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Am Silvesterabend 2019 ist das Kernkraftwerk in Philippsburg (Kreis Karlsruhe) endgültig vom Netz gegangen. Die Sprengung der beiden Kühltürme steht symbolhaft für die wechselhafte Geschichte der Kernenergie.

Der Bau von Block 1 des Kernkraftwerks Philippsburg wurde 1970 begonnen, der Reaktor ging neun Jahre später ans Netz. Block 2 wurde 1984 in Betrieb genommen. Ursprünglich wollte die damalige Kernkraftwerk-Baden-Württemberg-Planungsgesellschaft (KBWP) vier Reaktorblöcke bauen, die Planung wurde jedoch auf zwei reduziert.

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Große Akzeptanz, wenig Kritik

Der Bau des Kernkraftwerks Philippsburg stieß vor 50 Jahren auf große Zustimmung in der Bevölkerung. Er brachte der badischen Kleinstadt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Kritik kam nur vereinzelt. So warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor der potentiellen Erdbebengefahr in der Rheinebene und dem Überflutungsrisiko durch den nahen Rhein. Für die Politik und weite Teile der Gesellschaft galt Atomkraft damals dennoch als saubere Energiequelle der Zukunft.

Kühltürme des Kernkraftwerks Philippsburg  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa)
Kühltürme des Kernkraftwerks Philippsburg picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

Aus für Block 1 nach Fukushima

Erste Risse im Glauben an die Kernenergie entstanden in der 1980er Jahren. Nach dem Super-GAU 1886 im damals sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl wurde die Anti-Atom-Bewegung immer stärker. Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ließ das Bundeskabinett 2011 den Ausstieg aus der Kernkraft beschließen. Block 1 des Kernkraftwerks Philippsburg wurde nach 32 Betriebsjahren noch im gleichen Jahr stillgelegt.

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Das Ausstiegsszenario der Bundesregierung gewährte Block 2 eine Restlaufzeit bis Ende 2019. Mit der Abschaltung am 31. Dezember vergangenen Jahres endete die Ära Atomkraft in Philippsburg. Insgesamt haben die beiden Anlagen über 570 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt und gemeinsam rechnerisch mehr als vier Millionen Haushalte versorgt

Bundesamt hatte keine Zweifel an Sicherheit

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit zählte im Kernkraftwerk Philippsburg insgesamt über 650 meldungspflichtige Ereignisse. Die Zahl sei jedoch kein Gradmesser dafür, wie sicher oder unsicher ein Kernkraftwerk sei, hieß es von der Behörde. Eine unsichere Anlage würde keine Betriebsgenehmigung besitzen.

Neue Karriere als Ökostrom-Verteilzentrum

Der Rückbau des Kernkraftwerks wird nach Angaben des Betreibers EnBW etwa 15 Jahre dauern. Auf dem Kraftwerksgelände in Philippsburg soll ein Umspannwerk entstehen. Die Anlage bildet den südlichen Endpunkt der Gleichstromleitung Ultranet. Sie transportiert große Mengen Strom aus Windparks in der Nordsee nach Süddeutschland.

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