Geschäftsführer DRK-Kreisverband zu Ukraine-Hilfe (Foto: Pressestelle, DRK Kreisverband Karlsruhe)

Gespräch mit dem Geschäftsführer der DRK Karlsruhe

DRK zu Hilfstransporten in die Ukraine: "Man sollte einen 'Tourismus' der Hilfswilligen vermeiden"

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Fabiola Germer

Der Kreisgeschäftsführer Jörg Biermann vom Deutschen Roten Kreuz in Karlsruhe hat sich gegen private Hilfstransporte in die Ukraine ausgesprochen. Es müsse koordiniert werden, sagt er im SWR-Interview.

SWR: Wie schätzen Sie privat organisierte Hilfstransporte an die ukrainische Grenze ein, wenn Leute beispielsweise einen Kleinbus voll mit Spenden dorthin fahren?

Biermann: Das ist grundsätzlich sehr löblich, dass man helfen will. Aber die Situation ist momentan so, wie wir jetzt auch aus Berlin von unserem Bundesverband gehört haben, dass man davon absehen sollte, jetzt in dieses Krisengebiet zu fahren. Es ist immerhin Krieg. Und außerdem sind die Wege, die man benutzen kann, begrenzt. Momentan werden die Wege benutzt von den großen Hilfsorganisationen, um dort auch zum Beispiel Krankenhäuser oder andere Einrichtungen aufzubauen, sodass jetzt private Hilfe mit Privat-Pkws eher hinderlich sind.

Das heißt, es geht um die Vernetzung vor Ort, die die großen Hilfsorganisationen eher haben, als Privatleute?

Auf jeden Fall. Die großen Hilfsorganisationen haben regelmäßige Meetings, unter anderem auch mit der ukrainischen Regierung, und von daher rät man von privaten Aktionen ab. Das wichtigste ist eigentlich die Logistik, weil die Straßen anders sind als bei uns in Deutschland. Und man bittet bereits jetzt darum, diese Straßen im Prinzip nicht zu verstopfen.

Und wir hatten ja so was Ähnliches jetzt auch beim Hochwasser in Rheinland-Pfalz, wo sehr viele dann freiwillig hingefahren sind und Sachen mitgebracht haben. Und das führte dann dazu, dass ab und zu die ganzen Verkehrswege verstopft waren und gar nichts mehr lief. Jetzt sollte man sich darauf konzentrieren, wenn Flüchtlinge aus der Ukraine kommen, dass man sie in Karlsruhe und im Landkreis gut versorgt und unterbringt.

Ist das auch Ihre Sorge, dass es vor Ort noch chaotischer wird?

Ja das Problem ist, dass tatsächlich gerade viele losfahren. Und die Hilfsbereitschaft ist ja wirklich enorm. Es könnte sein, dass es dort tatsächlich zum Kollaps auf den Straßen kommt und dann überhaupt niemandem geholfen wird. Also, lieber momentan etwas abwarten und solange vielleicht Spenden sammeln, sortieren und so weiter.

Wie ist das, wenn Leute skeptisch sind, dass ihre Geldspenden an größere Hilfsorganisationen, wie das Deutsche Rote Kreuz zum Beispiel, dass die nicht ankommen?

Es ist ja immer das Problem, wenn zu Spenden aufgerufen wird, das gefragt wird, kommt das auch an. Das können wir garantieren. Das gilt fürs DRK, für Caritas und Diakonie. Wir arbeiten auch eng zusammen. Momentan ist mit Geld mehr geholfen, weil dann von den großen Hilfsorganisationen auch das geschafft werden kann, was man vor Ort braucht. Das ist gerade viel zielgenauer als ein Hilfstransport.

Wie bereitet sich das Deutsche Rote Kreuz in Karlsruhe hier in der Region aktuell vor?

Der Landkreis weiß, dass wir bereit stehen, wenn Hilfe gebraucht wird. Wir haben genug Erfahrungen gesammelt in den letzten Jahren, auch mit der Flüchtlingswelle. Wir betreiben in Karlsruhe auch eine Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Wir haben da ein gewisses Know-how und würden das zur Verfügung stehen, wenn die Politik uns darum bittet.

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