Dieser Tesla brannte Mitte April 2022 in Bietigheim-Bissingen ab (Foto: imago images, IMAGO / KS-Images.de)

Schulungen bei Landesfeuerwehrschule Bruchsal

E-Auto löschen: Für Feuerwehr und Abschlepper auch im Raum Karlsruhe noch Neuland

STAND
AUTOR/IN

Einsatzkräfte werden immer öfter mit Unfällen und Bränden von E-Fahrzeugen zu tun bekommen. Dafür muss Personal geschult werden - zum Beispiel an der Landesfeuerwehrschule Bruchsal.

Auch bei der freiwilligen Feuerwehr in Elchesheim-Illingen (Landkreis Rastatt) haben viele schon einige Schulungen hinter sich, was den Umgang mit E-Autos bei Unfall oder Brand angeht. Bisher konnten die Wehrleute ihr Wissen noch nicht in der Praxis anwenden, denn es gab noch keinen Einsatz, an dem ein Elektro-Fahrzeug beteiligt war.

Schulungen sollen Unsicherheiten mit E-Autos nehmen

Die Landesfeuerwehrschule in Bruchsal (Kreis Karlsruhe) bietet mehrmals im Jahr solche Schulungen an, um die Unsicherheit im Umgang mit E-Fahrzeugen zu nehmen, sagt Ausbilder Frank Hüsch. Denn eigentlich unterscheide sich das Vorgehen bei einem brennenden Elektroauto nicht grundsätzlich von dem bei brennenden Benzinern.

Doch es sei immer noch viel Halbwissen in Umlauf: Wegen der Hochvolt-Batterie bestehe die Gefahr eines Stromschlags, zum Beispiel auch über den Wasserstrahl der Feuerwehr. Das sei unmöglich, sagt Hüsch.

"Der Strom kann nicht über den Wasserstrahl abfließen, weil das Fahrzeug nicht geerdet ist (...), da kann physikalisch gesehen kein Strom fließen."

Zumal bei einem Unfall das Sicherheitssystem des E-Autos ohnehin die Stromverbindung zur Hochvoltbatterie kappt. Für Rettungskräfte, die sich dem Fahrzeug nähern, bestehe also keine Gefahr. Doch der Umgang mit den Stromern ist eben noch Neuland.

"Da liegt noch viel Arbeit vor uns. Die Feuerwehren im ganzen Land müssen aufgeklärt und informiert werden, um Ängste und Unsicherheiten zu nehmen."

Rettung und Löschung von E-Fahrzeugen nach Unfällen laufen grundsätzlich genauso ab wie bei anderen Fahrzeugen, betont auch Manuel Haubrich, stellvertretender Kommandant der Feuerwehr in Elchesheim-Illingen. Einziger Unterschied: Der Löschvorgang kann deutlich länger dauern, da sich eine beschädigte Batterie immer wieder entzünden kann und das Löschwasser nur schwer in das Gehäuse eindringt.

Gefahr der Batterie-Selbstentzündung in E-Autos auch Problem für Abschlepper

Das kann auch zum Problem für den Abschlepper werden. Denn ob eine Hochvoltbatterie, die meist gut geschützt im Unterboden verbaut ist, bei einem Unfall so stark beschädigt wurde, dass die Gefahr der Selbstentzündung besteht, ist kaum zu beurteilen.

"Bei einem Auffahrunfall mit Tempo 30 passiert nichts, dann sind wir bei Tempo 50, bei 70...ab wann wird es gefährlich? Das wissen wir nicht. Das weiß niemand."

Da eine Wieder- oder Selbstentzündung nach Stunden oder Tagen erfolgen kann, hat Abschleppunternehmer Thomas Weber mit Standorten in Malsch, Ettlingen und Forst bei Bruchsal (Kreis Karlsruhe) vorgesorgt. Gemeinsam mit einem Hersteller hat er einen Stahlcontainer entwickelt, in den ein E-Fahrzeug per Kran oder Seilwinde verladen werden kann. Fängt der Wagen erneut zu brennen an, bekommt er eine Warnung aufs Handy.

Zwar kam der Container noch nicht zum Einsatz. Doch auch KIT-Brandschutzexperte Dietmar Schelb geht davon aus, dass mit zunehmender Elektromobilität die Gefahr brennender E-Autos auf Abschleppern oder auch in Werkstätten steigt. Dort müssen stark beschädigte E-Fahrzeuge auf einen Quarantäne-Platz gestellt werden, mit einigen Metern Abstand zu anderen Fahrzeugen - in vielen Fällen fehlt dafür aber der Platz.

Wer haftet?

Abschleppunternehmer Weber kann seinen Container im Notfall auch mit Wasser fluten, um die Batterie zu kühlen. Im Zweifelsfall eine nicht ganz einfache Entscheidung, denn der Wagen ist nach einer Flutung Schrott. Wer bei Schäden, die durch Wiederentzündung entstehen, aufkommt, ist bisher unklar. Dietmar Schelb vom KIT sieht da durchaus auch die Autohersteller in der Pflicht, die schließlich ihr Geld mit den E-Fahrzeugen verdienten.

Container für internationale Transporte von E-Fahrzeugen entwickelt

Auch Schelb hat einen Stahlcontainer entwickelt für einen Spediteur, der hochwertige E-Fahrzeuge, die liegen geblieben oder beschädigt sind, über weite Strecken und Ländergrenzen hinweg transportieren muss. Sollte tatsächlich eine Batterie anfangen zu brennen, kann im Stahlcontainer nichts passieren. Der Brandschutzexperte betont aber auch, dass das Sicherheitsniveau der Hochvoltbatterien in Fahrzeugen extrem hoch sei.

Affalterbach

"Beherrschbare Gefahr" Übungseinsatz in Affalterbach: Feuerwehr trainiert brennende E-Autos zu löschen

Wenn ein Elektroauto brennt, muss die Feuerwehr besondere Risiken beachten. Bei einer Übung am Samstag in Affalterbach haben sich Einsatzkräfte schulen lassen.  mehr...

Dettingen an der Iller

Neues Löschsystem für Elektroautos Tüftler aus Dettingen erfindet Löschsack für E-Autos

Ein Tüftler aus Dettingen an der Iller im Kreis Biberach hat ein neues Löschsystem für Elektroautos erfunden. Dieses stellte er am Freitag bei einer Feuerwehrübung vor.  mehr...

Bietigheim-Bissingen

Feuerwehr im Einsatz Bietigheim-Bissingen: E-Auto brennt vollständig aus

In Bietigheim-Bissingen ist in der Nacht von Sonntag auf Montag ein Elektro-Auto vollständig ausgebrannt. Die Feuerwehr konnte verhindern, dass das Feuer auf Wohnhäuser übergriff.  mehr...

STAND
AUTOR/IN