In Block I des Atomkraftwerks Philippsburg wird der Sicherheitsbehälter um den Reaktorblock zurück gebaut (Foto: Pressestelle, EnBW Kernkraft GmbH)

Zehn Jahre nach Fukushima

EnBW: Vom Atomkonzern zum Rückbauspezialisten

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Der 11. März 2011 hat die Energiewirtschaft in Baden Württemberg völlig umgekrempelt. Aus dem Atomstromer EnBW wurde durch Fukushima quasi über Nacht ein "grünes Unternehmen".

Bis zum Jahr 2025 will die EnBW nach eigenen Angaben die Hälfte ihrer gesamten Stromproduktion auf erneuerbare Energien umstellen. Das Unternehmen investiert bis dahin rund neun Milliarden Euro in grünen Strom. Noch im Jahr 2010 hatte derselbe Konzern die Hälfte des gesamten Strombedarfs in Baden-Württemberg über Atomkraftwerke gedeckt, aber dann kam Fukushima.

Inzwischen präsentiert sich die Energie Baden-Württemberg (EnBW) nicht nur als geläuterter Energieversorger. Bei einer Bilanz zu „zehn Jahre Atomausstieg“ betonte das Unternehmen vor allem seine Kompetenzen als Entsorgungs- und Rückbauspezialist.

"Unser Ranking heute ist, dass wir der Spitzenreiter im Rückbau im nationalen Vergleich sind."

Ausstieg ist unumkehrbar

Nicht nur das Unternehmen hat sich um 180 Grad gedreht. Auch sein Chef hat diesen Schritt vollzogen. Für Michels ist der Ausstieg heute, wie er sagt, unumkehrbar. Die EnBW empfiehlt sich stattdessen weit über die Landesgrenzen hinaus als Manager für heikle Projekte. Folgeaufträge stehen für Michels allerdings noch nicht zur Debatte. Allein der Rückbau in Philippsburg (Landkreis Karlsruhe) werde noch mindestens 15 Jahre dauern und alle Kräfte binden.

Rückbau auf Hochtouren

Der Rückbau läuft auf Hochtouren. Bis Mitte der zwanziger Jahre soll Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) zumindest atomrechtlich komplett abgewickelt sein. Und auch in Philippsburg soll noch in diesem Jahr die Demontage des Reaktordruckbehälters in Block II beginnen.

Bleibt am Ende die Frage, wohin mit dem Müll? Der weitaus größte Teil, das sind etwa 96 Prozent, kann laut EnBW ganz normal in den Wertstoffkreislauf zurückgebracht werden. Abgesehen von den hochradioaktiven Resten, für die es noch kein Endlager gibt, bleiben da auch noch bis zu 70.000 Tonnen Bauschutt und Rückbaumüll, die auf einer Deponie für Mineralstoffe entsorgt werden müssten. Und daran scheiden sich momentan ebenfalls die Geister.

Kommt der Bauschutt in den Enzkreis?

Der Landkreis Karlsruhe hat keine passende Deponie. Aber er hat eine öffentliche-rechtliche Vereinbarung mit dem Enzkreis, nach der der Müll aus Philippsburg auf der Deponie Hamberg entsorgt werden soll. Das wollte der Enzkreis bisher aber nicht. Laut EnBW gibt es nun eine Regelung für einen Teil des Mülls. Noch offen sei die Frage, ob Hamberg auch die Betonreste aus Philippsburg nimmt. Wie beim  Landkreis Karlsruhe zu hören war, läuft dazu ein Rechtsstreit zwischen dem Energieversorger und den Enzkreis, aber das wollte der Enzkreis zunächst nicht bestätigen.

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