Ein Waldstück in Baden-Württemberg (Foto: IMAGO, IMAGO / Silas Stein)

Klimaforscher hat nachgerechnet

Klimawandel: Darum bräuchte Karlsruhe mehr Bäume

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Zum Klimawandel werden viele Zahlen erhoben. Oft können wir uns aber nicht viel darunter vorstellen. Ein Klimaforscher aus Karlsruhe will den Klimawandel für alle greifbar machen.

Vom Karlsruher Institut für Technologie aus hat Christian Scharun einen guten Blick auf den Wald hinter dem Karlsruher Schloss. Die Bäume dort tragen zu einem besseren Klima bei, indem sie klimaschädliches CO2 umwandeln. Der Klimaforscher hat einmal ausgerechnet, wie viele Bäume Karlsruhe bräuchte, um den kompletten CO2-Ausstoß der Stadt auszugleichen.

Zahl der Bäume in Karlsruhe müsste fast 2.000 Mal höher sein

Er hat mit 2,4 Millionen Tonnen CO2 gerechnet, die in Karlsruhe jedes Jahr ausgestoßen werden. Ein Baum bindet etwa 10 Kilogramm CO2 pro Jahr, macht also 240 Millionen Bäume. Das entspricht etwa einem Drittel aller Bäume im Schwarzwald und zeigt die gigantische Menge, die nötig wäre, um den CO2-Ausstoß auszugleichen. Aktuell stehen im Stadtgebiet Karlsruhe nämlich gerade einmal etwa 140.000 Bäume.

Diese Rechnung ist nur eine Theoretische. So viele Bäume hätten in Karlsruhe natürlich gar keinen Platz. Deswegen setzt sich Christian Scharun dafür ein, CO2 Emissionen gar nicht erst entstehen zu lassen und zu reduzieren. Beispielsweise über den Verkehr oder durch den Ausbau erneuerbarer Energien.

Christian Scharun arbeitet als Klimaforscher am KIT in Karlsruhe (Foto: SWR)

Grüner Strom für ganz Karlsruhe würde riesige Flächen benötigen

Von der erneuerbaren Energie bräuchte es jedoch eine ganze Menge. Christian Scharun hat auch hier einmal eine fiktive Rechnung aufgestellt. Würde man die Günther-Klotz-Anlage in Karlsruhe in einen Solarpark umwandeln, könnte man damit gerade mal 0,3 Prozent des Stromverbrauchs der ganzen Stadt decken. Der lag im Jahr 2007 bei über 9.000 Gigawattstunden.

Die Zahlen für seine Rechnungen hat Scharun von öffentlich zugänglichen Seiten der Stadt oder vom statistischen Landesamt. Die Ergebnisse hat er sich von einem Arbeitskollegen bestätigen lassen.

Komplexe Fragen, die jeder verstehen kann

Die Rechnungen sind für den Klimaforscher keine große Herausforderung. Am KIT arbeitet er an viel komplexeren Klimathemen. Aktuell erstellen sein Team und er eine Art Wettervorhersage für Treibhausgase.

"Da sind viele komplexe Dinge dabei, aber die kann jeder verstehen."

Trotzdem glaubt Scharun, dass man diese Sachverhalte jedem erklären kann. Er selber hat sich das zur Aufgabe gemacht. "Unsere Erde zu verstehen, ist mit das wichtigste, was wir überhaupt erreichen können."

In seiner Freizeit tritt er hin und wieder bei Veranstaltungen und Wettbewerben auf. Beim FameLab in Karlsruhe, einem Erklärwettbewerb für Wissenschaftler, hat er vor kurzem den ersten Platz gemacht und auch den Bundeswettbewerb gewonnen. Das motiviert ihn weiterzumachen, denn die Klimakrise ist ernst, sagt er.

Karlsruhe ist auf einem guten Weg

Scharun sieht Karlsruhe dabei auf einem guten Weg. Die Stadt will bis 2040 klimaneutral sein. "Natürlich gibt es noch viel zu tun", sagt er. Auch Karlsruhe stehe vor einer Energie- und Mobilitätswende, die man gemeinsam mit den Entscheidungsträgern aus Wissenschaft und Politik angehen müsse.

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