Julia Zugschwerdt nimmt eine Probe von einem kranken Baum, der vom Schwarzen Rindenbrand befallen ist (Foto: SWR)

Der Schwarze Tod auf den Streuobstwiesen

Karlsruher Wissenschaftler untersuchen die Pilzkrankheit Schwarzer Rindenbrand

STAND
AUTOR/IN
Heiner Kunold
Das ist Heiner Kunold (Foto: SWR)

Der Schwarze Rindenbrand macht sich seit ein paar Jahren vor allem in der Oberrheinebene in Streuobstbeständen breit. Die Pilzkrankheit wird von Wissenschaftlern in Karlsruhe untersucht.

Seit dem ersten Jahrhunderthitzesommer im Jahr 2003 breitet sich der schwarze Rindenbrand auch in der Rheinebene und im Kraichgau immer stärker aus. Wissenschaftler nennen die Pilzkrankheit Diplodia. Sie befällt vor allem geschwächte Bäume und kann im Extremfall sogar zum Absterben der Pflanze führen.

Der Schwarze Rindenbrand ist ein Schwächeparasit

Diplodia ist vor allem ein Schwächeparasit. In den vergangenen drei Trockensommern ist der Pilz erneut verstärkt in Erscheinung getreten. Die Wissenschaftler im Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) auf dem Durlacher Augustenberg werten im Rahmen ihres Forschungsprojekts aktuell Proben aus ganz Deutschland aus. Untersucht wird, ob bestimmte Apfelsorten besonders betroffen sind und wie die Bäume geschützt werden könnten.

Wassermangel macht Bäume besonders anfällig

Das Forschungsprojekt ist noch nicht beendet. Aber schon jetzt steht fest: Wassermangel spielt bei der Ausbreitung des Schwarzen Rindenbrandes eine entscheidende Rolle, weil Bäume, die unter Mangel leiden, anfälliger sind. Fest steht inzwischen auch, dass nicht alle Apfelsorten gleich stark betroffen sind. Welche Sorten robuster sind, muss noch genauer untersucht werden. Besonders anfällig für Diplodia ist aber die Apfelsorte Topaz, die gerne auch von Gartenbesitzern gepflanzt wird.

Ein Weißanstrich könnte helfen

Ein wirksames Mittel gegen die Pilzkrankheit gibt es noch nicht. Auch danach suchen die Karlsruher Wissenschaftler. Was helfen kann, beschreibt Projektleiter Jan Hinrichs-Berger, wäre ein Weißanstrich schon bei jungen Bäumen direkt nach der Pflanzung. Dieser Anstrich verhindert Sonnenbrand und damit das Aufplatzen der Rinde an jungen Baumstämmen. Auf diese Weise erhält der Schwarze Rindenbrand weniger Angriffsfläche.

Kupfer im Weißanstrich soll ebenfalls gegen Diplodia helfen. Allerdings nur, solange der Pilz noch nicht in tiefere Schichten der Borke eingedrungen ist. Dort wirkt das Kupfer als Fungizid nicht mehr.

Braune, vertrocknete Rinde wäre ein Indiz

Für Laien gibt es eine einfache Methode, den schwarzen Rindenbrand zu erkennen, erklärt die Augustenberger Agrarwissenschaftlerin Julia Zugschwerdt: Am besten wäre es, schwarze, befallene Rindenteile mit einem Messer zu lösen. Wenn die Schicht darunter noch grün und saftig ist, handelt es sich nicht um Diplodia. Ist allerdings auch die Schicht unter der Schwarzen Rinde braun und eingetrocknet, wäre das ein starkes Indiz für den Schwarzen Rindenbrand. Ganz genau kann das allerdings erst unter dem Mikroskop geklärt werden.

Wissenschaftler suchen noch Probanden

Die Wissenschaftler im LTZ sind auf der Suche nach Streubosbtwiesen und biologisch geführten Plantagen, um die Pilzkrankheit noch genauer erforschen zu könen. Allerdings wäre dabei vor allem wichtig, die Apfelsorten eindeutig zu bestimmen, um gesicherte Aussagen über die Widerstandsfähigkeit machen zu können, beschreibt Julia Zugschwerdt das Problem der Wissenschaftler.

Befallene Äste am Besten verbrennen

Wer einen mit dem Schwarzen Rindenbrand befallenen Baum hat, sollte, wenn möglich, die befallene Stelle heraussägen. Allerdings dürfen verpilzte Äste nicht einfach kompostiert werden, weil sich die Pilzsporen immer noch weiter verbreiten könnten.  Die effektivste Methode der Entsorgung von kranken Baumteilen wäre, sie zu verbrennen.

Pockenmilbe, Apfelwickler & Co. Was tun, wenn Obstbäume krank sind?

Was gibt es Besseres, als selbst geerntetes Obst? Aber nicht immer läuft alles glatt. Plötzlich sehen die Blätter komisch aus oder das Obst ist angestochen. Doch was ist dann zu tun?  mehr...

Kaffee oder Tee SWR Fernsehen