Viele Karlsruher wollten die Eröffnung des Straßenbahntunnels am vergangenen Wochenende nicht verpassen (Foto: Pressestelle, KVV )

Busse und Bahnen werden teurer

Der Karlsruher Verkehrsverbund erhöht seine Fahrpreise

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Trotz 9-Euro-Ticket dreht der KVV an der Preisschraube und erhöht zum 1. August seine Fahrpreise um über zwei Prozent. Der Verbund hatte die Preiserhöhung um acht Monate verschoben.

Eigentlich wären die Tarifanpassungen bereits zum Fahrplanwechsel im Dezember fällig gewesen. So kommen die Preiserhöhungen ein knappes Dreivierteljahr später und sollen künftig immer im August folgen.

Preiserhöhung bleibt dieses Jahr moderat

Die gute Nachricht für Bus- und Bahnfahrer im Gebiet des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV): Die aktuelle Preiserhöhung fällt noch moderat aus, weil Inflation, Energiepreissteigerungen und die Folgen des Ukraine-Krieges noch nicht in den Tariferhöhungen enthalten sind. Mit einer erheblichen Preiserhöhung ist deshalb erst im August 2023 zu rechnen.

Eine Prognose für das kommende Jahr wagt auch KVV-Chef Alexander Pischon derzeit nicht. Folgte die im Verkehrsverbundsdeutsch formulierte "Anpassung" der aktuellen Inflation, dann steht den KVV-Kunden im kommenden Jahr eine Steigerung von mindestens sieben Prozent ins Haus. Andere Verbünde haben ihre Preise bereits in diesem Jahr um bis zu zehn Prozent erhöht.

Bus- und Bahnfahrer in Karlsruhe kommen glimpflich davon

Profiteure der Preisanpassung in diesem Jahr sind auf jeden Fall die Karlsruher. Denn bei Kurzstreckentickets wird die allgemeine Preissteigerung von 2,34 Prozent nicht vorgenommen. Nur wenn die Erhöhung mehr als zehn Cent beim Fahrpreis ausmacht, wird sie auch umgesetzt. Das betrifft vor allem Pendler aus dem Umland, die mehr als drei Waben durchfahren. Der KVV kündigte aber an, dass im kommenden Jahr dann auch die Kurzstreckentarife steigen werden.

Oberbürgermeister Mentrup: "9-Euro-Ticket bleibt Strohfeuer"

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden des KVV, Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) und KVV-Chef Alexander Pischon ist das 9-Euro-Ticket nur ein Strohfeuer. Der Bund hätte besser daran getan, die 2,5 Milliarden Euro in nachhaltige Maßnahmen wie eine Verbesserung der Liniennetze zu investieren, betonte Pischon am Mittwoch bei der Vorstellung der neuen Tarife.

"Wir gönnen es unseren Fahrgästen und freuen uns über die rege Nachfrage. Aber es ist eben nur eine kurzfristige Geschichte. Wir hätten diese 2,5 Milliarden Euro lieber für eine nachhaltige Finanzierung des ÖPNV gehabt."

Das Betriebsdefizit galoppiert davon

Der KVV leidet laut Pischon, wie die gesamte Wirtschaft auch, an unvorhersehbaren Preissteigerungen. So habe der KVV für eine Megawattstunde Strom zuletzt noch 50 Euro bezahlt. Aktuell kostet die Kilowattstunde am Markt aber 300 Euro. Dazu kommen zu erwartende Lohntarifsteigerungen zwischen vier und sieben Prozent oder steigende Bau- und Materialpreise. Oberbürgermeister Mentrup (SPD) sprach am Mittwoch von einem ständig davongaloppierenden Betriebsdefizit.

KVV rechnet mit mindestens 600.000 9-Euro-Tickets

Die zu erwartenden Verluste von rund 20 bis 25 Millionen Euro durch das 9-Euro-Ticket muss der KVV allerdings nicht selbst tragen. Diese Kosten werden vom Bund komplett übernommen. Insofern kann sich der KVV über 40.000 verkaufte Tickets in den ersten drei Tagen einfach nur freuen. Laut Geschäftsführer Pischon rechnet der Karlsruher Verkehrsverbund mit mindestens 600.000 verkauften Tickets pro Monat.

Derzeit stehen kaum zusätzliche Bahnen zur Verfügung

Ob allerdings alle, die ein solches Ticket kaufen, es dann auch immer benutzen, sei die Frage, meint Pischon. Im Moment habe der Verbund eine Auslastung seiner Busse und Bahnen von durchschnittlich 80 Prozent. Es sei also eine Steigerung der Fahrgastzahlen möglich, wenn man von der Berufsverkehrszeit absehe. Allerdings verfügt der KVV mit aktuell 320 Bahnen nur über eine Reserve von 15 Prozent. Damit ist es kaum möglich, die Kapazitäten kurzfristig weiter zu steigern. Unterm Strich könnte es also zu Stoßzeiten und im Wochenendverkehr etwa in den Schwarzwald durchaus eng werden.

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