Eine Bewohnerin und ihr Sohn in der Kurzzeitpflege Südwest der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr (Foto: SWR, Cornelia Stenull)

Kosten, Antrag, Angebote

Suche nach einem Platz in der Kurzzeitpflege in Karlsruhe: wichtige Antworten

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Cornelia Stenull
Ein Foto von Cornelia Stenull (Foto: SWR)

Plätze in der Kurzzeitpflege sind rar, auch im Raum Karlsruhe. Welche Angebote es gibt, was ein Platz kostet, wer ihn beantragen kann. Hier gibt es Antworten.

Ob in Deutschland, Baden-Württemberg oder auch in Karlsruhe: Es gibt zu wenig Plätze in der Kurzzeitpflege. Aktuell sind in Karlsruhe laut Caritas rund 80 Plätze angefragt. Das sind etwa doppelt so viele, wie es derzeit planbare Kurzzeitpflegeplätze gibt.

Die angespannte Situation wird sich absehbar nicht bessern, auch bedingt durch den demografischen Wandel. Die Gesellschaft wird immer älter, folglich gibt es immer weniger junge Menschen, die sich um die Alten kümmern könnten. Schwierigkeiten bei der Refinanzierung solcher Plätze und zu wenig Arbeitskräfte in der Pflege tun ihr Übriges.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Kurzzeitpflege

Stefan Ritz aus Karlsruhe hat Glück gehabt. Er hat für seine Mutter einen Platz in der Kurzzeitpflege gefunden. Bei der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr ist seine Mutter nach einem Krankenhausaufenthalt untergekommen. Dort bekommt sie die Pflege und Unterstützung, die ihr Sohn für seine Mutter nicht hätte leisten können.

Kurzzeitpflege: Wenn die Pflege zu Hause nicht möglich ist

Die Kurzzeitpflege kann für Pflegebedürftige und deren pflegende Angehörige eine große Hilfe sein - wenn die Pflege zu Hause vorübergehend nicht möglich ist. Sie bietet die Möglichkeit, Angehörige für eine kurze Zeit stationär in einer Pflegeeinrichtung unterzubringen, zum Beispiel nach einem Aufenthalt im Krankenhaus, vor einer Kur oder vor dem Umzug ins Seniorenheim.

Eine Bewohnerin in der Kurzzeitpflege Südwest der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr (Foto: SWR, Cornelia Stenull)
Frau Schneider hat einen Platz in der Kurzzeitpflege der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr bekommen.

Die Kurzzeitpflege kann auch pflegende Angehörige entlasten, wenn sie beispielsweise in den Urlaub fahren wollen oder eine Auszeit von der oft anstrengenden Pflege brauchen. Aber: Plätze in der Kurzzeitpflege sind fast überall rar, oft gibt es Wartezeiten, und auch die Bürokratie stellt für manche eine Hürde dar.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Kurzzeitpflege

Wer hat Anspruch auf Kurzzeitpflege?

Anspruch auf bezuschusste Kurzzeitpflege haben alle pflegebedürftigen Menschen, die mindestens den Pflegegrad 2 haben und deren Pflege zu Hause für eine kurze Zeit nicht möglich ist. Anspruch haben auch Menschen, die durch einen Unfall oder eine Krankheit plötzlich pflegebedürftig sind.

Außerdem muss die Versicherungszeit erfüllt sein. Das heißt, die zu pflegende Person muss mindestens zwei Jahre Beiträge in die Pflegeversicherung einbezahlt haben. Und: Die Pflegebedürftigkeit muss schon festgestellt sein.

Wer als pflegender Angehöriger planen kann und weiß, dass an Pfingsten oder im Sommer ein Urlaub ansteht, sollte sich jetzt schon um einen Kurzzeitpflegeplatz kümmern.

Kurzzeitpflege Caritas Karlsruhe: Franziska Mauerer, Pflegedienstleitung (Foto: SWR)
Franziska Mauerer, Pflegedienstleitung der Kurzzeitpflege bei der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr

Wie hoch sind die Kosten für Kurzzeitpflege - was wird übernommen?

Ab dem Pflegegrad 2 übernimmt die Pflegekasse teilweise die Kosten der Kurzzeitpflege - und zwar für maximal 56 Tage beziehungsweise acht Wochen pro Jahr. Maximal sind das 1.774 Euro (Stand 2023). Der Betrag kann mit 1.612 Euro aus der Verhinderungspflege aufgestockt werden.

Zusätzlich haben Pflegebedürftige den Anspruch auf sogenannte Entlastungsleistungen, das sind 125 Euro im Monat. Die restlichen Kosten müssen von den Pflegebedürftigen oder den Angehörigen übernommen werden. Wie hoch der Eigenanteil ist, variiert je nach Pflegeeinrichtung. Falls der Eigenanteil nicht gezahlt werden kann, kann Sozialhilfe beantragt werden.

Grundsätzlich gilt: Nur wenn es sich um anerkannte Pflegeeinrichtungen handelt, übernimmt die Pflegeversicherung auch die Kosten. Das bedeutet, dass die betreffende Einrichtung der Kurzzeitpflege von der Pflegekasse zugelassen sein muss.

Gutachten nötig Tipps für die Pflege - so geht die Einstufung in den Pflegegrad

Wer die Hilfe anderer Menschen benötigt, hat Chancen auf Leistungen aus der Pflegekasse. Ohne diese Zuwendungen müssen Sie die Kosten für Ihre Pflege selbst tragen.

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Was ist der Unterschied zwischen Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?

Kurzzeitpflege wird immer stationär vor Ort in einem Heim oder Krankenhaus geleistet, Verhinderungspflege findet zu Hause statt. Kurzzeitpflege ist stationär bis zu acht Wochen im Jahr möglich. Verhinderungspflege kann dann bis zu sechs Wochen bezuschusst werden. Voraussetzung ist, dass die häusliche Pflege seit mindestens sechs Monaten andauert. Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege kann kombiniert werden.

Wichtig ist, dass die Einrichtung auf den jeweiligen Gast passt und dass die Einrichtung auch geeignet ist.

Wie wird Kurzzeitpflege beantragt?

Der Antrag auf Kurzzeitpflege muss bei der Pflegekasse gestellt werden, bevor die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen wird. Die Formulare gibt es bei der Pflegekasse beziehungsweise Krankenkasse. Dort gibt es auch Informationen darüber, welche Häuser infrage kommen und wie hoch die Kosten sind. Beim Ausfüllen des Antrags können je nach Situation Klinikmitarbeiter, das Personal der Pflege- und Krankenkassen oder Mitarbeiter bei Sozial- und Pflegediensten helfen.

Eine Bewohnerin der Kurzzeitpflege bei der Caritas in Karlsruhe malt während der Beschäftigungszeit (Foto: SWR, Cornelia Stenull)
Frau Schneider malt während der Beschäftigungszeit in der Kurzzeitpflege bei der Caritas in Karlsruhe.

Wer bietet Kurzzeitpflege an - generell und im Raum Karlsruhe?

Generell bieten die großen sozialen Träger und Verbände Plätze in der Kurzzeitpflege an. Die Anfrage nach einem freien Platz kann entweder telefonisch oder per Mail gestellt werden.
In Karlsruhe sind das zum Beispiel folgende Träger: Caritas mit der Kurzzeitpflege Südwest
Arbeiterwohlfahrt (AWO)
Evangelische Stadtmission Karlsruhe
Heimstiftung Karlsruhe (hsk)
Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)

Zusätzlich gibt es auf der Webseite der Stadt Karlsruhe eine Übersicht über Pflegeheime in der Region.

Auch der Pflegestützpunkt der Stadt Karlsruhe ist eine sehr gute Anlaufstelle

Wer nicht selbst nach einem Platz in der Kurzzeitpflege suchen möchte oder keinen Platz findet, kann sich zum Beispiel vom "Verbund Pflegehilfe" helfen lassen. Dieser vermittelt Plätze und ist deutschlandweit aufgestellt.

Auch die Verbraucherzentrale hat Informationen für pflegende Angehörige in Bezug auf Pflegeversicherung, Sachleistungen und Zuschläge.

Auf der Station der Kurzzeitpflege Südwest der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr (Foto: SWR, Cornelia Stenull)
Station der Kurzzeitpflege Südwest der Caritas in Karlsruhe-Rüppurr

Welche Formen der Kurzzeitpflege gibt es?

Grundsätzlich wird zwischen der solitären (planbaren) und eingestreuten Kurzzeitpflege unterschieden.

Bei der solitären Kurzzeitpflege handelt es sich um spezialisierte Einrichtungen oder um einen festen Wohnbereich innerhalb einer stationären Pflegeeinrichtung. Dort sind dann nur Menschen in der Kurzzeitpflege untergebracht.

Eingestreute Kurzzeitpflege bedeutet, dass einzelne Plätze in stationären Heimen auch für die Kurzzeitpflege belegt werden können - aber nur, wenn die Plätze gerade frei sind.

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