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Seit einem Jahr ist im Nordschwarzwald der Luchs Toni zuhause. Allerdings bislang solo. Was zu seinem Glück fehlt, das ist eine Luchskatze. Aber da gibt es ein Problem.

"Scheu wie ein Luchs" - das ist sprichwörtlich, aber Luchsdamen sind noch scheuer und zurückhaltender. Genau das ist das Problem, berichtet Förster Martin Hauser aus Enzklösterle. Es sind also bislang nur männliche Tiere im Schwarzwald unterwegs. Weibliche Luchse sind nicht so wanderfreudig, sie bleiben eher zuhause und hüten ihr Revier.

Weibchen sind nicht so wanderlustig

Darauf warten, dass mal ein Weibchen zufällig doch vorbeikommt, funktioniert nicht, sagt der Wildtierbeauftragte des Landkreises Rastatt. Das hat in den vergangenen 30 Jahren nicht funktioniert. Luchse waren in Europa völlig ausgestorben. Das es wieder welche gibt, ist das Ergebnis von mehreren Auswilderungsprojekten, vor allem in der Schweiz, in Slowenien und im Pfälzer Wald. Dort wurde im Jahr 2016 mit der Auswilderung von männlichen und weiblichen Luchsen begonnen.

Landwirte und Jäger sind eher kritisch

Allerdings: an dieser Art der Familienplanung scheiden sich die Geister.  Manche Jäger fürchten die Konkurrenz und viele Landwirte zusätzliche Kosten und vor allem neuen Ärger mit Naturschützern. Michael Nödel, der stellvertretende Vorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes BLHV in Freiburg sagt ganz klar: "Da muss es eine rechtliche Klärung geben, bevor wir unseren Widerstand gegen eine Wiederansiedlung des Luchses aufgeben. Es wird nie so sein, dass wir das unterstützen, sondern wir werden das allenfalls tolerieren."

Auch Umweltverbände stellen Bedingungen

Damit ist die Idee von der Auswilderung von Luchsdamen noch nicht vom Tisch. Die Umweltschutzverbände BUND und NABU sind grundsätzlich für eine Wiederansiedlung. Allerdings stellen beide Bedingungen. Johannes Enssle, Chef des NABU in Baden Württemberg sagt, es müssten alle beteiligten Interessenverbände mitmachen. Nach Abschüssen von Luchsen im Bayrischen Wald ist Enssle da nicht so sicher. Außerdem sei die Finanzierung nicht geklärt. Ein Wiederansiedlungsprogramm dürfen nicht aus Umweltschutztöpfen finanziert werden, sondern müsse vom Landwirtschaftsministerium übernommen werden, fordert der NABU.

Am Ende ist eine Auswilderung von Luchsen, etwa im Schwarzwald, eine politische Entscheidung, die in Stuttgart getroffen werden müsste. Bei der Forstlichen Versuchsanstalt FVA in Freiburg lägen fertige Pläne für ein sogenanntes "Luchsmanagement" in der Schublade, berichtet der Wildtierbeauftragte im Landkreis Rastatt, Martin Hauser. Allerdings wird das Thema derzeit weder von den Grünen noch von der CDU im Land aktiv verfolgt.

Vielleicht wird der Luchs nach der nächsten Landtagswahl wieder ein Thema. Martin Hauser würde sich jedenfalls sehr freuen. Ihm ist Luchs Toni ans Herz gewachsen und er könnte sich sehr gut noch ein Luchsweibchen mit ein paar Jungen auf dem Kaltenbronn vorstellen, sagt er.

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