Plakat mit Aufschrift 5 nach 12 an Altenheim in Gaggenau. Demo für bessere Pflege. (Foto: SWR)

Pflege braucht bessere Bedingungen

Gaggenauer Altenhilfe lehnt Impfpflicht in Pflegeheimen ab

STAND
AUTOR/IN
Patrick Neumann

Mitte März greift die Impfpflicht in Pflegeheimen. Doch nicht alle stehen hinter dieser Maßnahme. So lehnt die Gaggenauer Altenhilfe die Impfpflicht für Beschäftigte ab.

Mitarbeiter von Kliniken und Pflegeheimen werden sich - nach jetziger Beschlusslage - ab Mitte März gegen Corona impfen lassen müssen. Die Impfpflicht ist beschlossene Sache. Bayern schert aus – will den Beschluss kippen. Wie dieser Konflikt ausgehen wird ist unklar.

Große Herausforderung für Pflegeeinrichtungen

Fakt ist: Die Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg stehen nun vor einer großen Aufgabe. Gerade einmal fünf Wochen bleiben noch, um die Impfpflicht umzusetzen. Es gibt aber auch bei uns in Baden-Württemberg Pflegeheime, die entschieden gegen die Impfpflicht für Mitarbeiter sind. So zum Beispiel die Gaggenauer Altenhilfe, die fünf Pflegeheime mit insgesamt 350 Mitarbeitern betreibt. Sie betreuen alleine in Gaggenau 600 Senioren.

"In der öffentlichen Wahrnehmung wird suggeriert, dass die Pflege ein Treiber der Pandemie ist und für Infektionen in den Einrichtungen ausschließlich verantwortlich ist und dem ist nicht so."

Seit Dezember demonstrieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gaggenauer Altenhilfe immer montags um 5 nach 12 gegen immer schwierigere Rahmenbedingungen in der Pflege. Die Impfpflicht verspricht eine weitere Verschärfung der Lage, sagt Peter Koch, der Leiter der Gaggenauer Altenhilfe. Etwa zehn Prozent der 350 Mitarbeiter seien nicht geimpft. Wenn sie nicht mehr arbeiten dürften, wäre das eine Katastrophe.

Auch wenn manche Mitarbeiter ungeimpft blieben, sieht Peter Koch keine höheren Gefahren für die Senioren als sonst auch. Es gibt tägliche Testungen, aber es kommen natürlich auch Besucher ins Haus.

"Zusammenbruch des Systems Altenhilfe" befürchtet

Den Nutzen einer Impfpflicht sieht auch die Betriebsratsvorsitzende Sonja Mörmann nicht. Im Gegenteil – sie befürchtet einen Zusammenbruch des Systems Altenhilfe.

"Mir kommt es so vor, dass die Regierung noch immer nicht den Ernst der Lage erkannt hat. Es wird sich um alles gekümmert, nur um das Thema Pflege immer noch nicht."

Von der Politik fühlt man sich bei der Gaggenauer Altenhilfe nicht ernst genommen. Eine Impfpflicht für die Pflegemitarbeiter wäre ein Schlag ins Gesicht, so Peter Koch von der Gaggenauer Altenhilfe. Die Hoffnungen ruhen nun auf dem Vorstoß der Bayern. Der könnte zu einem bundesweiten Stopp der Impfpflicht führen. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) allerdings hält derzeit noch an der Impfpflicht für Beschäftigte in der Pflege fest. Es gibt allerdings auch Pflegeheime, die diese Entscheidung befürworten.

Baden-Württemberg

Impfpflicht im Gesundheitswesen Ungeimpfte Krankenpflegerin: "Ich bin für eine freie Impf-Entscheidung"

Bis Mitte März müssen alle Beschäftigten im Gesundheitswesen gegen Corona geimpft sein. Krankenpflegerin Natalie lässt sich trotzdem nicht impfen, setzt ihren Job aufs Spiel. Warum?

Mainz

Impfpflicht im Gesundheitswesen Fast 100 Prozent Impfquote in Krankenhäusern in Rheinhessen

Mitte März greift die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Die Kliniken in Rheinhessen und an der Nahe haben nach eigenen Angaben gute bis sehr gute Impfquoten.

Diskussion um allgemeine Impfpflicht So stehen die Fraktionen in RLP zur Impfpflicht

Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht wird auch in Rheinland-Pfalz kontrovers diskutiert. Die Landtagsfraktionen von SPD, Grünen und FDP orientieren sich dabei auch an der Ampel im Bund.

Morbach

Impfpflicht im Gesundheitswesen Pfleger Mario R. ist ungeimpft und fühlt sich "unerwünscht"

Mario R. arbeitet als Krankenpfleger bei einem ambulanten Intensivpflegedienst im Hunsrück. Er will sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Jetzt droht ihm die Kündigung.

STAND
AUTOR/IN
Patrick Neumann