Ein Steg beim Naturschutzgebiet Weingartner Moor bei Karlsruhe (Foto: SWR)

Genaue Ursachen noch unklar

Kein Wasser mehr - Zahl der Amphibien am Weingartener Moor geht dramatisch zurück

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Matthias Stauss

Tausende Frösche, Kröten und Co. kommen jedes Jahr im Naturschutzgebiet Weingartener Moor zur Welt. Aber wie lange noch? Weil Wasser fehlt, fallen immer mehr Laichgebiete weg.

Der Holzsteg vor dem Weingartner Moor bei Karlsruhe ist eigentlich dazu da, dass man keine nassen Füße bekommt. Denn unter dem Steg stehen normalerweise gut zehn Zentimeter Wasser. Diese nassen Waldflächen sind bei Amphibien besonders beliebt. Hier laichen jedes Jahr unzählige Springfrösche, Erdkröten und andere Tierarten.

Das dritte Frühjahr in Folge sind weite Teile zwischen dem Weingartener Moor und dem Grötzinger Bruchwald aber komplett trocken. Das Ergebnis: Die Amphibien können ihren Nachwuchs nicht mehr sicher zur Welt bringen. Besonders Springfrösche, Grasfrösche oder Erdkröten trifft das hart. Sie laichen nur einmal pro Jahr. Bei Amphibien, die häufiger laichen, sieht es etwas besser aus.

"Das ist ein ganz schwerer Schlag für die Populationen."

Leicht überflutete Waldflächen am Weingartener Moor bei Karlsruhe (Foto: SWR)
So müssten die Waldflächen rund um das Weingartener Moor überall aussehen, damit sich die Amphibien wohlfühlen.

Wassermangel hängt mit Klimawandel zusammen

Auch der Moorsee selbst ist keine Alternative, um dort die Laichballen abzulegen. Dort sind sie Fressfeinden wie Vögeln oder Fischen schutzlos ausgeliefert. Naturschützerinnen und Naturschützer sind alarmiert. Das Naturschutzgebiet Weingartener Moor gilt nämlich als größter Fortpflanzungsort für Amphibien in ganz Nordbaden.

Hartmut Weinrebe ist Regionalgeschäftsführer bei der Naturschutzorganisation BUND. Aus seiner Sicht hängt der Wassermangel mit dem Klimawandel zusammen. Von oben und aus den umliegenden Flüssen komme zu wenig Niederschlag am Weingartener Moor an. Der Wasserstand am Moorsee selbst sei aktuell gut, aber die Waldflächen daneben leiden darunter.

Zahl der Frösche und Kröten geht Schätzungen zufolge um 90 Prozent zurück

Thomas Hauenstein vom Naturtreff Grötzingen will die Amphibien schützen. Jedes Jahr hilft er Tausenden von ihnen sicher über die nahe gelegene B3. Im Frühling sind es die Muttertiere und im Frühsommer dann der Nachwuchs, die auf Wanderschaft gehen.

"Man hat kaum Möglichkeiten, die Situation auf die Schnelle zu verbessern."

In normalen Jahren würden Hunderttausende Tiere die Straße überqueren wollen. 2021 dagegen seien es nur wenige Tausende gewesen.

Regierungspräsidium Karlsruhe sieht Weingartener Moor nicht an erster Stelle

Das ist mit einer der Gründe, weshalb das Regierungspräsidium Karlsruhe ein Gutachten zum Weingartner Moor gestartet hat. Es soll genau untersucht werden, warum die Waldflächen im Naturschutzgebiet immer trockener werden. Im Mai soll das Gutachten fertig sein.

Und warum kommt das Gutachten erst jetzt, obwohl der Wassermangel schon länger bekannt ist? Daniel Raddatz leitet das zuständige Referat für Naturschutz und Landschaftspflege. Gemeinsam mit seinem Team betreut er mehr als 200 Naturschutzgebiete. Deswegen müsse man Prioritäten setzen, sagt er.

"Wir haben natürlich begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen."

Der Fokus der Behörde lag zuletzt auf den Hochmooren am Kaltenbronn. Für das größte Hochmoor im Schwarzwald wurde bei der EU ein Förderantrag in Millionenhöhe eingereicht. Damit sollen die Moore, die ebenfalls unter Wassermangel leiden, renaturiert werden.

Wassermangel hat auch Auswirkungen auf uns Menschen

Hartmut Weinrebe unterstützt das Vorgehen des Regierungspräsidiums für das Weingartener Moor. Es brauche erst eine sorgfältige Analyse der Situation. Erst dann könne man mit Gegenmaßnahmen beginnen.

Wird nichts unternommen, bleibe das Ökosystem im Naturschutzgebiet dauerhaft gestört. Wälder müssten aber funktionieren, um uns Menschen zu helfen, sagte Weinrebe. Beispielsweise bei der Umwandlung von CO2 in Sauerstoff. "Die Waldflächen brauchen wir, wenn wir auch zukünftig noch hier leben wollen."

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