Großformatige Bilder von Katharina Sieverding im Burda-Museum (Foto: SWR)

"Die Sonne um Mitternacht schauen"

Burda-Museum Baden-Baden: Fotografien von Katharina Sieverding

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Das Museum Frieder Burda zeigt eine Werkschau der deutschen Fotografin Katharina Sieverding. Mit ihren großformatigen Fotografien zählt die 76-Jährige zu den Pionieren fotografischer Ausdruckskunst.

Als Tochter eines Radiologen wurde Sieverding schon früh durch die Verfremdungseffekte medizinischer Fotografie beeinflusst. Als Bühnenbildnerin wurde sie auch durch das Theater geprägt. Sie studierte bei Joseph Beuys. Bei ihm lernte sie, ihre Energie auch für politische Belange einzusetzen.

Das Museum Frieder Burda zeigt einen Überblick über die Arbeiten Sieverdings von den Anfängen bis in die Gegenwart. Die Ausstellung trägt den Titel "Die Sonne um Mitternacht schauen". Widersprüche ziehen die Künstlerin an und inspirieren sie. Das ist schon seit mehr als fünfzig Jahren so.

Riesige blaue Sonne an der Außenwand des Museums

An der Außenwand des Museums Frieder Burda ist eine riesige LED-Folie montiert. Darauf wird der Film einer flirrenden blauen Sonne projiziert, einer Art Erdensonne. In der Ausstellung findet sich ein Monitor mit einer rotglühenden Sonne. In diesem Spannungsfeld befinden sich die Fotografien von Sieverding: Großformatig, überwältigend in Ästhetik und meist auch politischer Aussage.

Mal sind es kriegerische Konflikte, mal sind es die Grenzen zwischen Mann und Frau, die die 76-jährige Künstlerin in ihren Werken auslotet. Dazwischen befinden sich Installationen mit Monitoren, auf denen Filmausschnitte zu sehen sind.

Künstlerin bewundert Präsentation der Fotos im Museum

Sie finde es toll, dass die ersten zehn Großfotos im Museum Frieder Burda in einer Höhe hängen, dass man das Gefühl hat, man schaue auf zehn verschiedene Filmleinwände oder Filmprojektionen, sagt Katharina Sieverding.

"Sie können, wenn Sie hereinkommen, zehn verschiedene Filme sehen. Die Bilder haben eine Größe, die dafür sorgt, dass man sich leicht hinein imaginieren kann und jeder Besucher dann daraus seinen eigenen Film entwickelt. Das war mir in meiner Kunst immer wichtig."

Als Tochter eines Radiologen wurde Sieverding schon früh durch die Verfremdungseffekte medizinischer Fotografie beeinflusst. Jeder kennt solche Röntgenaufnahmen mit irisierenden, zum Teil kontrastreichen Lichteffekten. In dieser Weise hat sich Katharina Sieverding oft selbst portraitiert. Die Bilder hat sie zusätzlich metallisch verfärbt.

Einfluss des Theaters auf die Fotografie

Bei Sieverding ist es jedoch weit mehr als das: Sie arbeitete viele Jahre als Bühnenbildnerin. Also floss auch das Theater in ihre Kunst mit ein. Besonders die Tätigkeit am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mit Größen wie dem Intendanten Gustav Gründgens oder Fritz Kortner hat sie beeinflusst.

Das Museum Frieder Burda mit seiner leuchtend weißen Fassade und den hellen, hohen Räumen eignet sich besonders gut für die großformatigen Fotografien Sieverdings. Der Betrachter verschwindet selbst in riesigen Bildflächen, die sich in manchen Fällen über zwei Stockwerke erstrecken. Der Kurator der Ausstellung, Udo Kittelmann, zuletzt Direktor der Nationalgalerie Berlin, zeigt Werke Sieverdings aus allen Schaffensperioden.

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