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War das eine freude zu sehen, wie mein sechsjähriger sohn carlo aus dem Schulgebäude der Klosterschule Lichtental in baden-Baden gerannt kam. Mit einem dicken Lächeln im gesicht nach zwei Stunden deutsch und einer Stunde mathe . Gleich noch eine Runde Fangen mit seinem Kumpel. Und auf meine frage : wie wars denn ? da sagte er, super. Meine klassenlehrerin hat mir sogar zu meinem wackelzahn gratuliert. Ich freu mich schon auf morgen, sagte er. Und auch die anderen Kinder, die ich gesehen habe, wirkten ziemlich glücklich, dass sie wieder in die schule dürfen. Klar, für uns eltern ist das logistisch herausfordend, wenn die schule wie heute schon um 10 nach 10 zu ende ist. Das muss man erst mal organisiert bekommen, keine frage. Aber ich bin froh, dass wieder ein hauch von normalität für unsere kinder möglich ist. Die Klassenlehrerin meines Sohnes wurde heute morgen übrigens auf Corona getestet, das hat sie ihm und den anderen Kindern im Unterricht berichtet. Das ist der richtige weg, finde ich. Viel testen, um Infektionen früh zu erkennen Ich habe jedenfalls keine Angst davor, dass sich die Grundschule meines Sohnes jetzt zum Hotspot entwickelt. Und ich freue mich schon,Carlo morgen wieder zur Schule bringen zu dürfen.

Ich schicke meine Kinder nicht in die Schule. Das Lächeln meiner Kinder nach dem Schulbesuch wäre mir auch einiges wert, aber nicht das Risiko, mit dem diese kurze Normalität einhergeht. Lassen wir doch die Emotionen weg und schauen auf die Fakten: Seit einer Woche steigen die Fallzahlen wieder, trotz Lockdown. Niemand weiß, welche Rolle die Mutanten noch spielen werden. Manche sprechen von Infektionsraten bis zu 40.000 pro Tag bis Mitte März. Jetzt also vor einer wahrscheinlich dritten Welle schnell noch die Kinder in die Schule schicken und einer möglichen Infektion Tür und Tor öffnen? Bei den Mutanten gilt: Ein nachgewiesener Kontakt und dann 14 Tage Quarantäne. Und das für 2mal Vormittags ein bisschen Socialising und nette Gespräche mit der Lehrerin und allen Kindern, die bislang in der Notbetreuung waren. Überhaupt, wer will da die Infektionswege nachvollziehen? Sicher hat nicht jeder die Chance, seine Kinder zu Hause zu lassen, aber aus gutem Grund bleibt die Schulpflicht weiter ausgesetzt. Jede Familie kann also abwägen, was ihr wichtiger ist: Das kurze Lächeln eines Kindes und möglicherwiese die lange Quarantäne danach, oder eine gesunde Vorsicht und dafür weniger Ansteckungsrisiko.

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