Solange Rosenberg, Vorsitzende jüdische Gemeinde Karlsruhe (Foto: SWR, SWR, Daniel Günther)

Religionszugehörigkeit spielt hier keine Rolle

So hilft die jüdische Gemeinde in Karlsruhe Geflüchteten aus der Ukraine

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Daniel Günther

Immer mehr Menschen müssen wegen des Krieges in der Ukraine ihre Heimat verlassen. In Deutschland gibt es Hilfe von vielen Seiten - auch von der jüdischen Gemeinde in Karlsruhe.

Die Verbindung in die Ukraine ist eng, etwa die Hälfte der Mitglieder der jüdischen Gemeinde Karlsruhe stammt von dort. Daher finden auch viele Geflüchtete eine erste Zuflucht bei Verwandten und Bekannten aus der Gemeinde.

Im großen Saal der jüdischen Gemeinde spielen jetzt Kinder aus der Ukraine

Dort wird alles getan, um jeder und jedem einzelnen zu helfen. Fast jeder Winkel des jüdischen Gemeindezentrums wird dafür gebraucht: Im großen Saal gibt es die Möglichkeit für die Kinder zu spielen.

Und vor der Küche stehen Tische und Bänke für die warmen Mahlzeiten, die hier täglich ausgegeben werden - zum Beispiel Borschtsch, die kräftige Rote-Bete-Suppe, ein Gericht aus der ukrainischen Heimat.

Dreijährige Zwillinge mussten Bombenangriff in Kiew miterleben

Daniel Nemirovski ist der Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde. Er hat in diesen Tagen viel zu tun. Wie fast alle Mitarbeiter der Gemeinde ist er fast rund um die Uhr im Einsatz - das geht an die Substanz.

Daniel Nemirovski, Geschäftsführer jüdische Gemeinde Karlsruhe (Foto: SWR, SWR, Daniel Günther)
Daniel Nemirovski, Geschäftsführer jüdische Gemeinde Karlsruhe

"Wir sind jetzt schon an unsere Belastungsgrenze angekommen. Wir arbeiten mit allen Menschen guten Willens zusammen, um den Menschen, die auf der Flucht sind, Hilfe zu leisten."

Und hinter jedem Geflüchteten steht ein persönliches Schicksal. Deshalb sucht Daniel Nemirovski im Moment psychologische Hilfe für dreijährige Zwillinge, die nach einem Bombenangriff in Kiew aufgehört haben zu sprechen.

Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle - es zählt die Mizwa

Für etwa 500 Menschen war die jüdische Gemeinde bislang Anlaufstelle. Die allermeisten von ihnen sind nicht jüdisch. Wie die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Solange Rosenberg, betont, spielt die Religionszugehörigkeit überhaupt keine Rolle.

"Jedem haben wir hier irgendwie helfen können. Da ist es ganz egal, ob das Juden sind oder Nicht-Juden. Wer in Not ist, dem wird geholfen. Das nennen wir im Judentum eine 'Mizwa'."

Geflüchtete sind dankbar für die große Hilfe durch die jüdische Gemeinde

Die Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde suchen für die Menschen aus der Ukraine auch Kindergarten- und Schulplätze. Und sie unterstützen bei notwendigen Behördengängen.

Auch zahlreiche Kleiderspenden werden in der jüdischen Gemeinde für die ukrainischen Gäste gesammelt. (Foto: SWR, SWR, Daniel Günther)
Auch zahlreiche Kleiderspenden werden in der jüdischen Gemeinde für die ukrainischen Gäste gesammelt.

Sozialarbeiterin Olga Schäfer, die seit Februar bei der Gemeinde angestellt ist, erlebt eine große Dankbarkeit bei den Geflüchteten. Und sie stellt auch fest, dass sich alle nützlich machen und nicht zur Last fallen wollen.

"Sie sind sehr froh, dass sie da sein können und dass so eine große Hilfe geleistet wird."

Bald feiern sie in der jüdischen Gemeinde das Pessach-Fest. Dann wird es vielleicht noch etwas enger werden. Aber das nehmen im Moment alle gerne in Kauf.

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