Drogenkonsum (Foto: dpa Bildfunk, Marcus Simaitis)

Zwischen Drogenkonsumraum und Substitionstherapie

Drogen-Suchthilfe in Karlsruhe: Warum Uli seit 30 Jahren heroinabhängig ist

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1.581 Menschen sind im vergangenen Jahr durch Drogen gestorben. Oft waren es Überdosierungen von Heroin. Wie wichtig Hilfsangebote sind, zeigt die Geschichte eines Suchtkranken aus Karlsruhe.

Mehr als 1.500 Menschen sind im vergangenen Jahr durch den Konsum von Drogen in Deutschland gestorben. In der Region Karlsruhe lag die Zahl der Drogentoten weit unter der bundesweiten Bilanz. So gab es im Stadtkreis Karlsruhe im vergangenen Jahr insgesamt sechs Drogentote, im Landkreis Karlsruhe waren es drei Menschen, die durch Drogenkonsum gestorben sind - oft waren es Überdosierungen von Heroin, die tödlich endeten. Auch für viele Freunde von Uli aus Karlsruhe. Er selbst ist seit vielen Jahren abhängig von Heroin.

"Angefangen hab ich mit Alkohol, Zigaretten und Cannabis, über die Techno-Szene kam ich an Ecstasy - schließlich hab ich dann Heroin kennengelernt."

Damals war er 19 Jahre alt. Inzwischen ist der gebürtige Freiburger 49, das Heroin aber ist geblieben. Seit mehr als 30 Jahren sei er suchtkrank, gesteht er. Aber er lebe noch, das habe er vor allem der Substitutionstherapie zu verdanken.

Immer wieder Kampf mit Rückfällen

Durch die Substitution muss sich Uli seine Drogen nicht mehr illegal beschaffen. Statt des Heroins von Dealern auf der Straße, nimmt er einen Ersatzstoff: Diamorphin. Das künstlich hergestellte Heroin bekommt er in der Karlsruher AWO-Ambulanz.

"Ich besuche die AWO-Ambulanz und bekomme da einen Heroin-Ersatzstoff. Das heißt, ich nehme da jeden Tag eine Tablette ein."

Ohne diese Tablette kann der 49-Jährige nicht. Obwohl er immer wieder gekämpft, immer wieder versucht hat, von den Drogen weg zu kommen. Vier Mal war Uli in Reha, immer mit der Hoffnung, clean zu bleiben. Und trotzdem wurde er wieder rückfällig. Hilfe finden Suchtkranke wie Uli unter anderem auch im Drogenkonsumraum in Karlsruhe. Vor zwei Jahren wurde er eröffnet - es ist der erste in Baden-Württemberg. Dort können Schwerstabhängige mitgebrachte Suchtmittel wie Kokain, Amphetamine unter Aufsicht konsumieren. Auch Uli war in den vergangenen Monaten immer wieder mal im Drogenkonsumraum, um dort illegale Drogen zu sich zu nehmen, erzählt er.

"Das geht da unter einwandfrei hygienischen Bedingungen. Man muss im Drogenkonsumraum keine Angst haben, dass man sich eine Erkrankung zuzieht."

Drogenkonsumraum in Hamburg (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Christophe Gateau/dpa)
Ein Schritt in Richtung fortschrittlicher Drogenpolitik - vor zwei Jahren wurde der Karlsruher Drogenkonsumraum eröffnet Foto: Christophe Gateau/dpa

Für den 49-Jährigen sei Karlsruhe im Bereich der Suchthilfe in ganz Baden-Württemberg richtungsweisend. Angebote wie der Drogenkonsumraum in Karlsruhe ist für Menschen wie ihn vor allem auch Überlebenshilfe. So gab es seit der Eröffnung mehrere Drogennotfälle, die vermutlich tödlich ausgegangen wären, hätten nicht die professionell ausgebildeten Mitarbeiter vor Ort geholfen. Für Ulis Freunde kam Hilfe dieser Art zu spät.

"Meine Freiburger Clique - meine Freunde, die sind alle tot. Derer möchte ich gedenken."

Karlsruhe

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