Tobias Krieger aus Karlsruhe fährt in seiner Freizeit Hochrad

Antiquität auf der Straße

Was Musiklehrer Tobias Krieger aufs Hochrad bringt

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AUTOR/IN
Laura Bisch
Laura Bisch, Reporterin und Redakteurin im SWR Studio Karlsruhe

Eine Rarität ist nicht nur das Hochrad selbst, sondern auch sein Fahrer: Tobias Krieger aus Karlsruhe ist einer der wenigen aktiven Hochradfahrer, die es in Deutschland noch gibt.

Angefangen hat alles mit einem Flyer für eine Hochrad-Fahrschule - und einem Hinweis eines befreundeten Fahrradhändlers, erzählt Tobias Krieger. Seine damalige Freundin habe ihm dann einen "Hochrad-Führerschein" zum Geburtstag geschenkt. Seither sei er der "Hochrad"-Szene anhängig, erklärt Krieger.

Inneneinrichtung unter dem Motto Fahrrad

Dass ihn antike Fahrräder begeistern, ist keine Überraschung, wenn man durch seine kleine Dachgeschosswohnung in der Karlsruher Südstadt geht. In der Wohnung ist von Plakaten über Rad-Kalender, Fotos und eben echten Rädern alles zu finden. Und auch abseits der Räder wird klar: Tobias Krieger hat einen Sinn für das Antike. Auch die Möbel und Deko-Artikel wie antike Bügeleisen geben das Gefühl, in der Zeit gereist zu sein.

Dem Hochrad ist der hauptberufliche Musiklehrer bis heute treu geblieben: In der Karlsruher Südstadt ist "der Mann auf dem Hochrad" eine kleine Berühmtheit. Eine Normalität ist das Hochrad für die Nachbarschaft aber trotzdem nicht. Eine Anwohnerin erzählt: "Es ist schon was Außergewöhnliches, weil ich glaube, ich hab sonst noch nie einen Menschen in der heutigen Gesellschaft auf so einem alten Fahrrad fahren gesehen."

Krieger: Enorme Laufruhe hat was Meditatives

Dabei hat das Hochrad für Tobias Krieger etwas, das ein modernes Fahrrad nicht bieten kann: eine leise Fahrweise. Auf lange Strecken gebe ihm das ein "meditatives Gefühl", erklärt Krieger weiter.

"Doch eine ganz enorme Laufruhe, es ist was, was sich dann auch auf den Fahrer überträgt."

Nicht ganz so einfach zu lernen

Einfach zu fahren ist das Hochrad nicht: Schon beim Aufstieg wird klar, dass es dazu eine ganz bestimmte Technik braucht. Und auch spontanes Bremsen ist gefährlich auf dem Hochrad - wer zu ruckartig an der Vorderbremse zieht, der fällt vorneüber.

Das ist Tobias Krieger nur einmal passiert, sagt er - und zwar bei seiner allerersten Fahrt in der Hochrad-Fahrschule. Seither läuft es und Tobias Krieger kann auch längere Touren mit seinem Hochrad machen.

Einmal sei es bei einer Tour auch zu einem Missverständnis gekommen, lacht Tobias Krieger. Da habe ihn eine ältere Dame für eine "göttliche Erscheinung" gehalten, weil er über das "Maisfeld" schwebte.

Hochräder nach Maß

Ob göttlich oder nicht: Für Tobias Krieger sind seine Hochräder die größten Schönheiten, die es gibt. Seine beiden Lieblingshochräder stehen im Schlafzimmer - Maßanfertigungen, versteht sich.

"Ich hab sie mir so bauen lassen, wie ich sie am schönsten finde. Und sie sind ja auch wunderschön."

Nur noch weinige aktive Hochradfahrer in Deutschland

Und doch sind die Hochrad-Fans am Aussterben: Tobias Krieger gehört zu den wenigen Menschen in Deutschland, die noch aktiv Hochradfahren. Nach einer Schätzung des Vereins Historische Fahrräder gibt es insgesamt nur noch um die zehn aktive Fahrerinnen und Fahrer.

Für Tobias Krieger ist klar: Er sorgt zumindest in Karlsruhe dafür, dass das Hochrad so bald nicht zu den Antiquitäten gestellt wird.