Soll Baden-Baden Dialog-Stadt im Ukraine-Konflikt werden (Foto: IMAGO, imago)

Kommentar

Friedensgespräche im Kurhaus? - Baden-Baden positioniert sich im Ukraine-Konflikt

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AUTOR/IN
Patrick Neumann

Baden-Baden steht für Internationalität und Austausch. Oberbürgermeisterin Mergen hat nun vorgeschlagen, dass sich die Beteiligten im Ukraine-Konflikt in Baden-Baden zu einem Dialog treffen.

Wladimir Putin macht Ernst. Seine Soldaten sind unterwegs in Richtung Ukraine. Und die Ukrainer machen sich bereit, ihr Land mit Waffengewalt zu verteidigen. Menschen sterben bereits dafür. Die Nato befürchtet, dass sogar Kiew angegriffen werden könnte. Der langjährige Frieden in Europa ist in Gefahr. Die Wirtschaft steht vor dem Abgrund. Und Baden-Baden?

Gut gemeint und reichlich naiv

Die Kurstadt schlägt sich in diesem Desaster als möglichen Ort für einen Friedensdialog vor. Zweifellos gut gemeint, aber eben auch reichlich naiv. Im Augenblick suchen die am Ukraine-Konflikt Beteiligten nämlich nicht nach einem Dialog-Ort im Schwarzwald, sondern sie suchen - wenn überhaupt - verzweifelt nach möglichen Dialogpartnern, um das Allerschlimmste zu verhindern. Auch wenn die Idee von Friedensgesprächen in Baden-Baden grundsätzlich gut ist, so kommt sie doch zum vollkommen falschen Zeitpunkt.

Marketing im Ringen um den Weltfrieden

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) in diesem Zusammenhang eigene Wahlkampfinteressen im Zusammenhang mit der anstehenden OB-Wahl zu unterstellen, ist unfair. Zweifellos steht auch für sie der Weltfrieden an oberster Stelle. Aber ein wenig nach Marketing klingt der Vorschlag doch.

Die Oberbürgermeisterin verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass in Baden-Baden bereits in den 1960er Jahren in Gesprächen zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle der Grundstein für die Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen gelegt wurde. Daraus aber abzuleiten, dass nun auch Russland und die Ukraine in Baden-Baden Frieden schließen könnten, mutet abwegig an.

Traum vom Treffen der Staatschefs an der Oos

Schlechtreden darf man den Vorschlag Baden-Badens aber natürlich nicht. Denn sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Putin sich mit dem Ukraine-Präsident Selenskyj tatsächlich in Baden-Baden versöhnen will, wäre das natürlich eine weltweit beachtete Sensation.

Ein schöner Traum ist das, den Baden-Baden da träumt. Aber wohl leider eben nur ein Traum.

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