Blutspendezentrale am Klinikum Karlsruhe (Foto: SWR, SWR, Martin Besinger)

Auf der Suche nach neuen Spendern

Kaum noch Blutspenden – Situation am Klinikum Karlsruhe dramatisch

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"So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt der Leiter der Blutspende im Städtischen Klinikum Karlsruhe. Der Versorgungsengpass mit Blutreserven sei dramatisch.

Er lebe sozusagen von der Hand in den Mund, warnt Andreas Ruf. Er leitet die Blutspendezentrale am Städtischen Klinikum Karlsruhe. Falls es bei diesem Versorgungsengpass mit Blutspenden bleibe, gebe es von Seiten der Klinikleitung Maßnahmenpläne, die in Gang gesetzt würden, erklärt Ruf.

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Blutreserven fehlen - Dauerspender müssen rekrutiert werden

Dazu gehöre unter anderem, dass Dauerspender angeschrieben und gebeten werden, Blut und Plasma zu spenden. Da diese Maßnahme inzwischen aber erschöpft sei, wende sich das Klinikum jetzt auch an die Öffentlichkeit, um potenzielle neue Spender zu finden, erklärt Ruf.

Andreas Ruf leitet die Blutspendezentrale am Stadtischen Klinikum Karlsruhe (Foto: SWR, SWR, Martin Besinger)
Andreas Ruf leitet die Blutspendezentrale am Stadtischen Klinikum Karlsruhe SWR, Martin Besinger

In letzter Konsequenz würden die Maßnahmenpläne auch vorsehen, planbare OPs zu verschieben. Bisher sei das am Karlsruher Klinikum laut Ruf nicht nötig gewesen, es gebe keine Gefährdung der Patientenversorgung.

Phänomen: Immer um Pfingsten gehen die Blutspenden zurück

Jedes Jahr um Pfingsten gehen bundesweit die Blutspenden zurück. Dieses Jahr sei die Situation aber besonders ausgeprägt, so der Leiter der Blutspendezentrale am Klinikum. Nach seiner Einschätzung geht der hohe Ausfall an Blutspenden auf die ebenfalls hohe Zahl der Corona-Infektionen der vergangenen Wochen und Monate zurück.

"Das hat den Sicherheitspuffer von Blutspenden sehr stark reduziert."

Wegfall der Corona-Einschränkungen - weniger Blutspenden

Das Problem bestehe nicht nur für das Klinikum Karlsruhe, sondern sei ein bundesweites Problem, bestätigt die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI). Hubert Schrezenmeier vom DGTI führt noch weitere Faktoren für den Rückgang an.

"Die Ferienzeit, Feiertage und das schöne Wetter führen dazu, dass Menschen eher anderen Freizeitaktivitäten nachgehen, als Blut spenden zu gehen."

Vor allem aber wirke sich derzeit der Wegfall der Corona-Einschränken aus, da die Menschen jetzt wieder mehr reisen oder Hobbys nachgehen, die in den letzten beiden Jahren nicht möglich waren, so Schrezenmeier, der auch Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Ulm ist.

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Weltblutspendetag am 14. Juni

Zum Weltblutspendetag am 14. Juni 2022 rufen die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gemeinsam mit Blutspendeeinrichtungen bundesweit dazu auf, Blut und Plasma zu spenden. Dazu stehen verschiedene Blut- und Plasmaspendedienste zur Verfügung. Auch das Deutsche Rote Kreuz bietet deutschlandweit Termine zur Blutspende an.

In Karlsruhe können Bürgerinnen und Bürger auch direkt in der Blutspendezentrale des Städtischen Klinikums spenden.

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