Lila Flyer der Diakonie Baden (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Uli Deck)

Wegen Inflation, Energiepreisen und Personalmangel

Diakonie Baden schlägt Alarm und sieht Sozialsystem in Gefahr

STAND
AUTOR/IN
Felix Wnuck
Ein Porträt Foto von Felix Wnuck (Foto: SWR)

Ein "Weiter so!" kann es nicht geben, das sagten am Montag Vertreterinnen und Vertreter der Diakonie Baden auf einer Pressekonferenz in Ettlingen. Auch in der Region stehen die sozialen Dienste vor großen Problemen.

Die Liste der Herausforderungen für die Diakonie Baden ist lang. In diesem Punkt gibt es fast keine regionalen Unterschiede. Zunächst war es im letzten Jahr die Coronapandemie, die vor allem die Pflegenden stark körperlich und psychisch belastet habe.

"Denen, die geholfen haben, muss jetzt geholfen werden!"

Eine Entlastung für diese Berufsgruppe ist jedoch nicht in Sicht. Der Personalmangel ist hoch und durch die große Belastung fallen viele Arbeitskräfte durch Krankheit und Burnout aus. Somit verteilt sich die gestiegene Arbeitslast auf noch wenigere Schultern.

Inflation, Bürokratie und steigende Energiepreise

Mittlerweile seien die weiter steigenden Energiepreise und die Inflation zu den Sorgen für die sozialen Dienste noch dazu gekommen. Insgesamt sei die größte Herausforderung der sozialen Dienste die zukünftige Finanzierung. Gleichzeitig steige aber der Bedarf nach sozialen Dienstleistungen, allein schon deshalb, weil es immer mehr alte und weniger junge Menschen gibt.

Ebenfalls ein Problem für den sozialen Bereich sei die wachsende Bürokratie. Zum einen nehme das mehr Arbeitszeit der Beschäftigten in Anspruch, zum anderen würden all die Formulare und erforderlichen Weiterbildungen viele Ehrenamtliche abschrecken.

Schwerwiegende Folgen in Zukunft

Wenn alles so bleibt, müssen Leistungen eingeschränkt werden. Das heißt ganz konkret, dass Kita-Gruppen schließen müssen, Öffnungszeiten von verschiedenen Einrichtungen gekürzt werden oder gefährdeten Kinder und Jugendliche nicht mehr geholfen werden kann.

"Es wird Veränderungen geben [...]. Das kann qualitätsmäßig sein, das kann quantitätsmäßig sein."

Deshalb stellen sich für die Diakonie viele Fragen. Beispielsweise wie der Fachkräftemangel behoben werden soll? Oder wie damit umgegangen werden soll, dass Pflege- und Kitaplätze eigentlich gesetzlich garantiert sind, andererseits es schlicht und einfach nicht genügend davon gibt?

Schnelle Lösungen gefragt

Die Diakonie will deshalb reden und diskutieren, unter anderem mit Betroffenen und deren Vertreterinnen und Vertretern, mit den Krankenkassen und der Politik. Lösungen könnte die Digitalisierung bringen. Die Überlegungen reichen von Pflegerobotern bis zur Künstlichen Intelligenz, die Dienstpläne schreibt. Das könnte Arbeitskräfte entlasten.

Letztendlich braucht es jedoch einfach mehr Geld - besonders in Krisenzeiten, in denen alles teurer wird. Oberkirchenrat Urs Keller fordert eine Umverteilungsdebatte, für die durch den Ukraine-Krieg ausgelösten sprunghaften Kostensteigerungen. Nötig seien neue Instrumente zur Finanzierung. Es gebe sehr viel Wohlstand in Deutschland. Hier sollte die Politik öffentlich diskutieren, ob Vermögende für soziale Versorgung herangezogen werden könnten.

"Soziale Sicherung kostet Geld."