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Nach 15 Monaten Corona-Pandemie sollen nun Luftfilter die Klassenzimmer sicherer machen. Aber für viele Kommunen ist die Anschaffung dieser Geräte gar nicht so einfach, zeigt das Beispiel Ettlingen.

Schulschließungen verhindern und möglichst Präsenzunterricht anbieten, das ist das große Ziel für den Herbst. Denn die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei, die Herdenimmunität wird, wenn überhaupt, nicht bis nach den Sommerferien erreicht sein. Dazu kommt, dass es für Kinder unter zwölf keinen Impfstoff gibt und für über Zwölfjährige keine Stiko-Empfehlung.

Damit die Delta-Variante und mögliche weitere Mutationen im Herbst nicht durch die Klassenzimmer rauschen und reihenweise Kinder erkranken, wird der Ruf nach Luftfiltern immer lauter.

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Verantwortlich für deren Anschaffung sind die Kommunen und Landkreise selbst. Der Kreis Calw hat entschieden, 300.000 Euro für Luftfilteranlagen in den kreiseigenen Schulen zur Verfügung zu stellen. Auch in Karlsruhe gab es bereits Diskussionen, hier will der Gemeinderat am 27. Juli eine Entscheidung treffen. Am Mittwochabend hat auch der Gemeinderat der Stadt Ettlingen (Kreis Karlsruhe) entschieden, 231 Luftfilter anzuschaffen.

Seit Mai werden die Geräte bereits im Ettlinger Albertus-Magnus-Gymnasium im Schulalltag getestet. Das Ergebnis: Die Luftfilter machen zwar Geräusche, diese sind aber erträglich.

"Lieber den Luftfilter als wieder Homeschooling."

Kommunen fühlen sich allein gelassen

Der Gemeinderat stimmte zwar einstimmig dafür, 700.000 Euro für die Luftfilter zu investieren, die Anschaffung war im Vorfeld aber nicht unumstritten. Oberbürgermeister Johannes Arnold (parteilos) war hin- und hergerissen. Schließlich könnten die Luftfilter nur eine Ergänzung der Hygieneregeln sein, außerdem ist die Förderung vom Land nach wie vor unklar. "Wir haben die Entscheidung getroffen, in dem Bewusstsein, dass wir zwischen null und 200.000 Euro Förderung bekommen könnten", sagte er dem SWR.

"Ich vermisse die schulpolitische Linie dahingehend, dass wir ein Gesamtkonzept schon viel früher gebraucht hätten - und jetzt nicht in Hauruck-Aktionen unterwegs sein müssten und den Schwarzen Peter an die Kommunen delegieren."

60 Millionen Euro-Förderprojekt vom Land

Die baden-württembergische Landesregierung will rund 60 Millionen Euro für die Anschaffung von Luftfiltern zur Verfügung stellen. Laut Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sollen die mobilen Lüftungsanlagen und CO2-Ampeln vorrangig in Räumen zum Einsatz kommen, die nicht belüftet werden können. Außerdem gebe es die Förderung nur für Klassenzimmer der Stufen 1 bis 6, weil sich die Schülerinnen und Schüler ab zwölf impfen lassen können.

Ettlingen wird nun für jedes Klassenzimmer einen Luftfilter anschaffen, auch wenn das teuer wird. Knapp 700.000 Euro muss die Stadt für die Anschaffung zahlen, hinzu kommen die Stromkosten in Höhe von rund 6.000 Euro. Gleichzeitig drängt die Zeit: Nächste Woche beginnen in Baden-Württemberg die Sommerferien. Wer zu spät bestellt, bekommt die Geräte vielleicht nicht mehr rechtzeitig zum Schulbeginn.

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