Gerwerkschaft ver.di kritisiert Zustände in Karlsruher Bürgeramt (Foto: SWR)

"Jahrelang bewusst weggeschaut"

Kritik an Amtsführung in Karlsruher Bürgerbüros - ver.di fordert Stadt zum Handeln auf

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Mathias Zurawski
Markus Bender

Die Gewerkschaft ver.di hat die Stadt Karlsruhe wegen der Zustände in den Bürgerbüros kritisiert. Unter anderem wegen fehlenden Personals müssen Bürger teilweise monatelang auf Termine warten.

Die Arbeitssituation im Ordnungs- und Bürgeramt der Stadt sei schlecht. Zuletzt habe es deswegen eine Reihe von Kündigungen gegeben. Das sagten mehrere Personen, die mit der Sache befasst sind, gegenüber dem SWR. Amtschef und zuständiger Bürgermeister hätten das Problem seit Jahren nicht erkannt, kritisiert jetzt die Gewerkschaft ver.di in Karlsruhe.

Strukturen im Bürgeramt nicht bürgerfreundlich?

Wer in Karlsruhe einen Pass oder einen Personalausweis beantragen will, musste zuletzt wochen- oder monatelang auf einen Termin warten. Online-Termine waren oft bereits in den frühen Morgenstunden vergriffen. Die Strukturen im zuständigen Amt seien nicht bürgerfreundlich, so ein Insider gegenüber dem SWR. Und weiter: Die Behörde verwalte sich selbst. Bürger würden hier nicht als anspruchsberechtigt gesehen, sondern eher als unvermeidbares Übel. Immer wieder ist von einem Führungsproblem die Rede, das nicht erst seit gestern bestehe.

"Die hohe Fluktuation ist ein Zeichen dafür, dass etwas mit der Führung und Struktur nicht stimmt."

Kritik auch aus anderen Städten und Gemeinden

Die Situation in den Karlsruher Bürgerbüros wird in Städten und Gemeinden im Umland sehr aufmerksam beobachtet. Denn durch das massive Personalproblem in Karlsruhe wächst auch der Druck auf die dortigen Bürgerbüros. Immer mehr Menschen mit Wohnsitz in Karlsruhe versuchen angesichts der Misere, ins Umland auszuweichen.

"Wir müssen uns aber um unsere eigenen Bürger kümmern", heißt es im Rathaus einer benachbarten Gemeinde. Auch dort spricht man über die hohe Fluktuation im Karlsruher Ordnungs- und Bürgeramt. Bis zu acht Personen sollen dort zuletzt gekündigt haben. Sie suchen, wie es heißt, wegen des besseren Arbeitsklimas teilweise neue Beschäftigung in anderen Verwaltungen der Region.

"Man hat bewusst weggeschaut. Das hat jetzt Auswirkungen auf die Bürger."

Schlechte Atmosphäre und gezielte Abwerbungen

Das Problem ist in zuständigen Gremien im Karlsruher Rathaus bekannt. Ein Kenner der Angelegenheit verweist gegenüber dem SWR auf zwei entscheidende Faktoren: Zum einen würden viele Beschäftigte in den Ämtern mit besseren Angeboten gezielt von anderen Städten abgeworben. Zum anderen sei die Atmosphäre etwa im Ordnungs- und Bürgeramt so schlecht, dass viele Beschäftigte lieber kündigen. 17 Stellen könnten in den Karlsruher Bürgerbüros derzeit neu besetzt werden, wenn überhaupt Personal gefunden wird. Gleichzeitig drohen weitere Abgänge.

"Das ist unbefriedigend, das stelle ich mir anders vor. Aber das ist auch nicht trivial zu lösen."

Gewerkschaft fordert Oberbürgermeister zum Handeln auf

Auch die Gewerkschaft ver.di hat ein Auge auf die Arbeitsbedingungen in den Karlsruher Bürgerbüros und in den anderen städtischen Behörden. Der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Mittelbaden-Nordschwarzwald, Thorsten Dossow, spricht von einem Führungsproblem, das nicht erst seit Kurzem besteht.

Es müsse jetzt gehandelt werden, so Dossow gegenüber dem SWR. Und: Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) persönlich müsse die Sache selbst angehen.

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