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Die Stadt Ettlingen will mobile Luftreiniger anschaffen. Der Gemeinderat soll am kommenden Mittwoch entscheiden. Andere Städte und Gemeinden in der Region bereiten ähnliche Entscheidungen vor.

Der Nutzen der mobilen Raumluftfilter ist in den Rathäusern umstritten. Die Geräte könnten nur eine Ergänzung im Kampf gegen Corona in den Schulen sein, betonte der Ettlinger Oberbürgermeister Johannes Arnold (parteilos) gegenüber dem SWR.

Luftfilter nur Teil der Corona-Strategie

Nach Einschätzung der Ettlinger Stadtverwaltung können die Geräte das Lüften nicht ersetzen. Der Einsatz der mobilen Filter wurde zuvor in einem Gymnasium der Stadt getestet. Neben den Luftfiltern, regelmäßigem Lüften und dem Einsatz von Masken sei eine effiziente Teststrategie wichtig, heißt es weiter. Es gebe auch keine klare Vorgabe vom Bund und vom Land. Die Kommunen würden hier alleine gelassen, kritisiert der Ettlinger Oberbürgermeister.

"Die Förderprogramme für Raumluftfilter sind ein Offenbarungseid!"

Ettlingen will 700.000 Euro vorschießen

Arnold übt darüber hinaus scharfe Kritik an der Förderstrategie von Land und Bund. Es sei nach wie vor unklar, in welcher Höhe die Filter tatsächlich bezuschusst werden. Im schlimmsten Fall bekomme die Stadt gar nichts, so der Oberbürgermeister. In Ettlingen rechnet man mit Anschaffungskosten von fast 700.000 Euro. Der Druck von Eltern und Lehrern auf die Schulträger sei groß. Auch deswegen soll der Ettlingen Gemeinderat jetzt konkret über die Anschaffung entscheiden.

In einem zweiten Schritt könnten zusätzlich 180 Geräte angeschafft werden. Kitas sollen noch nicht ausgestattet werden.

"Wir können das Geld ausgeben, aber die Frage ist: Ist es nicht rausgeschmissen?"

Stadt Calw diskutiert über 70 Luftfilter

In Calw will sich der Bauausschuss am Donnerstagabend mit dem Thema befassen. Oberbürgermeister Florian Kling (SPD) bezweifelt, dass sich die Investition von rund 200.000 Euro für die Stadt lohnt. Die Geräte seien für einen sinnvollen Schulunterricht zu laut. Nach einem Testlauf in einer Calwer Schule glaubt auch er, dass trotzdem regelmäßiges Stoßlüften in den Klassenzimmern notwendig sein wird. Auch er rechnet nur mit einem sehr geringen Zuschuss von Land und Bund. Eine Elterninitiative in Calw hat begonnen Spenden zu sammeln.

"Das Problem ist, dass die Förderrichtlinie des Landes noch nicht feststeht."

Stadt Karlsruhe prüft den Bedarf in den Schulen

In Karlsruhe wird derzeit geprüft, wie viele Luftfiltern in den Schulen gebraucht werden. Vor allem Klassenzimmer, die schlecht zu lüften sind, sollen mit den Geräten ausgestattet werden, so der Leiter des Schul- und Sportamts Joachim Frisch gegenüber dem SWR. Als großes Problem gilt auch hier, dass derzeit unklar ist, unter welchen Bedingungen die Geräte bezuschusst werden. Und ohne Klarheit darüber sei es schwer, Aufträge zu vergeben, so der Amtsleiter. Am kommenden Montag will sich eine Arbeitsgruppe des Gemeinderats mit dem Thema befassen.

Zuschüsse für Raumluftfilter: Ankündigungen von Land und Bund

Das Land hatte angekündigt 60 Millionen Euro als Zuschuss für mobile Raumluftfilter in baden-württembergischen Schulen zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für die Ausstattung aller Schulen im Land mit den mobilen Geräten werden auf rund 270 Millionen Euro geschätzt. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, den Ländern 200 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um mobile Geräte zu fördern und einzusetzen.

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