Eine Alarmsirene steht auf einem Hausdach. (Foto: dpa Bildfunk, Jens Büttner)

Probealarm im ganzen Land

Bundesweiter Warntag: Sirenen haben geheult zwischen Karlsruhe und Calw

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Susann Bühler
Ein Bild von Susann Bühler (Foto: SWR, Patricia Neligan)
Leonie Allinger

Am gemeinsamen Aktionstag am 8. Dezember waren um 11 Uhr überall Sirenen zu hören. So wollen Landkreise und Kommunen zwischen Karlsruhe und Calw die Warnmöglichkeiten im Katastrophenfall testen.

Viele Gemeinden in der Region haben sich am bundesweiten Warntag beteiligt und ihre Alarm-Systeme aktiviert: Ein zentrales Alarmsignal wurde um 11 Uhr von der Integrierten Leitstelle, ILS in Karlsruhe ausgelöst. Per Funk wurden so 228 Sirenen in den Gemeinden des Landkreises Karlsruhe und 59 Sirenen im Karlsruher Stadtgebiet zeitgleich in Gang gesetzt.

Warntag in der Integrierten Leitstelle Karlsruhe ILS (Foto: SWR, Foto: Felix Wnuck )
Warntag in der Integrierten Leitstelle Karlsruhe ILS Foto: Felix Wnuck

Exakt um 11 Uhr löste Markus Ott, der Lagedienstleiter der integrierten Leitstelle in Karlsruhe am Warntag den zentralen Alarm per Mausklick am Computer aus. Fast alle Sirenen im Raum Karlsruhe heulten danach auf, mit wenigen Ausnahmen: In Kronau musste die Sirene manuell ausgelöst werden, da sie kein Signal vom zentralen Alarm bekommen hatte. Nicht ausgelöst hat auch eine Sirene von mehreren in Bad Schönborn, warum ist bisher unbekannt. Im Karlsruher Stadtgebiet blieb es nur in Grötzingen leise, hier wird die Sirene gerade gewartet.

Ziel des Warntages ist es, herauszufinden, ob alle Sirenen für einen möglichen Katastrophenfall technisch einsatzbereit sind. Und natürlich soll die Bevölkerung so über die verschiedenen Warnsysteme informiert werden. In diesem Jahr das erste Mal auch über das Smartphone.

Handy mit bundesweiter Warnmeldung (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert)
picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Warnung erstmals auch per Handy

Erstmals wurde das neue Cell Broadcast ausprobiert: Cell Broadcast ist eine Warnnachricht, die direkt aufs Handy geschickt wird, um so möglichst viele Menschen zu erreichen. Weil auch die Landkreise und Kommunen an das Warnsystem des Bundes (MoWaS) angeschlossen sind, können die Bürgerinnen und Bürger damit in kürzester Zeit gewarnt werden, auch im Radio, Fernsehen, über Warn-Apps wie NINA und jetzt auch über eine Warnnachricht auf das Handy.

"Technik ist nicht immer so taufrisch."

Nicht in allen Gemeinden sind die Sirenen auf dem neusten technischen Stand. Es gibt noch viele alte Motorsirenen, die schon seit den 1960er Jahren ihren Dienst tun. Auch in Pforzheim. Dort existieren 33 sogenannte Pilzkopfsirenen, die regelmäßig gewartet und überprüft werden, dazu noch sieben elektronische Sirenen, die am Warntag allesamt zentral per Funk aktiviert wurden.

Schwierige Ersatzteilsuche für alte Sirenen

Die Stadt Bretten (Landkreis Karlsruhe) dagegen hat ihre 19 Sirenen schon seit den 1990er Jahren modernisiert - lange vor der Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal. Die Sirenen könnten zentral oder auch einzeln von der Leitstelle angesteuert werden, um die Bevölkerung gezielt zu warnen, so Simon Bolg vom Brettener Ordnungsamt. Es sei immer schwieriger, Ersatzteile für alte Motorsirenen zu bekommen, deshalb habe man in die moderne Technik investiert.

Loffenau: Sirene auf dem Schuldach

Die Gemeinde Loffenau (Kreis Rastatt) hat nur eine Tellersirene, die noch aus dem Jahr 1960 stammt. 2008 wurde sie auf digitalen Betrieb umgestellt und kann nun von der Leitstelle ausgelöst werden. Am Warntag wurde erneut ihre Funktion überprüft.

Gaggenau: Viele Sirenen sind reparaturbedürftig

Einige Gemeinden haben sich am Warntag beteiligt, sind aber nicht an die Integrierte Leitstelle angeschlossen, sondern steuern ihren Probealarm in Eigenregie. So zum Beispiel die Stadt Gaggenau (Kreis Rastatt). Dort geht das Alarmsignal aus dem Feuerwehrgerätehaus per Funk an die insgesamt 18 Sirenen.

Schon im Vorfeld des Warntages war klar, acht davon sind reparaturbedürftig und nicht voll funktionsfähig. Eine Sprecherin der Stadt Gaggenau betonte, man wolle sich deshalb um Fördermittel aus dem Sirenen-Sonderförderungsprogramm des Bundes bewerben.

Manche Gemeinden ohne eigene Sirenen

Andere Kommunen, wie zum Beispiel Gernsbach oder Forbach im Kreis Rastatt, haben gar keine eigenen Sirenen auf ihrer Gemarkung. Die alten Sirenen waren defekt oder wurden abgebaut. In Forbach wurde einst ein Antrag auf Fördermittel aus dem Sonderprogramm zur Umrüstung auf neue Sirenen abgelehnt. Folge: Die zweitgrößte Flächengemeinde im Landkreis Rastatt verfügt aktuell über keine eigenen Sirene, um im Notfall die Bevölkerung zu warnen.

"Wir sind gut aufgestellt"

"Allgemeiner Stresstest" auch in Bruchsal

Insgesamt gibt es 44 einsatzfähige Sirenen in Bruchsal (Kreis Karlsruhe), die Hälfte davon funktioniert noch mit alter Motorsirenen-Technik. Da die Sirenen nicht von der Leitstelle, sondern von der Feurerwehreinsatzzentrale aus gesteuert werden, könne man im Notfall "bedarfsgerecht handeln". Der Warntag ist auch hier ein Stresstest, dem alle Sirenen unterzogen wurden, um zu überprüfen, ob es Mängel gibt.  

"Durch die Katastrophe im Ahrtal und die anschließende Förderung sind die Bestellzahlen von Sirenen im vergangenen Jahr deutlich angestiegen und hiermit die Wartezeiten lang, teilweise mehrere Monate."

Auch im Kreis Calw Gemeinden ohne eigene Sirenen

Rund 50 Prozent der vorhandenen Sirenen in den Städten und Gemeinden im Landkreis Calw wurden am Warntag von der Integrierten Leitstelle zentral ausgelöst. Andere Kommunen lösen ihre Warnanlagen selbst aus oder haben gar keine eigenen Sirenen. Wenn Gemeinden moderne Sirenen anschaffen oder alte Technik umrüsten wollen, müssen sie aktuell auch hier sehr lange warten.

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