Deutsche Erdwärme-Geschäftsführer Herbert Pohl und der Leiter Bohrung, Sebastian Homuth, vor der Geothermie-Bohranlage (Foto: SWR, Vuk Dajovic)

Anlage soll in zwei Jahren Erdwärme liefern

Geothermie in Graben-Neudorf wird als Alternative zu Gas immer interessanter

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Susann Bühler
Vuk Dajovic

In Zeiten der Gaskrise interessieren sich immer mehr Menschen für Alternativen zu Gas und Öl. Zahlreiche Besucher besichtigen die Geothermie-Baustelle in Graben-Neudorf.

Schon von weitem ist der 38 Meter hohe Bohrturm der Anlage in Graben-Neudorf (Kreis Karlsruhe) zu sehen. Er ist der markanteste Teil der Tiefengeothermie-Anlage, die das Karlsruher Unternehmen Deutsche Erdwärme hier betreibt. Im Mai hatte das Unternehmen mit Probebohrungen begonnen. Nun beginnt die zweite Bohrphase des Projekts. Am Ende soll hier aus bis zu 4.000 Meter Tiefe 160 Grad heißes Thermalwasser nach oben befördert werden. Daraus soll Fernwärme für die Region gewonnen und dabei auch Strom erzeugt werden.

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"Zwei Anlagen wie in Graben-Neudorf haben das Potenzial, das Wärmenetz in Karlsruhe CO2 neutral umzubauen."

In den nächsten Wochen werde der Bohrer die 2.000-Meter-Marke durchbrechen, so der Geschäftsführer der Betreiberfirma, Herbert Pohl. 2024 soll das Kraftwerk in Graben-Neudorf in Betrieb gehen. 20.000 Haushalte in Graben-Neudorf und den umliegenden Gemeinden sollen mittelfristig mit Wärme aus Geothermie heizen können. Abhängig sei man hier vom Ausbau der Fernwärmenetze, so Pohl. Außerdem werde ab dem Tag der Inbetriebnahme Strom als Nebenprodukt erzeugt und in das Netz eingespeist.

Streitpunkt Erdbeben

Ein bekannter Streitpunkt bei tiefer Geothermie: Seismische Aktivitäten wie Erdbeben werden mit der Thermalwasserförderung in Verbindung gebracht. Man habe unterschiedlichste Sicherheitsvorkehrungen getroffen und das Risiko sei beherrschbar, erklärt dazu Geschäftsführer Pohl. Mit Hilfe genauer geologischer Modelle habe man potenzielle Auslöser, etwa das Anbohren von Granit, vermieden.

Nicht nur Zustimmung für Erdwärmeprojekte

Doch das sehen nicht alle Bürgerinnen und Bürger so: In Karlsruhe-Neureut und in Graben-Neudorf kämpfen Bürgerinitiativen gegen die Tiefengeothermie. Thomas Hans, Sprecher der Initiative in Karlsruhe-Neureut sieht eindeutig ein erhöhtes Risiko für Erdbeben. Der Oberrheingraben sei eine nachweislich seismisch hochaktive Region. Sollten die Bohrungen in großer Tiefe weitergehen, könnte es nach Meinung der Gegner zu Rissen im Gestein kommen. Das hätte drastische Folgen für die Häuser im betroffenen Gebiet.

 "Fundamente werden beschädigt, wenn ein Erdbeben entsteht."

Großes Interesse der Bevölkerung

Trotz aller Kritik ist die Resonanz in der Bevölkerung vor Ort groß: In Zeiten der Gaskrise und des Kriegs in der Ukraine interessieren sich immer mehr Menschen für alternative Energien anstelle von Gas und Öl. Laut Geschäftsführer Pohl werden wöchentlich zahlreiche Besuchergruppen über die Baustelle geführt. Es sei zeitweise sogar ein Shuttle eingeführt worden, um Bürgerinnen und Bürger aus dem Ort auf die Baustelle zu transportieren.

Auch die kommunalen Politiker zeigen großes Interesse an dem Projekt. Die Gemeinde Graben-Neudorf hat den Bau eines neuen Fernwärmenetzes bereits beschlossen. Und auch der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel äußerte sich bei seinem Besuch vor Ort positiv. Während der Ukraine-Krise sei ein Verständnis für Energie- und Wärmealternativen in der Bevölkerung entstanden, so der CDU-Politiker.

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