Dauergrüne Ampeln für Fußgänger in Karlsruhe noch nicht erfolgreich (Foto: SWR)

Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer genervt

Lange Wartezeiten für alle: Dauergrün-Ampeln in Karlsruhe noch kein Erfolg

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Mathias Zurawski

Dauergrüne Ampeln für Fußgänger und Radfahrer sorgen für mehr Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmer. Das ist das Zwischenergebnis eines Pilotprojekts in Karlsruhe.

Das Karlsruher Projekt hat bundesweit für Aufsehen gesorgt. Seit November wird eine Fußgängerampel getestet, die dauerhaft Grün zeigt. Autofahrer müssen hier warten und selbst Grün anfordern. Das Zwischenergebnis ist für die Beteiligten eine Überraschung: Alle Verkehrsteilnehmer müssen nun länger warten.

Ampeln schalten zu oft und sorgen für Wartezeiten

Das Projekt läuft an zwei Kreuzungen im Karlsruher Westen. Dort fahren die meisten Autos auf eine rote Ampel zu. Über einen Sensor am Ampelmast wird das Fahrzeug erkannt. Daraufhin schaltet die Ampel für Fußgänger auf Rot und der Autofahrer bekommt das grüne Signal. Insgesamt haben Fußverkehr und Radfahrer jetzt also länger Rot als vorher, so Jan Riel von der Hochschule Karlsruhe. Der Professor für Verkehrsplanung begleitet das Projekt wissenschaftlich.

SWR Reporter Mathias Zurawski berichtet über das Zwischen-Fazit der Ampel:

Auch die Wartezeiten für den Autoverkehr hätten sich erwartungsgemäß erhöht. Darüberhinaus schalten die Ampeln besonders oft an Kreuzungen mit viel Autoverkehr.

"Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen Grün und Rot und das heißt, dass ganz oft Leute betroffen sind."

Untersuchung an beiden Test-Kreuzungen wird fortgesetzt

Die wissenschaftliche Auswertung deute darauf hin, dass der bestmögliche Effekt von Anlagen mit Dauergrün stark von den jeweils vorhandenen Verkehrsmengen abhängt, teilte die Stadt Karlsruhe mit. Das solle nun mit Hilfe eines Simulationsmodells näher untersucht werden. Ergebnisse werden im Laufe dieses Frühjahrs erwartet.

"Die Schaltung an den beiden Anlagen wird nach Abschluss des Verkehrsversuchs in den bisherigen Zustand zurückversetzt."

Projekt könnte an passenden Kreuzungen ausgeweitet werden

Das Pilotprojekt soll untersuchen, was passanten- und radfahrerfreundliche Ampeln für Verkehr und Sicherheit bedeuten. Auf den Test-Kreuzungen werden Daten erfasst, die mit Erhebungen aus der Zeit vor der Umstellung verglichen werden. Früher war es umgekehrt: Die Autos hatten Priorität in Form von grünem Licht. Sollte das Projekt sich doch bewähren, könnten weitere Kreuzungen in Karlsruhe eine dauergrüne Ampelschaltung für Fußgänger bekommen.

"Es gibt genügend Stellen in Karlsruhe, an denen man das machen kann. Aber man muss es abhängig davon machen, wie die Verkehrslage ist."

Auch in anderen Städten gibt es Versuche zu speziellen Ampelschaltungen. Das Interesse sei bundesweit groß, betont der wissenschaftliche Projektleiter von der Hochschule Karlsruhe. Neben Vertretern von Städten und Kreisen hätten sich seit dem Projektstart auch viele Bürgerinnen und Bürger mit konstruktiver Kritik bei ihm gemeldet, so Riel, der das Vorhaben ausdrücklich nicht als gescheitert ansieht.

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Mathias Zurawski