Eine Karlsruher Studentin hat mit einer Petition um die Finanzierung von Hebammen in kurzer Zeit rund 1,5 Millionen Unterschriften gesammelt. Der Streit hatte sich in den vergangenen Wochen weiter zugespitzt.
Neues Gesetz soll Leistungen für Hebammen streichen
Michelle Franco ist 28 Jahre alt und studiert Jura. Sie ist keine Hebamme, als Mutter war sie aber trotzdem schockiert, als sie erfahren hat, dass Hebammen zukünftig nicht mehr durch das Pflegebudget finanziert werden sollen.
Der Hintergrund des Streits: Ende Oktober ist eine Finanzreform der gesetzlichen Krankenkassen verabschiedet worden. Das Gesetz sieht unter anderem Veränderungen im Pflegebudget vor. Das legt fest, welche Leistungen im Krankenhaus von den Krankenkassen bezahlt werden.
"Es könnte dann sein, dass die Hebammen auf den Stationen dann wegfallen und ihre Aufgaben durch anderes Pflegepersonal, was jetzt schon überlastet ist, übernommen werden muss."
Ab 2025 würden dabei einige Leistungen wegfallen. Unter anderem die Arbeit von Hebammen am Wochenbett - also die Nachsorge nach einer Geburt. Die müssten Krankenhäuser also künftig selber finanzieren. Die Online-Petition schlägt hohe Wellen.
Nachdem Michelle Franco immer wieder auf Social Media von den betroffenen Hebammen und ihren Problemen las, beschloß sie am 4. November eine Petition zu starten. Von der riesigen Resonanz war sie überrascht.
"Ich war überwältigt!"
1,5 Millionen Unterschriften nach sechs Tagen
Nach nur sechs Tagen waren schon fast 1,5 Millionen Unterschriften zusammengekommen. Und auch bei Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) scheint die Besorgnis angekommen zu sein.
Am vergangenen Mittwoch hatte er der "Rheinischen Post" ein Interview gegeben, in dem er sagte, dass das Gesetz so nicht in Kraft treten werde. Eine offizielle Antwort auf die Forderung der Petition gibt es allerdings noch nicht.
Hoffnung auf Gesetzesänderung
Auch wenn sie sich über diesen Erfolg schon freut, ist das Michelle Franco noch nicht genug: Das Thema sei definitiv noch nicht abgeschlossen.
"Wenn es dabei bleibt, dass die Hebammen nicht aus dem Pflegebudget fallen, dann hat sich ihre Situation nicht verschlechtert, aber verbessert hat sie sich auch nicht."
Im Koalitionsvertrag stehe, dass eine Eins-zu-Eins-Betreuung durch eine Hebamme angestrebt werden solle, aber bei den Arbeitsbedingungen sei man noch lange nicht, so Michelle Franco.