Geothermiekraftwerk Bruchsal: An dieser gelben Klappe wird die Pilotanlage zur Lithium-Gewinnung angeschlossen (Foto: SWR)

Pilotanlage nimmt Ende 2021 Betrieb auf

Lithium für 20.000 Batterien aus dem Bruchsaler Geothermie-Kraftwerk

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In Bruchsal soll eine Pilotanlage zur Gewinnung von Lithium aus Geothermiewasser ihren Betrieb aufnehmen. Die EnBW und das Karlsruher Institut für Technologie betreiben die Anlage.

Lithium für 20.000 Autobatterien soll in Bruchsal gewonnen werden, so das Ziel der Projektpartner EnBW und KIT. Ende des Jahres soll der Prototyp am Standort Bruchsal in Betrieb gehen. Dann soll geprüft werden, ob auch in der Praxis das funktioniert, was schon im Labor erfolgreich getestet wurde. Über ein Jahr soll der Prototyp laufen.

Lithium vom Oberrhein reicht für 200.000 Batterien

Dabei soll unter anderem auch die Frage geklärt werden, ob die Kosten der Lithium- Gewinnung noch marktgerecht sind. Bislang muss Lithium meistens aus Südamerika und Australien importiert werden. Die EnBW glaubt, dass aus allen Geothermieanlagen am Oberrhein alleine jährlich sogar Lithium für 200.000 Autobatterien gewonnen werden könnte.

Gegenüber den traditionellen Methoden der Lithiumproduktion aus den südamerikanischen Salzseen und den australischen Festgesteinen bietet das neue Verfahren entscheidende Vorteile. Genutzt wird die bestehende Infrastruktur von Geothermie-Anlagen, durch die pro Jahr bis zu zwei Milliarden Liter Thermalwasser strömen. Im Gegensatz zum klassischen Bergbau fällt deshalb kaum Abraum an und der Flächenverbrauch ist minimal.

Verfahren hat viele Vorteile für die Umwelt

Weil das Thermalwasser nach Gebrauch wieder in den Untergrund zurückgeleitet wird, werden keine schädlichen Stoffe freigesetzt und auch die geothermische Strom- und Wärmeproduktion wird nicht gestört. Lithium kann im Thermalwasserzyklus der Geothermie-Anlage kontinuierlich innerhalb von Stunden extrahiert werden, wohingegen die Anreicherung in den südamerikanischen Salzseen mehrere Monate dauert und stark wetterabhängig ist.

Darüber hinaus bietet das Verfahren die Möglichkeit, weitere seltene Elemente wie Rubidium oder Cäsium aus dem Thermalwasser zu extrahieren, die beispielsweise in der Laser- und Vakuumtechnologie benötigt werden.

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