EIn schreiendes Neugeborenes im Mutter-Kind-Zentrum in Baden-Baden. (Foto: SWR)

Kreistag hat entschieden

Aus für Geburtshilfe in Rastatt nach Kreistag-Entscheidung

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Keine Babys mehr im Klinikum Rastatt: Der Kreistag des Landkreises Rastatt hat heute das endgültige Aus der Geburtshilfe beschlossen. Schon im Vorfeld gab es Kritik.

Seit Beginn der Corona-Pandemie im März vergangenen Jahres ist in der Rastatter Klinik kein Kind mehr zur Welt gekommen. Die beiden Kreißsäle dienten seitdem als Reservekapazität zur Überwachung von Intensivpatienten. Viele werdende Mütter aus Rastatt mussten zuletzt immer nach Baden-Baden fahren, um dort ihr Kind auf die Welt zu bringen.

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Geschäftsführung wollte Geburtshilfe schließen

Das wird auch so bleiben: Am Dienstag hat der Kreistag des Landkreises Rastatt nun endgültig für das Ende der Geburtshilfe im Klinikum Rastatt gestimmt. Mit großer Mehrheit des Kreistags einigte man sich bei nur einer Gegenstimme auf die dauerhafte Schließung der Geburtshilfe. Der Entscheidung war eine öffentliche Diskussion vorausgegangen. Bei einer Informationsveranstaltung im Oktober sprach sich die Geschäftsführung des Klinikums Mittelbaden zuletzt für eine Schließung aus - die Klinik Rastatt gehört zum Klinikum Mittelbaden. Stattdessen solle die Geburtshilfe für die Region zentral am Klinikum Baden-Baden ausgebaut werden.

Frauen mit Wehen müssen in andere Kliniken fahren

Kritik kam unter anderem von Hebammen aus der Region Rastatt. Als Problem sahen sie vor allem die weiten Anfahrtswege für werdende Mütter. 500 bis 600 Babys jährlich kamen auf der Geburtshilfestation in Rastatt zur Welt. Die Station in Rastatt sei nicht einfach so entbehrlich, sagt Anja Lehnertz vom Verein Motherhood. Sie habe erlebt, dass Frauen in Kliniken erst betreut wurden und dann unter der Geburt mit regelmäßigen Wehen aus Kapazitätsgründen in eine andere Klinik geschickt wurden, so Lehnertz.

"Dem Vater wurde gesagt, fahren Sie bitte nach Baden-Baden und wenn ihr Kind unterwegs kommt, fahren Sie rechts ran, rufen die 112 und dann kommt das Kind halt im Auto."

Entscheidung muss noch durch den Gemeinderat

Trotzdem empfahl die Geschäftsführung des Klinikums Mittelbaden die Zusammenlegung der Kreißsäle in Baden-Baden. Gründe dafür seien sinkende Geburtenzahlen, neue Versorgungsstandards und Personalmangel bei Hebammen und Ärzten. Für den Kreistag sprachen diese Gründe ganz klar für eine Schließung - er folgte jetzt der Beschlussvorlage.

Dem Kreistagsbeschluss muss jetzt noch der Gemeinderat Baden-Baden zustimmen. Das wird aber eine reine Formalie sein. Damit werden im Klinikum in Rastatt in Zukunft keine Babys mehr zur Welt kommen.

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