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Prostitution in Corona-Zeiten: Während Selbstständige weiter arbeiten können, gelten für Bordelle nach wie vor Einschränkungen. Für das Diakonische Werk Karlsruhe unverständlich.

Die Inzidenzen gehen zurück, in allen Bereichen des Lebens kommen die Öffnungen zurück. Doch für einige Branchen fehlt nach wie vor eine Perspektive. Dazu gehört auch die gewerbliche Prostitution. Bordelle und Laufhäuser dürfen nach wie vor nicht öffnen, selbstständige Prostituierte können wiederum ihrer Arbeit nachgehen. Auch für viele Beratungsstellen ist das nicht nachvollziehbar.

Prostitutionsbetriebe besser zugänglich für Beratungsstellen

Über Bordelle oder SM-Studios hätte man Zugang zu Prostituierten und könne besser unterstützen bei medizinischen Anliegen oder auch der Wohnungssuche. Auch Fragen zur Krankenversicherung oder Steuer bleiben ohne diese Unterstützung meist unbeantwortet. Dadurch, dass Selbstständige auch während der Pandemie weiterhin der Sexarbeit in Hotels oder Privatwohnungen nachgehen, gebe es diese Art von Schutzraum nicht, so Anita Beneta von der Beratungsstelle der Karlsruher Diakonie.

"Prostitution ist ein anerkannter Beruf in Deutschland und damit muss man verantwortungsbewusst umgehen."

Konsequenzen der Lockdowns erheblich

Durch die Betriebsverbote und Lockdowns standen viele Frauen vor dem Nichts: Kein Geld, keine Wohnung, keine Anlaufstellen. Zwischenzeitlich stellte die Diakonie Karlsruhe auch eine Notunterkunft zur Verfügung, damit die Betroffenen irgendwo unterkamen, denn auch das Wohnen in Bordellen war untersagt. Aus der Not heraus gingen sie trotzdem anschaffen - in Privatwohnungen oder auf dem Straßenstrich. Hygienekonzepte, Corona-Tests oder andere Schutzmaßnahmen gab und gibt es dort natürlich nicht - anders als in gewerblichen Betrieben.

"Die Situation ist im Moment aussichts- und perspektivlos und das seit 15 Monaten. Man fühlt sich von der Politik und dem Staat vergessen."

SM-Studio-Betreiberin: "Wir brauchen eine Perspektive!"

In der Residenz Hekaté, einem SM-Studio in Karlsruhe, ist die Verzweiflung groß. Die Betreiberin des 500 Quadratmeter großen Hauses wartet seit 15 Monaten auf die ersten Kunden. Hygienekonzepte und Teststrategien liegen bereit, aber noch gibt es für sie und ihre Beschäftigten keine Perspektive. Seit 2017 gibt es das Prostitutionsschutzgesetz, das laut der Betreiberin, viel Positives bewirkt hat. Doch dieser ganze Prozess kam durch die Pandemie wieder ins Stocken.

"Die Pauschalverbote müssen weg, denn es ist besser wenn Prostitution stattfindet unter Hygienekonzepten, unter Supervision, mit Zugang und Transparenz."

Beraterin der Diakonie: "Verbote bringen nichts!"

Pauschalverbote hätten vor allem zur Folge, dass Betroffene verstärkt im Verborgenen arbeiten würden ohne Zugang zu Beratung. Daran müsse sich, laut Beneta, dringend etwas ändern, vor allem auch weil Prostitution in Deutschland ein anerkannter Beruf ist. Sie hofft auf eine zügige landesweite Entscheidung, damit auch die Bordellbetreibenden und Prostituierten in Karlsruhe wieder eine Perspektive haben.

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