Eine Schale mit Spritzen und Impfastoff von Biontech (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christian Charisius)

Kritik an Bundesgesundheitsminister

Karlsruhe: Landrat und Oberbürgermeister gegen BioNTech-Begrenzung

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Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel (CDU) haben die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) heftig kritisiert, den Impfstoff von BioNTech zu begrenzen.

Die angekündigte Begrenzung habe in der Region zu erheblichen Irritationen und Verunsicherung geführt, so Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup. Künftig stünden pro Arzt nur 30 Dosen die Woche zur Verfügung. Das laufe dem Ziel möglichst viele Menschen zu impfen, zuwider, sagte Mentrup bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Landrat Christoph Schnaudigel.

Begrenzung gefährde Menschenleben

Diese Limitierung gefährde Menschenleben und erschwere Impfaktionen, zumal für die Gruppe der 12 bis 18-Jährigen nur BioNTech als Impfstoff zugelassen sei und auch für die geplante Impfung von Kindern nur dieser Impfstoff infrage komme.

Das Firmenschild von Biontech mit Hausnummer und Adresse (Foto: SWR, Sarina Fischer)
Sarina Fischer

Die Karlsruher Kommunalpolitiker kritisieren, dass dieser künstliche Flaschenhals nun das Impf-Geschehen in die falsche Richtung führe. Es entstehe der Eindruck, so Oberbürgermeister Frank Mentrup, dass nicht genügend BioNTech zur Verfügung stehe, die Bundesregierung zu wenig geordert habe. Die Ankündigung Spahns sei abenteuerlich bis unverschämt und könnte die vielen kommunalen Aktivitäten der letzten Wochen über den Haufen werfen, so die Kritik aus Karlsruhe.

Kritik auch von Gesundheitsminister Lucha

Zuvor hatte schon Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) die Ankündigung kritisiert: "In dieser Phase der Pandemie ist es ein fatales Signal, genau den Impfstoff, dem die Menschen derzeit am meisten vertrauen, mit Höchstbestellmengen zu versehen", sagte Lucha am Samstag in Stuttgart. Der Hausärzteverband von Baden-Württemberg forderte weiterhin die unbeschränkte Bestellmöglichkeit aller Impfstoffe.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder für die nächsten Wochen Begrenzungen bei Bestellmengen für den Impfstoff von BioNTech/Pfizer angekündigt, damit das Präparat von Moderna bei den Auffrischungsimpfungen vermehrt zum Einsatz kommt. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was vermieden werden müsse. Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen BioNTech pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1.020 Dosen. Für Bestellungen von Moderna soll es keine Höchstgrenzen geben.

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SWR