frankreich gezogen. Damals schien die Welt für die beiden perfekt.

Doch als zwei Jahre später das Haus ihrer Nachbarn verkauft wird, kommt es zum Streit. Auslöser ist der gemeinsam genutzte Hof vor dem Haus. Der gehört zwar den Nachbarn, allerdings muss Familie Jung durch den Hof laufen, um zu ihrer Haustür zu gelangen. Das wollen die neuen Eigentümer des Nachbarhauses nicht mehr.

Plötzlich war Familie Jung eingezäunt

Als Andrea und Gerhard Jung am 22. Mai 2021 nach Hause kommen, sind sie schockiert: Vor ihrem Haus steht plötzlich ein zwei Meter hoher Zaun, aufgestellt von den Besitzern des Nachbarhauses. Sie kann nicht mehr zu ihrer Haustür gehen, sondern muss über die Garage ins Haus laufen. Gerhard Jung weiß sich nicht weiter zu helfen und ruft die französische Polizei, die Gendarmerie, an.

"Der Gendarm sagt: Sie kriegen jetzt einen Zaun vor die Tür. Sie dürfen aber nichts dagegen machen. Obwohl Sie eingesperrt werden. Ich war einfach nur fassungslos und machtlos."

Die Eigentümer des Nachbarhauses wollten auf SWR-Anfrage kein Interview geben. Am Telefon haben sie aber erzählt, dass sie sich mit dem Zaun im Recht fühlen. Der Zaun stünde schließlich auf ihrem Grundstück. Und Familie Jung habe zwar ein vertraglich zugesichertes Wegerecht, allerdings nur zu der Garage, nicht zu der Haustür.

"Ich fühle mich wie im Zoo."

Das bedeutet: Familie Jung muss ab sofort immer durch die Garage in ihr Haus. Sie darf den neuen Zaun weder anfassen noch drüber klettern. Nur Durchgucken ist erlaubt.

"Ich fühle mich wie im Zoo. Die Leute fahren hier vorbei und gucken. Und ich überlege, ob ich hier eine Kasse hinstelle. Wir schauen durch den Zaun und jeder, der guckt, muss dann Geld zahlen."

Ein Plakat mit der Aufschrift "Liberté, Égalité, Fraternité" (Foto: SWR)
"Liberté, Égalité, Fraternité", also auf Deutsch "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit": Das ist es, was sich Andrea Jung wünscht. Sie hat das Banner aufgehängt.

Deutsch-französischer Konflikt oder Nachbarschaftsstreit?

Ist das, was in Roppenheim passiert, eine deutsch-französische Feindschaft? Wahrscheinlich ist es eher ein Streit unter Nachbarn, der jetzt auf seinen Höhepunkt zuläuft: Die Besitzer des Hofes hätten Familie Jung angedroht, dass der Zaun erstmal nur ein Provisorium sei. An die Stelle des Zauns solle eine Mauer kommen.

"Das heißt: Wir haben dann die Berliner Mauer im Elsass. Und zwar vor unserem Haus."

Andrea Jung wünscht sich, dass der Streit bald geklärt werden kann. Der frühstmögliche Termin hierfür wäre Anfang Juli. Dann soll es ein Mediationsgespräch geben. Vielleicht lässt sich die "Berliner Mauer im Elsass" also noch verhindern.

Wernau

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