Auch bei der Ettlinger Firma Scholpp fehlen Kraftfahrer (Foto: SWR)

Britische Verhältnisse auch bei uns?

Die Logistikbranche in Baden blickt schweren Zeiten entgegen

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Auch in Baden fehlen aktuell mindestens 3.000 Berufskraftfahrer. Das schätzt er Verband des Verkehrsgewerbes Baden (VVB) in Freiburg.

 Wenn die Rahmenbedingungen für Berufskraftfahrer nicht dringend geändert werden, drohen auch in Deutschhland britische Verhältnisse, warnt Tobias Lang, Geschäftsführer des Verbands in Freiburg. Wichtigste Maßnahme wäre eine bessere Bezahlung der Berufskraftfahrer. Dafür müssten allerdings die Frachtkosten erhöht werden, damit höhere Löhne auch bezahlt werden können.

Regionale Unternehmen bestätigen die Misere

Regionale Logistikunternehmen, zum Beispiel in Ölbronn im Enzkreis, bestätigen die Misere. Dort mussten Cornelia Seidel-Bauerle und ihr Mann Markus  ihren Fuhrpark in den vergangenen fünf Jahren um die Hälfte verkleinern, weil keine Fahrer zu bekommen waren. Weil das Problem nicht zu lösen war, stellte das Familienunternehmen einen Berufsanfänger ein.

Das Problem mit Berufsanfängern, berichtet Cornelia Seidel-Bauerle, sei aber, dass sie nicht direkt eingesetzt werden können, wenn sie frisch aus der Fahrschule kommen. Sie müssen erst eingelernt werden.

Größtes Problem ist die Bezahlung

Silos für Baustellen und Entsorgung für Gewerbeunternehmen bietet das Ölbronner Familienunternehmen. Das sind vor allem Tagestouren. Die Mitarbeiter kommen immerhin abends noch nach Hause. Für viele Berufseinsteiger ist das aber ein Grund, eher nicht als Kraftfahrer anzufangen. Der größte Hemmschuh ist allerdings die Bezahlung, das gibt Cornelia Seidel-Bauerle unumwunden zu.

"Leider können wir die Fahrer nicht so bezahlen, wie sie bezahlt werden sollten. Die Frachtkosten sind einfach nicht angepasst worden."

Bessere Löhne sind derzeit nicht zu finanzieren

Dazu kommen die  Mautkosten und  die billige Konkurrenz aus Osteuropa. Die Unternehmen würden gerne bessere Löhne zahlen, können das aber kaum finanzieren, bestätigt auch Jan Meißner. Er ist Ettlinger Niederlassungsleiter der Scholpp Kran- und Transport Gesellschaft. Dort fehlen aktuell zehn von insgesamt 70 Kranfahrern.

Wobei bei Scholpp in Ettlingen nicht einfach nur Fahrer fehlen: Die Firma braucht Spezialisten, die in der Lage sind, richtig große und schwere Kräne zu bedienen, also Facharbeiter. Hier ist der Mangel unter Umständen sogar noch größer. Die Gründe bleiben aber die gleichen.

Britische Verhältnisse sind nicht weit entfernt

Jan Meißner sagt: von britischen Verhältnissen ist die Branche auf dem Kontinent und auch in Deutschland nicht weit entfernt.

"Wenn sich da nicht signifikant was ändert, beim Lohn und bei der Attraktivität des Kraftfahrerberufes, wird es sehr schwer werden, die Branche überhaupt am Leben zu erhalten."

Aber wie macht man eine schlecht bezahlte Branche mit unregelmäßigen Arbeitszeiten attraktiv für junge Menschen? Da ist auch Jan Meißner aus Ettlingen ein bisschen ratlos. 60 Stunden die Woche sind für seine Kranfahrer leider keine Seltenheit, berichtet er.

Es müsste sich eine Menge verbessern

Mehr Fahrer - und die eingesetzt im Schichtbetrieb - vielleicht wäre das ein Lösung, meint Meißner. Das würde die Belastung für die einzelnen Fahrer verringern. Allerdings wäre auch das nur ein Anfang, gibt Meißner zu bedenken.

Mehr Parkplätze auf den Autobahnen wären nötig, dazu günstige Übernachtungsmöglichkeiten und vor allem bessere Verpflegung. Nicht zu vergessen attraktivere Sozialleistungen und bessere Renten, damit die Fahrer, die jetzt vor allem mit Spesen ihren Schnitt machen, später nicht in die Altersarmut fallen. Damit diese Branche nicht demnächst zusammenbricht, müsste wirklich eine Menge getan werden.

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