Hände eines Parkinson-Erkrankten (Foto: IMAGO, IMAGO / Panthermedia)

Umgang mit chronischer Krankheit

"Dann zittere ich halt!" - Parkinson-Stammtisch in Karlsruhe kämpft gegen Vorurteile

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AUTOR/IN
Hannah Radgen

"Dann zitter ich halt." So der Titel von Frank Elstners Buch zu seiner Parkinsonerkrankung. So ehrlich und offen mit der Krankheit umzugehen sei nicht einfach, erzählen Betroffene aus Karlsruhe.

Unkontrolliertes Zittern, Muskelschmerzen, Koordinationsprobleme – bis zur Diagnose Parkinson ist bei vielen Mitgliedern des Parkinson-Stammtischs Karlsruhe viel Zeit vergangen. So auch bei Thomas Surawicz:

"Bis es dann festgestellt wird, dauert es. Meine Hausärztin hat mich erstmal ausgelacht."

Parkinson-Stammtisch ist Anlaufstelle für viele

Die Betroffenen und Angehörige treffen sich regelmäßig, um sich auszutauschen oder gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen. Es herrsche viel Unwissenheit über die Erkrankung sagen sie. Dabei sind in Deutschland nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Parkinson rund 400.000 Menschen von der Krankheit betroffen. Morbus Parkinson ist die häufigste Erkrankung des zentralen Nervensystems, wie man sie heilt, weiß bisher noch keiner.

"Es ist einfach schön zu wissen, dass man nicht alleine ist. Ich bin froh, dass ich erfahren hab, dass es diese Gruppe gibt, wo Menschen sind, die das Gleiche haben wie ich."

Franco Di Lena hat bei einer Veranstaltung mit SWR Moderator Matthias Holtmann im Karlsruher Tollhaus von dem Parkinson-Stammtisch erfahren. Das bewegt ihn noch heute.

In Bewegung bleiben ist das Wichtigste

Aber nicht nur Erfahrungen werden ausgetauscht. Der Stammtisch will vor allem eins: in Bewegung bleiben. Montags Tischtennis, dienstags Trommeln, mittwochs Gymnastik an der frischen Luft und sonntags Online-Gymnastik über Zoom. Für jeden ist etwas dabei und jeder ist willkommen, erzählt der Koordinator der Gruppe, Armin Hermann:

"Das Schlimmste ist, wenn man sich zurückzieht in sein Schneckenhaus und sich isoliert, das bringt nichts."

Der Schritt sich zur Krankheit zu bekennen und zum Telefonhörer zu greifen ist der schwerste. Da sind sich alle einig. Besonders, weil beim Karlsruher Stammtisch jeder weiß, welche Tücken Parkinson mit sich bringt.

"Man wird manchmal missverstanden an der Kasse, wenn man Geld rausholen will und das Zittern anfängt."

Welt-Parkinson-Tag will mit Vorurteilen aufräumen

Das Problem mit Suchtkranken verwechselt zu werden kennen in der Gruppe alle. Auch deshalb gibt es den Welt-Parkinson-Tag. Denn wer über die Krankheit Bescheid weiß, kann besser mit ihr umgehen. Und am Ende können die Stammtischler ihrem Parkinson sogar etwas Positives abgewinnen:

"Ich gehe mit vielen Dingen viel bewusster um. Man wird dankbar für jeden Moment, den man erleben kann."

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