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Um jüdisches Leben in Karlsruhe ist es bei einer Lesung am Dienstagabend im Tollhaus gegangen. Sie ist Teil des bundesweiten Jubiläums "1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland".

Bundesweit wird in diesem Jahr das Jubiläum gefeiert. Da Karlsruhe eine relativ junge Stadt ist, blickt sie auf nur 300 Jahre jüdisches Leben zurück - eine relativ kurze Geschichte, aber dennoch sehr bewegt.

"Isaaks Weg" - eine bewegende Geschichte

Die Lesung am Dienstagabend im Kulturzentrum Tollhaus thematisierte unter dem Titel "Isaaks Weg" jüdisches Leben in Karlsruhe unmittelbar nach der Stadtgründung vor 300 Jahren bis hin zur Deportation der badischen Juden ins Konzentrationslager Gurs im Jahr 1940.

Juden bleiben zunächst benachteiligt

Markgraf Karl Friedrich verspricht ab 1715 unter anderem Religionsfreiheit in Baden. Der Jude Isaak sucht Schutz in der rasch wachsenden jüdischen Gemeinde, die bereits über eine erste Synagoge und einen Rabbiner verfügt. Die jüdische Bevölkerung trägt wesentlich zum Aufblühen der jungen Stadt bei, viele Rechte bleibt ihr dennoch verwehrt.

Erst 1862 werden die Juden rechtlich völlig gleichgestellt. Sie lieben ihre Heimatstadt und kämpfen im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland. Nach dem verlorenen Krieg ist der Antisemitismus dann nicht mehr aufzuhalten. Die Lesung endet mit der Deportation der Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland am 22. Oktober 1940. 1933 lebten noch 3.500 Juden in Karlsruhe, nach der Deportation kein einziger mehr.

Bundesweites Festjahr

Die Vermittlung von vielfältigem jüdischem Leben in der Öffentlichkeit und der 1.700-jährigen jüdischen Geschichte und Kultur auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands steht im Zentrum des bundesweiten Festjahres. Zugleich gilt es, dem wiederauflebenden Antisemitismus in Europa entgegenzuwirken.

Vielfältiges jüdisches Leben in Karlsruhe heute

Es gibt zwei jüdische Gemeinden in Karlsruhe - die jüdische Kultusgemeinde mit etwa 900 Mitgliedern und die Chabat, eine jüdisch orthodoxe Gemeinde. Die Herausforderungen sind vielseitig. Antisemitismus ist und bleibt ein ernst zu nehmendes Problem. Die Corona Pandemie hat viele, vor allem ältere Menschen, vom Gemeindeleben isoliert.

Viele Veranstaltungen zum Gedenken 80 Jahre Gurs: Deportation in den "Vorhof der Hölle"

Mit einem Schweigemarsch wurde am Donnerstag in Bruchsal der Deportation von 6.500 jüdischen Menschen in das französische Internierungslager Gurs gedacht. Auch zahlreiche Menschen aus der Region Karlsruhe wurden deportiert.  mehr...

SWR1 Sonntagmorgen 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Seit dem Jahr 321 leben Jüdinnen und Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Mit einem Festakt in der Kölner Synagoge beginnt am 21. Februar der bundesweite Auftakt zum Festjahr.  mehr...

Sonntagmorgen SWR1

Karlsruhe

Bis auf die Grundmauern niedergebrannt Vor 150 Jahren: Weinbrenner-Synagoge in Karlsruhe zerstört

Vor 150 Jahren, am 29. Mai 1871, ist die von Friedrich Weinbrenner entworfene Karlsruher Synagoge abgebrannt. Die Ursache war keine Brandstiftung, sondern ein Feuer in einem Nachbargebäude.  mehr...

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Im Heidelberger Forum der Kunst vom 27.Juni bis 15. August Ausstellung "was bleibt" – jüdisches Leben in Deutschland

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