Barkeeper an der Theke füllt ein Weinglas  (Foto: IMAGO, Foto: Alejandro Martinez)

Barmann kritisiert Russen im Netz

Entlassung eines Ukrainers in Baden-Baden sorgt für Wirbel

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AUTOR/IN
Johannes Stier
Markus Bender

Ein entlassener ukrainischer Barkeeper eines Restaurants in Baden-Baden sorgt für Aufregung. Der 52-jährige Angestellte hatte im Internet wütend den russischen Angriff verurteilt.

Es ist eine Wutrede über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Das Instagram-Video, das den Familienvater Igor Golod beim Joggen durch Baden-Baden zeigt, ist aus Verzweiflung und Angst entstanden, erklärt seine Frau Inna.

"In diesem Moment hat es uns so geschmerzt, für unser Land, für getötete Kinder, für zerstörte Städte..."

Entstanden ist das Video als Reaktion darauf, wie es ihren Angehörigen in der Ukraine im Krieg ergeht. Sie sind mittlerweile nach Deutschland geflohen, erklärt die Frau des Mannes, der gefeuert wurde. Das Video enthält aber durchaus auch rassistische Aussagen pauschal gegenüber Russen, indem Igor Golod auf russisch zu hören ist und sagt: "Das ganze russische Volk ist eine Hammelherde ohne Rückgrat." Er sei kein Rassist, er sei explodiert, erklärte er später, es sei nicht gegen die gesamte russische Nation gerichtet gewesen.

Wutrede hat Konsequenzen

Die Veröffentlichung des Videos hat Konsequenzen für Igor Golod. Das Restaurant, in dem er als Barkeeper gearbeitet hat, hat ihn entlassen. Er habe schon im Vorfeld Gäste aufgrund ihrer Nationalität verbal angegangen, heißt es vom Restaurant Rizzi in Baden-Baden in einer Stellungnahme.

Der SWR hat mit Igor Golod und seiner Frau gesprochen. Beide zeigten sich vor der Kamera erschüttert über die Reaktionen, die das Video ausgelöst hat:

Restaurantbesitzer erklärt sich

Das Restaurant Rizzi erklärte auf seiner Homepage, das Video habe "bei vielen Menschen zu Recht für Empörung und Unverständnis gesorgt". Die Mitarbeiter des Restaurants kämen aus vielen Nationen und man verurteile jede Form von Rassismus.

Sogar der ukrainische Außenminister reagiert

Bei Ukrainern sorgt die fristlose Entlassung des Barmannes für Unverständnis, die Äußerungen rechtfertigten keine Kündigung. Das Restaurant sei nur um seinen Ruf bei russischen Gästen besorgt. Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba reagierte auf Facebook:

"Mein Signal an alle Putin-Versteher, Anhänger Putins in Deutschland und anderen Ländern: Ihr seid wie die Piloten der russischen Flugzeuge, die ukrainische friedliche Bürger umbringen."

Der ukrainische Staat erlaube es niemandem, seine Bürger zu beleidigen, erklärte der Politiker weiter. Weder in der Ukraine, noch im Ausland. Und weiter: "Wir beim Außenministerium werden hart auf Vorfälle von Respektlosigkeit reagieren."

Baden-Baden hat eine lange russische Tradition. Hier leben Russen und Ukrainer friedlich Seite an Seite. Dass das Instagram-Video so hohe Wellen schlägt, damit haben Igor Golod und seine Frau nicht gerechnet. Auch Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) beschäftigt der Fall des ukrainischen Barkeepers. Sie erklärte auf Nachfrage, es würde jeden Angehörigen mit Aggression erfüllen, aber diese sei kein guter Ratgeber.

"Deswegen kann ich immer nur wieder plädieren: Keine rassistischen Äußerungen, keine Vorverurteilungen, völlig gleich, ob es Ukrainer oder Russen sind."

Kurort mit russischer Tradition

Baden-Baden ist ein Kurort mit über 200 Jahren russischer Tradition. Neben den Franzosen waren es die Russen, die dem Ort im 19. Jahrhundert zur Berühmtheit verhalfen. Dichter wie Fjodor Dostojewski, Iwan Turgenjew, Lew Tolstoi, Nikolai Gogol oder Wassili Schukowski weilten damals in der Kurstadt. Auch viele russische Adelige und drei Zaren kamen nach Baden.

Russen und Ukrainer gehören zu Baden-Baden

Heute leben der Stadt zufolge 1.100 Bürger mit russischem Pass in der Kurstadt und noch einmal so viele mit doppelter Staatsbürgerschaft, außerdem rund 500 Ukrainer sowie 270 Ukrainer mit doppelter Staatsbürgerschaft.

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