Zwei Männer arbeiten an Solar-Dächern (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Marijan Murat)

Alternativen für Öl und Gas

Ukraine-Krieg: Hohe Preise sorgen für große Nachfrage bei Energieberatungen

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Heiner Kunold

Die hohen Energiekosten infolge des Kriegs in der Ukraine bringen offenbar viele Haushalte zum Umdenken: Energieberatungen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind gefragt wie nie.

Was der Klimawandel nur mühsam geschafft hat, macht der Krieg in der Ukraine möglich: Viele Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer denken verstärkt darüber nach, wie sie von den alten fossilen Brennstoffen auf regenerative Energien wie Sonne oder Erdwärme umsteigen können. Nach SWR-Recherchen gibt es einen regelrechten Ansturm auf die Energie-Beratungsstellen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe.

Hohe Gaspreise: Hausbesitzer sucht nach Alternativen

Thomas Holland-Cunz aus Bretten-Neibsheim (Kreis Karlsruhe) arbeitet für die Umwelt- und Energieagentur des Landkreises Karlsruhe. Als Privatmann hat er aber genau die gleichen Wünsche wie seine Kundschaft: Er würde gerne dringend vom Gas und den "irren Preisen" unabhängig werden, beschreibt der Hausbesitzer sein Problem.

Hybride Modelle sind gefragt

Weil er aber seine erst 16 Jahre alte Gasheizung nicht einfach rauswerfen möchte, kommt für ihn eine sogenannte Hybridlösung in Frage. Hybrid bedeutet wie beim Auto zwei Antriebe. Zum einen will Holland-Cunz seine Gasheizung weiter betreiben, bis sie ihren Geist aufgibt. Er will allerdings eine Wärmepumpe dazu stellen, die die Hauptlast übernimmt und den Gasverbrauch auf unter zehn Prozent senken kann. Bei seinem Vorhaben unterstützt ihn der Energieberater Matthias Haas aus Bretten-Büchig. Er arbeitet unter anderem im Auftrag der Umwelt- und Energieagentur des Kreises und betreut Bauherren bei der Umsetzung ihrer Pläne für regenerative Energie.

So läuft eine Energieberatung ab:

Individuelle Lösungen für das Einfamilienhaus

Um beispielsweise eine Wärmepumpe überhaupt effektiv zum Einsatz bringen zu können, muss ein Haus strenge Energiestandards erfüllen. Das schaffen vor allem neue Häuser, deshalb sieht man die grauen Kästen mit Ventilator vor ihnen viel öfter als vor alten Gebäuden. Im Fall von Hausbesitzer Holland-Cunz funktioniert so eine Wärmepumpe allerdings auch, weil er sich bei der Sanierung seiner Doppelhaushälfte sehr viel Mühe gegeben hat: Er erneuerte das Dach, die Fenster und isolierte die Wände.

Wärmepumpe, Pellets oder doch Photovoltaik?

Nach Einschätzung des Energieberaters käme für den Hausbesitzer auch eine Pelletanlage in Frage. Also eine Heizung, die mit Holz betrieben wird. Sorgen wegen angeblich zu hoher Feinstaubbelastungen seien dabei unbegründet, so Haas. Die modernen Pelletanlagen erfüllten alle Feinstaubanforderungen und seien in der Anschaffung sogar eher noch etwas billiger als Wärmepumpen. Überhaupt kommt eine Brennanlage für Pellets zum Beispiel für Besitzerinnen und Besitzer alter Ölheizungen in Frage. Anstelle des alten Öltanks könne man ein Silo für die kleinen Holzpresslinge aufstellen.

Hohe Anschaffungskosten - Förderung vom Staat möglich

Pelletanlagen werden genau wie Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen vom Staat mit bis zu 55 Prozent der Anschaffungskosten gefördert. Wobei eine Heizung mit Wasser-Luft-Wärmepumpe laut Haas durchaus mit 35.000 Euro zu Buche schlagen kann. Eine Pelletheizung liege bei rund 35.000 bis 40.000 Euro in der Anschaffung für ein durchschnittliches Ein- bis Zweifamilienhaus, berichtet der Energieberater.

Darum lohnen sich Solarzellen auf dem Dach

Um eine Wärmepumpe mit Umgebungsluft oder Erdwärme zu betreiben, braucht die Heizung Strom. Also macht die Anschaffung einer zusätzlichen Photovoltaikanlage durchaus Sinn. Natürlich dürfen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer dabei nicht vergessen, dass die Wärmepumpe ausgerechnet immer dann besonders viel Strom braucht, wenn die Anlage auf dem Dach besonders wenig liefert, nämlich an kalten Tagen im Winter.

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Trotzdem lohnen sich nach Einschätzung von Energieberater Haas die Solarzellen auf dem Dach immer. Die Anschaffungskosten für eine durchschnittliche Photovoltaikanlage von sechs bis zehn Kilowatt Leistung liegen nach seinen Angaben bei 10.000 bis 15.000 Euro. Wobei sich eine Solaranlage nach 11 bis 13 Jahren amortisiert hat.

Großer Bedarf: Energieberater bis Jahresende ausgebucht

Ein durchschnittlicher Haushalt kann vielleicht ein Drittel des auf dem Dach produzierten Stroms verbrauchen. Kommt wie im Fall von Holland-Cunz noch ein Elektroauto und demnächst vielleicht sogar eine Wärmepumpe dazu, steigert sich dieser Anteil erheblich. Im Idealfall schafft es der Hausbesitzer aus Bretten-Neibsheim vielleicht sogar, den Eigenverbrauchsanteil auf bis zu zwei Drittel zu steigern.

Insgesamt brauchen Hausbesitzer, die sich zu einer energetischen Sanierung beraten lassen wollen, vor allem Geduld: Energieberater Haas ist bereits bis Jahresende ausgebucht. Auch Handwerkerinnen und Handwerker sind nicht einfach zu bekommen. Wer jetzt eine neue Heizung bestellt, kann nicht damit rechnen, sie noch in diesem Jahr eingebaut zu bekommen.

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