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Die Bundeswehr will Konsequenzen aus neuen Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Munition beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw ziehen. Offenbar steht der Kommandeur kurz vor der Ablösung. Unter seiner Führung soll es eine Amnestie-Regelung gegeben haben.

Im Zusammenhang mit einem zweifelhaften Vorgehen mit verschwundener Munition beim Calwer Kommando Spezialkräfte will die Bundeswehr jetzt Konsequenzen ziehen. Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur stehen die Ermittlungen des Heeres kurz vor ihrem Abschluss. Dabei geht es auch um die Frage, welche Verantwortung der Calwer KSK Kommandeur Brigadegeneral Markus Kreitmayr in dem Fall hat.

Nachdem beim KSK immer mehr rechtsextreme Verdachtsfälle bekannt geworden waren, war die Einheit umgebaut worden. KSK-Kommandeur Kreitmayr war eingesetzt worden, um einen Reformprozess anzustoßen.

Sammelaktion für verschwundene Munition

In der vergangenen Woche hatten WDR und NDR berichtet, dass unter der Führung des KSK-Kommandeurs eine Amnestie-Regelung eingeführt worden war, bei der Soldaten straffrei entwendete oder unterschlagene Bundeswehr-Munition zurückgeben konnten. Dabei sollen im vergangenen Jahr zehntausende Schuss Munition zurückgebracht worden sein. Außerdem war bei der Sammelaktion mehr Munition zusammengekommen, als überhaupt vermisst wurde.

Personelle Konsequenzen auf der KSK-Führungsebene angekündigt

Aktuell wird deshalb die Verantwortung des KSK-Kommandeurs, Brigadegeneral Markus Kreitmayr, untersucht. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums stehen die Ermittlungen zu der Angelegenheit dabei kurz vor dem Abschluss. Noch unklar ist, wann und wie das Verteidigungsministerium über den neuen Fall informiert wurde. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet, dass noch am Montag oder spätestens am Dienstag mit personellen Konsequenzen zu rechnen ist.

Amnestie-Regelung beschäftigt den Verteidigungsausschuss

Aus der Opposition kommen mittlerweile Forderungen, den Kommandeur abzulösen. "Sollte Kreitmayr für diese Amnestie-Regelung verantwortlich sein, ist er nicht mehr haltbar und muss zurücktreten", so der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei Tobias Pflüger. Die Wehrbeauftragte des Bundestags Eva Högl fordert eine lückenlose Aufklärung. Das Thema wird an diesem Mittwoch den Verteidigungsausschuss des Bundestags beschäftigen.

Bundeswehrverband warnt vor Ablösung von KSK-Kommandeur

Der Deutsche Bundeswehrverband hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) vor einer voreiligen Ablösung Kreitmayrs gewarnt. "Ich kenne Brigadegeneral Markus Kreitmayr als äußert integren, pflichtbewussten Offizier. Er ist energisch gegen die beim KSK bekannt gewordenen Missstände vorgegangen und hat einen wesentlichen Kulturwandel eingeleitet", sagte der Bundesvorsitzende des Verbands, Oberstleutnant André Wüstner, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

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