Mario Keller stirbt bei Anschlag (Foto: SWR)

20 Jahre Krieg in Afghanistan

Rückblick: Karlsruher Polizist Mario Keller starb bei Anschlag in Afghanistan

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Markus Bender

Mit dem Terroranschlag auf das World Trade Center begann der lange Krieg in Afghanistan. Und der größte und teuerste Auslandseinsatz der Bundeswehr. Bei dem nicht nur 59 deutsche Soldaten ums Leben kamen, sondern auch ein Polizist aus Karlsruhe.

Mario Keller aus Karlsruher war 39 Jahre alt, als er als Polizist nach Afghanistan entsandt wurde. Er sollte dort den deutschen Botschafter beschützen. Eigentlich hätte er nach Sarajewo entsandt werden sollen - so stand es bereits in seinem Diplomatenpass. Aber weil ein Kollege für Afghanistan abgesprungen war, wurde er dorthin versetzt.

Hinterhältiger Anschlag der Taliban

Mehrere Monate lang beschützt der Karlsruher Polizist den deutschen Botschafter in Kabul. Bis er am 15. August 2007 zusammen mit weiteren Beamten zu einer Schießübung aufbricht. Auf dem Weg dorthin detoniert direkt unter seinem Auto ein Sprengsatz der Taliban. Mario Keller und zwei weitere Beamte - darunter einer aus Baden-Baden - verlieren ihr Leben.

14 Jahre nach dem hinterhältigen Anschlag beschäftigt den Bruder Markus Keller immer noch die Frage nach dem "Warum": "Ein Mensch, der seinen Dienst im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland tut, wird dann so in einer Art und Weise bestraft", sagt er. Warum mussten die Beamten zur Schießübung, warum ist jemand kurzfristig für den Einsatz in Afghanistan abgesprungen, warum detonierte der Sprengsatz ausgerechnet unter dem Auto seines Bruders?

Anschlag in Afghanistan (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/dpa/Syed Jan Sabawoon)
Am 15. August 2007 stirbt der Karlsruher Mario Keller bei einem Anschlag in Kabul. picture-alliance/dpa/Syed Jan Sabawoon

Einsatz war nicht umsonst

Mit vielen Jahren Abstand hat Markus Keller den Tod seines Bruders verarbeitet. Aber, wenn er sich die Bilder von damals heute wieder anschaut kommen die Emotionen hoch: "Das ist aufwühlend, weil das vom normalen Alltag verdrängt wird", sagt der Karlsruher.

Mario Keller wollte damals ins Ausland, hatte sich freiwillig für den besonderen Dienst beworben und wurde ausgewählt. Auch wenn der Verlust schmerzt, war sein Dienst in Afghanistan für seinen Bruder Markus Keller nicht umsonst.

"Mein Bruder hat dafür gesorgt, dass eine gewisse Konstantheit in Afghanistan unter anderem durch die deutsche Botschaft ausgeht."

Mario-Keller-Schule soll Bildungssituation für Mädchen verbessern

Nach dem Tod von Mario Keller wurde durch Spenden eine Mädchenschule in Afghanistan gebaut und nach seinem Namen benannt. Es war der Wunsch des Karlsruher Polizisten die Bildungssituation für Mädchen in dem Land zu verbessern. Mit der Errichtung der Mario-Keller-Schule konnten mehrere hundert Mädchen dort zur Schule gehen.

Nach dem Abzug der westlichen Truppen und der Machtübernahme durch die Taliban ist die Situation der Schule allerdings unbekannt, was aus ihr wird ist ungewiss. Zumindest das Gebäude wurde nach Angaben des Vereins "Lachen helfen" nicht zerstört. In dem Verein engagieren sich Soldaten und Polizisten und fördern private Projekte, wie die Mario-Keller-Schule.

Mario Keller Schule in Afghanistan (Foto: Pressestelle, Lachen helfen e.V.)
Die Zukunft der Mario-Keller-Schule in Afghanistan ist nach der Machtübernahme der Taliban ungewiss. Pressestelle Lachen helfen e.V.

Sorgenvolle Blicke nach Afghanistan

Markus Keller wollte schon immer die Schule selbst besuchen, schauen was vor Ort dort passiert. Aus Sicherheitsgründen war dies bislang nicht möglich. Der Blick auf die neue politische Situation in Afghanistan ist für ihn erschreckend: "Gerade die Kinder und Frauen werden in Stich gelassen und diese tun mir am meisten leid. Das Land fällt wieder 200 Jahre zurück. Solange die Taliban herrschen, wird sich der westliche Einfluss auch nie mehr wieder breit machen."

Jeder Bericht über Afghanistan hält bei Markus Keller und seiner Familie die Erinnerung an den getöteten Karlsruher Polizisten wach.

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