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Nach dem Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wird Kritik laut: Öffentliche Stellen hätten zu spät reagiert. Die Hochwasservorhersagezentrale behält die Pegelstände im Land im Blick.

Wo gibt es Hochwasser in Baden-Württemberg? Wie hoch ist der Wasserstand am Rhein? Welche Pegel haben die anderen Flüsse? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HVZ. Doch nicht alle wasserführenden Wege werden beobachtet und gemessen, sagt Manfred Bremicker, Leiter der Hochwasservorhersagezentrale:

"Alle wasserführenden Wege zu messen wäre natürlich eine unermessliche Aufgabe. Wir haben im Land rund 300 Pegel, die uns Informationen geben zu den verschiedenen Fließgewässern. Und zwar zu den mittleren und natürlich auch zu den großen Flussgebieten. Es ist eine sehr, sehr gute Übersicht. Es gibt natürlich in jedem Dorf noch einen Bach, und den können wir nicht im Einzelnen im Auge haben."

Wenn nicht lückenlos alle wasserführenden Wege beobachtet werden können, bleibt dann die Gefahr, dass sich ein kleines Flüsschen bei uns bei einem Hochwasser zu einem zerstörerischen Problem entwickelt?

"Es kann natürlich immer zu sehr, sehr raschen Entwicklungen kommen. Gerade wenn es jetzt sehr extreme Starkregenfälle sind. Und deswegen ist dann wirklich auch das Entscheidende, und das schreiben wir auch immer in den Informationen, dass man auch die Wetterwarnungen mitberücksichtigen muss. Also das eine ist, wie der Pegel gerade ist. Das andere ist, was kommt jetzt in den nächsten ein bis zwei Stunden."

Die Expertinnen und Experten der HVZ sammeln nicht nur Daten und veröffentlichen die Werte. Treffen Sie auch Vorhersagen darüber, wie sich ein Pegelstand entwickelt? Oder wie können sich Niederschläge auswirken?

"Wie es dann weiter läuft hängt an den Wettervorhersagen. Dort verwenden wir dann verschiedene Wettervorhersagen, weil es eben nicht die eine richtige Vorhersage gibt, sondern unterschiedliche. Die Wettermodelle variieren."

Pegelstände am Rhein steigen weiter an (Foto: SWR)
Am Pegel Maxau wird der aktuelle Wasserstand im Rhein angezeigt.

Nach der Hochwasserkatastrophe gibt es auch Stimmen, die sagen, zu den Warnsystemen müssten auch Sirenen gehören, die es aber nicht mehr überall gibt. Gegenbeispiel: In Ettlingen hat man neue Warnsirenen angeschafft, in Baden-Baden wurde unter anderem wegen des verheerenden Hochwassers der Oos 1998 entschieden, die Sirenen beizubehalten. Der Chef der HVZ in Karlsruhe hofft, dass die Hochwasserkatastrophe dazu führt, das komplette System zu optimieren.

"Wo sind Möglichkeiten, dass wir das Ganze noch weiter verbessern können? Einerseits sind die Apps natürlich eine tolle Sache, die Warnapps. Andererseits erreicht man damit auch nicht jeden. Und schlussendlich ist es dann tatsächlich auch ganz wichtig, dass man vielleicht Sirenen hat, um die Leute aus dem Schlaf zu holen oder Lautsprecherdurchsagen."

Wie genau die Warnkette in Baden-Würrtemberg im Falle eines Hochwassers funktioniert, wenn die HVZ Pegelstände meldet, die alarmierend sind und wer wen informiert erklärt abschließend der Leiter der Hochwasservorhersagezentrale Karlsruhe Manfred Bremicker:

"Wir haben im Land insgesamt 60 Aktivmeldepegel. Dort wird laufend der Wasserstand automatisiert kontrolliert, und wenn dann ein bestimmter Grenzwert-Warnwert überschritten wird, dann werden von diesem Pegel aus direkt die entsprechenden Leitstellen informiert. Die Leitstelle wiederum, die informiert dann wirklich auch die einzelnen betroffenen Kommunen."

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