Der Oberbürgermeister Florian Kling räumt in Calw sein Büro

Rathaus setzt auf flexible Arbeitsplätze

Oberbürgermeister von Calw künftig ohne eigenes Büro

Stand
AUTOR/IN
Peter Lauber
Ein Bild von Peter Lauber

Das Rathaus in Calw setzt konsequent auf Digitalisierung. Dazu gehört auch, dass es künftig keine festen Arbeitsplätze mehr für die Mitarbeiter gibt - nicht einmal für den Oberbürgermeister.

In vielen Unternehmen gibt es immer mehr flexible Arbeitsplätze. Jetzt stellen sich auch die Behörden langsam auf dieses neue Arbeiten ein. Einen radikalen Schnitt macht das Rathaus in Calw. Dort wird es schon bald überhaupt keine getrennten Büros mehr geben.

Auch der Rathauschef Florian Kling (SPD) geht mit gutem Beispiel voran: Kling löst derzeit sein Büro auf. Mein Büro, dein Büro – mein Schreibtisch, dein Schreibtisch. Der klassische Büro-Alltag löst sich im Calwer Fachwerk-Rathaus immer mehr auf. Im digitalen Zeitalter spielt der Ort, an dem jemand arbeitet, eine immer kleinere Rolle, das Stichwort lautet Homeoffice.

Mitarbeiter und Bürger treffen sich in Calw im "Co-working-Space"

Noch hängt sein Namensschild neben der Tür zu seinem Büro im prächtigen Fachwerk-Rathaus am Calwer Marktplatz. Doch nicht mehr lange. Schon bald wird Klings Büro mit der großen freien Fläche im Treppenhaus verschmelzen.

Gemeinsam mit dieser bislang ungenutzten Fläche soll ein großer "Co-working-Space" entstehen – mit einzelnen Arbeitsplätzen für die Mitarbeiter, aber auch Bereichen für Teamarbeit und abgetrennten Räumen, für Telefonate und vertrauliche Gespräche. Auch die Bürger sollen hier ihre Ansprechpartner finden.

"Der Mitarbeiter kann sich jeden Tag aussuchen, wo er arbeiten möchte."

Sieben Millionen Blatt Papier eingescannt und entsorgt

Das Umstellen auf flexible Arbeitsplätze geht einher mit einer großen Ausmistaktion. In Kartons häufen sich Ordner, Hängemappen, Klarsichtfolien, Umlaufmappen, auch ein altes Diktiergerät mit Magnetbändern wird entsorgt.

Der OB wundert sich selbst, was sich da über die Jahre alles angesammelt hat. Etwa der Aktenplan der Stadt Calw, der nur darstellt, wann welches Aktenzeichen verwendet werden muss. Auch mehrere Regalmeter Gesetzessammlungen hat Kling entsorgt. "Steht doch heute alles im Internet", sagt er.

"Wir müssen davon wegkommen, dass jeder Mitarbeiter sein kleines Büro mit Wasserlilie und Kaffeetasse auf dem Schreibtisch hat."


Vieles wandert in den Müll, manches ins Archiv. Der große Rest wird demnächst von einem Dienstleister eingescannt, bevor auch er entsorgt wird - insgesamt siebeneinhalb Millionen Blatt Papier. Ab September soll auch alle eingehende Briefpost digitalisiert werden.

Gehört in Calw bald der Vergangenheit an: Der Schreibtisch im Büro von Oberbürgermeister Kling
Gehört in Calw bald der Vergangenheit an: Der Schreibtisch im Büro von Oberbürgermeister Kling

Homeoffice macht eigenes Büro im Rathaus schon überflüssig

Der Weg zum bürolosen Rathaus habe erst begonnen. Es warteten noch so manche Umbauarbeiten, sagt OB Kling mit einem leicht wehmütigen Blick auf sein leergeräumtes Büro. Doch der eigene Schreibtisch passe nicht mehr zu einer modernen, größtenteils digitalisierten Verwaltung, ist Kling überzeugt. Zumal mittlerweile viele Mitarbeiter teilweise im Homeoffice arbeiteten. Viel wichtiger sei es heute, vernetzt und in Teams zu arbeiten. Genau drauf, so der Rathauschef, wolle man mit den flexiblen Arbeitsplätzen reagieren.

SWR2 Geld, Markt, Meinung Staubig statt smart: bleibt die Digitalisierung in Deutschland auf der Strecke?

Corona-Warn-App und Online-Zugang: Die Corona-Pandemie hat auch der deutschen Verwaltung einen Digitalisierungsschub gebracht.

SWR2 Geld, Markt, Meinung SWR2

Freiburg

Künstliche Intelligenz in der Schule Freiburger Gymnasium arbeitet mit ChatGPT im Unterricht

ChatGPT fordert Schulen heraus. Das Friedrich-Gymnasium in Freiburg will das Thema offensiv angehen und jetzt in allen Fächern mit Künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

Bad Wildbad

Aktuell in Bad Wildbad Modellprojekt "CoworkingLand BW" startet im Landkreis Calw

Im Landkreis Calw soll ab sofort Coworking ausprobiert werden, also das mobile Arbeiten unabhängig vom Unternehmensstandort. Zum Test ist aktuell ein Holzkubus auf Tour.

SWR4 BW aus dem Studio Karlsruhe SWR4 BW aus dem Studio Karlsruhe