Rettungswageneinsatz (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Boris Roessler)

Während einer Patientenversorgung

Notfalleinsatz: Frau will Rettungswagen in Karlsruhe umparken - jetzt spricht die Rettungssanitäterin

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Markus Bender/Heiner Kunold

Eine Frau hat versucht in Karlsruhe einen Rettungswagen während eines Notfalleinsatzes umzuparken. Sie fühlte sich durch das Fahrzeug behindert. Jetzt äußern sich die Sanitäter.

Der Rettungswagen stand am Montagnachmittag während seines Einsatzes in dem Wohngebiet im Karlsruher Westen mitten auf der Straße. Eine Möglichkeit, am Rand zu parken, habe es nicht gegeben, berichtet die Rettungssanitäterin Anke Röder von pro medic am Mittwoch dem SWR. Also habe sie das Fahrzeug mitten auf der Straße abgestellt.

Während die Rettungswagenbesatzung eine Patientin notfallmäßig im Rettungswagen versorgte, bemerkten sie nicht mehr als ein Ruckeln am Fahrzeug. Eine fremde Frau war in die Fahrerkabine gestiegen, um den Wagen umzuparken. Sie kam mit ihrem Auto nicht vorbei.

Autofahrerin beschwerte sich lautstark

Laut Polizei beschwerte sich die Autofahrerin zunächst lautstark bei der Rettungswagenbesatzung und lief dann wutentbrannt zu ihrem Fahrzeug zurück, nachdem sie den Fahrzeugschlüssel des Rettungsfahrzeugs nicht gefunden hatte. Sie reagierte offenbar auch nicht auf eine Erklärung der Rettungssanitäterin, die darauf hinwies, dass die Besatzung des Rettungswagens sich mitten in einem Notfalleinsatz befinde. Angeblich soll die Autofahrerin erklärt haben, das sei ihr egal und sie habe es sehr eilig.

Passanten schreiten ein

Weil die Autofahrerin danach versuchte, trotzdem an dem Rettungsfahrzeug vorbeizukommen und ihr das erneut nicht gelang, kam es im weiteren Verlauf zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit Passanten und Anwohnern. Sie sollen die Autofahrerin aufgefordert haben, die Rettungswagenbesatzung in Ruhe ihre Arbeit machen zu lassen. Schließlich wendete die Frau ihren Wagen und fuhr in eine andere Richtung davon.

"Die Aggressivität gegenüber Einsatzkräften hat zugenommen. Ich erwarte nicht, dass für mich ein roter Teppich ausgerollt wird, aber wir machen auch nur unsere Arbeit und es fehlt häufig der Respekt uns gegenüber."

Polizei ermittelt wegen "dreister" Behinderung von Rettungssanitätern

Die Polizei hat jetzt die Ermittlungen übernommen. Ein Polizeisprecher wertete die Umparkversuche der Autofahrerin als "dreist". Eine Anzeige wegen Behinderung von Hilfe leistenden Personen steht im Raum. Außerdem prüft die Polizei nach eigenen Angaben den Versuch der unbefugten Ingebrauchnahme eines Kraftfahrzeuges. Die Rettungswagenfahrerin Röder hat so etwas jedenfalls noch nie erlebt, berichtet sie im Gespräch mit dem SWR. Sie sei fassungslos.

Gesellschaft Gewalt gegen Pflege- und Einsatzkräfte – Helfer als Opfer

Beleidigungen, Behinderungen medizinischer Maßnahmen, Anwendung von Gewalt haben viele Rettungskräfte schon erlebt. In Kursen trainieren sie, eine Eskalation zu verhindern.

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