Die Saalbachniederung mit Flachwassergebiet und Wiesen und Feldern (Foto: Pressestelle, NABU Hambrücken)

Austausch mit Kommunen und Naturschutz

Forstminister lehnt großes Naturschutzgebiet Saalbachwiesen bei Hambrücken ab

STAND
AUTOR/IN

Die Saalbachwiesen bei Hambrücken sind das größte zusammenhängende Wiesengebiet in Nordbaden. Ein großes Naturschutzgebiet wünschen sich hier viele, doch der Forstminister ist dagegen.

Da macht sogar Minister Peter Hauk (CDU) große Augen. Die Saalbachwiesen zwischen Hambrücken und Karlsdorf-Neuthard im Landkreis Karlsruhe mit ihren Flachgewässern sind ein Rückzugsort für Stelzenläufer, Uferschnepfen, Kampfläufer oder Grünschenkel, alles Vögel, die selten geworden sind in Deutschland.

Stelzenläufer in den Saalbachwiesen (Foto: Lorenz Haut)
Stelzenläufer in den Saalbachwiesen Lorenz Haut

"Die Saalbachwiesen sind wirklich einzigartig".

Hauk will kein Naturschutzgebiet im angrenzenden Wald

Und dennoch stellt sich der Forstminister quer. Die Gemeinden Bruchsal und Hambrücken, die Naturschutzverbände und die Planer im Karlsruher Regierungspräsidium, alle wollen hier ein 1.000 Hektar großes Naturschutzgebiet schaffen unter Einbeziehung der angrenzenden Waldflächen. Doch der Forstminister will diesen Wald dafür nicht hergeben, sondern er will ihn als "Schutzwald" in der Regie der Forstverwaltung Baden-Württemberg belassen und nicht dem Naturschutz unterordnen. Nur so könne der Wald in bewährter Weise weiter bewirtschaftet werden.

Das habe sich so bewährt, argumentiert der Minister auch noch nach fast zwei Stunden Diskussion in den Saalbachwiesen mit Bürgermeistern und Naturschützern - trotz seltener Vogelarten. Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick (parteilos) ist enttäuscht.

"Das ist eine vertane Chance".

Kommunen und Naturschützer sind enttäuscht

Das Naturschutzgesetz würde das Gebiet dauerhaft absichern, sagt die Bruchsaler Oberbürgermeisterin. So sehen das auch die Naturschutzverbände. Martin Klatt vom NABU-Landesverband hält das Argument, man werde die Waldflächen als "Schutzwald" ausweisen und eben nicht als Naturschutzgebiet, für nicht ausreichend. Der Rechtsschutz als Naturschutzgebiet wäre deutlich höher als im baden-württembergischen Waldgesetz. Auch internationales Recht kenne eben nur die Naturschutzgebiete und nicht den "Schutzwald" auf Landesebene, so Martin Klatt.

Ein Gewässer mit Schilf und Bäumen im Hintergrund (Foto: SWR, Jürgen Essig)
Artenschutzprojekt in der Saalbachniederung bei Hambrücken Jürgen Essig

Damit wäre also eine langfristige Absicherung der Saalbachwiesen mit angrenzenden Wäldern für den Naturschutz vorerst vertan und das sei sehr schade, so Martin Klatt. Denn ein Naturschutzgebiet mit 1.000 Hektar Fläche wurde in Baden-Württemberg schon lange nicht mehr ausgewiesen.

Noch ist der Kampf nicht vorbei

Die Beteiligten aus der Region wollen den Kampf aber noch nicht aufgeben, auch wenn sich Forstminister Hauk beim Ortstermin keinen Millimeter auf sie zu bewegte. Franz Debatin vom NABU in Hambrücken hat die Saalbachwiesen in den vergangenen 30 Jahren zu dem gemacht, was sie heute sind. Er hofft, dass es vielleicht doch noch einen Weg gibt, das große Naturschutzgebiet unter Einbeziehung des Waldes umzusetzen.

Die Blockade-Haltung Hauks dürfte das Naturschutz-Verfahren beim Regierungspräsidium Karlsruhe nun erst einmal verzögern. In diesem Jahr wird es voraussichtlich kein Naturschutzgebiet Saalbachwiesen mehr geben. Vielleicht klappt die kleine Lösung dann wenigstens im nächsten Jahr.   

Hambrücken

Rückzugsgebiet für seltene Vogel und Tierarten Artenschutzprojekt Saalbachniederung: Karlsruher Zoo fördert NABU Hambrücken

Die Artenschutzstiftung des Zoo Karlsruhe und die NABU Ortsgruppe Hambrücken wollen künftig in der Saalbachniederung zusammenarbeiten. Die Artenschutzstiftung unterstützt dieses einmalige Schutzgebiet mit 10.000 Euro und will dort Kiebitze auswildern.  mehr...

Furtwangen, Schwarzwald-Baar-Kreis

Auerwild vom Aussterben bedroht Schwarzwälder Auerhuhn braucht Schutz von allen Seiten

Das Auerwild im Schwarzwald ist vom Aussterben bedroht! Das soll mit allen Mitteln verhindert werden. Zwischen Forstwirtschaft, Naturschutz und Tourismus ist Teamwork gefragt.  mehr...

Baden-Württemberg

Gefährdete Vogelarten in Baden-Württemberg Kaum Lebensraum übrig: Rebhuhn und Kiebitz sterben aus - Millionen-Programm gefordert

Feld- und Wiesenbrüter wie Rebhühner waren weit verbreitet. Heute sind sie in manchen Regionen Baden-Württembergs verschwunden - Naturschützer schlagen Alarm und fordern Hilfe.  mehr...

STAND
AUTOR/IN