Ein Wolf im Wald (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Klaus-Dietmar Gabbert)

Sesshafter Wolf rund um Hornisgrinde

Wildtierbeauftragter: Besiedlung durch Wölfe im Nordschwarzwald wahrscheinlich

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Laura Bisch
Laura Bisch, Reporterin und Redakteurin im SWR Studio Karlsruhe (Foto: SWR, SWR)

Ein Wolf ist rund um die Hornisgrinde im Nordschwarzwald sesshaft geworden. Der Wildtierbeauftragte des Landkreises Rastatt ist sich sicher: Der Wolf wird hier bleiben.

Auf der Hornisgrinde im Nordschwarzwald hat sich ein Wolf niedergelassen - der fünfte in Baden-Württemberg. Der Rastatter Wildtierbeauftragte Martin Hauser erklärt im Interview mit dem SWR, warum der Wolf gekommen ist, um zu bleiben und wie wir uns verhalten sollten, wenn wir ihm begegnen.

SWR Aktuell: In Baden-Württemberg - genauer auf der Hornisgrinde - wurde ein fünfter sesshafter Wolf nachgewiesen. Ist davon auszugehen, dass er hier in der Region bleibt?

Martin Hauser: Davon ist auszugehen. Die Regelung ist, wenn ein Wolf irgendwo frisch auftaucht und er dann sechs Monate lang nachgewiesen wird durch DNA, dann kann man ihn als sesshaft und territorial einstufen. Und das gilt jetzt auch seit ganz Kurzem für diesen Wolf, der auf der Hornisgrinde unterwegs ist.

Seit vier Jahren ist der Wildtierbeauftragte Martin Hauser dem Wolf dicht auf den Fersen (Foto: SWR, Greta Hirsch)
Seit einigen Jahren ist der Wildtierbeauftragte Martin Hauser dem Wolf und dem Luchs im Nordschwarzwald dicht auf den Fersen.

Der stammte ursprünglich aus Österreich, ist wahrscheinlich drei bis vier Jahre alt und er hat jetzt in diesem Zeitraum von sechs Monaten immer wieder eindeutige Nachweise für diese Einstufung eines territorialen Wolfs geliefert.

SWR Aktuell: Das heißt, der ist nicht jetzt erst hier auf den Plan gekommen, sondern schon vor Monaten?

Hauser: Der ist im vergangenen Jahr schon in Erscheinung getreten. Aber immer ganz sporadisch. Im Sommer war es dann häufiger und jetzt ist dieser Status erreicht, dass man ihn eben als einen sesshaften territorialen Wolf einstuft.

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SWR Aktuell: Wie wahrscheinlich ist es, einem Wolf im Nordschwarzwald zu begegnen?

Hauser: Der Wolf ist sehr gerne auf ganz normalen Waldwegen unterwegs. Er will relativ schnell und unverletzt von A nach B kommen - und das nicht nur nachts. Deshalb sind die Begegnungen mit uns Menschen nichts Außergewöhnliches.

Ich habe jetzt in den ganzen Jahren [...] noch nie einen Wolf gesehen.

Die Wahrscheinlichkeit ist nur schwer zu berechnen. Ich habe jetzt in den ganzen Jahren, wo der Wolf bei uns im Nordschwarzwald schon heimisch ist - und das sind jetzt sieben Jahre - noch nie einen Wolf gesehen. Und das, obwohl ich schon warme Losungen, also Wolfskot, in der Hand hatte und ich eigentlich ständig im Rahmen meiner Aufgabe des Monitorings unterwegs bin. Aber er hat mich garantiert schon oft gesehen.

SWR Aktuell: Wie groß ist der Bereich, in dem sich Wölfe normalerweise aufhalten?

Hauser: Da muss man ein bisschen unterscheiden. Bei uns ist es ja noch so im Schwarzwald: Es gibt noch keine von Rudeln besetzte Reviere, die dann auch ganz klar ihre Grenzen verteidigen würden. Und deshalb gibt es eigentlich für alle vorhandenen Wölfe im Moment sozusagen freies Betretungsrecht. Und der Rüde, der am längsten hier ist, der nimmt so ein freies Betretungsrecht mit circa 80.000 Hektar in Anspruch. Und das ist ein Vielfaches vom Revier, das ein Rudel beanspruchen würde.

Ein Einzeltier, das hat halt das Streifgebiet. Und die gehen sich dann gegenseitig sicherlich auch aus im Weg. Die Verteidigungskämpfe um ein Revier beginnen erst, wenn sich Rudel etablieren.

SWR Aktuell: Wie würde man sich verhalten, wenn man einem Wolf gegenübersteht?

Hauser: Man sollte Wildtieren immer mit Respekt begegnen. Heißt: Abstand halten, nicht auf die Tiere zugehen, sie nicht bedrängen. Speziell beim Wolf sollte man sich durch lautes Reden oder durch in die Hände klatschen bemerkbar machen und ihm frühzeitig eine Rückzugsmöglichkeit anbieten. Wenn der Wolf trotzdem stehen bleibt, dann kann man sich laut redend langsam entfernen.

Mitgeführte Hunde sollte man anleinen, denn die zeigen ja oft den Reflex, wenn was wegläuft oder jemand wegläuft, dass sie gern hinterherspringen. Und so könnte es schon zum Konflikt kommen, wenn der Wolf, der ja eigentlich wegläuft, sich bedrängt fühlt.

Die bisher von mir dokumentierten Begegnungen zwischen Wolf und Mensch sind immer gleich ablaufen: Der Mensch, der den Wolf sieht, der Wolf, der immer in aller Ruhe weggelaufen ist. Und das wird auch so bleiben. Da gibt es ganz, ganz viele Begegnungen - nicht bloß bei uns, sondern bundesweit. Vielleicht kann man sich trotz des Schreckens auch etwas freuen über diese seltene Begegnung mit diesem beeindruckenden Tier, wo es bei ganz wenigen Menschen mit dieser Begegnung klappt.

Martin Hauser auf Spurensuche nach Wölfen. (Foto: SWR)

SWR Aktuell: Wie sieht so ein Wolf uns Menschen? Kann man das irgendwie beschreiben?

Hauser: Ja, da ist zunächst einmal ganz wichtig, dass es immer so bleibt, dass er uns als nichts Besonderes sieht. Man muss sich vorstellen, die jungen Wölfe - die Abwanderer - haben vielleicht noch gar keinen Menschen gesehen und sind deshalb neugierig. Und wenn so ein Wolf eine Menschengruppe im Wald sieht, dann merkt der, die sind laut oder die sind zu zweit oder zu dritt. Da läuft der dann einfach weg, weil er an uns überhaupt nicht interessiert ist - weder im Schlechten noch im Guten.

Und das muss unbedingt auch so bleiben. Auch beim Wolf auf der Hornisgrinde: Wenn der sich jetzt auch öfters zeigt, da haben wir eine ganz große Verantwortung als Menschen, dass wir uns richtig verhalten.

SWR Aktuell: Was bedeutet so ein fünfter Wolf in Baden-Württemberg jetzt für Menschen, die Weidetiere halten?

Hauser: Bisher sind hier ja vor allem Rüden. Aber wer weiß? Vielleicht könnte sich auch ein Weibchen im Nordschwarzwald niederlassen, um ein eigenes Rudel zu gründen. Wir müssen uns auf jeden Fall auf die Besiedlung durch Wölfe im Schwarzwald einstellen.

Es ist jetzt schwierig zu verstehen, aber es gibt keine Statistik, wo es heißt, dass mehr Wölfe auch mehr Nutztierrisse bedeuten. Es gibt Wölfe in Deutschland, die sich für Nutztiere überhaupt nicht interessieren. Da brauchen wir ordentliches Management, gute Zäune, um dem Wolf direkt zu signalisieren: "Guck, das sind gut geschützte Nutztiere, das Berühren des Zaunes tut weh. Such dir Beute in der freien Natur."

SWR Aktuell: Was bedeutet der Wolf auf der Hornisgrinde für unsere Region?

Hauser: Es gäbe erst eine neue Situation, wenn junge Tiere jetzt - etwa vom Südschwarzwald - vielleicht zu uns in den Norden kommen und sich da ihre Partner suchen. Oder wenn sich die Zuwanderung ausdehnt.

Hinweis der Redaktion: Das Interview führte Laura Bisch. Es wurde für die Online-Fassung nachträglich redigiert.

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