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Im Pforzheimer Kinderporno-Prozess soll der Angeklagte für vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Das hat die Staatsanwaltschaft am Montag in ihrem Plädoyer beantragt. Das Urteil soll am kommenden Montag gesprochen werden.

Der Verteidiger des 44-jährigen Pforzheimers blieb mit seinem Antrag auf vier Jahre Haft nur wenig unter der Forderung der Anklage. Damit bewegten sich beide Seiten eher am unteren Ende des Strafmaßes, was wohl mit dem umfangreichen Geständnis des Angeklagten zu tun hat.

Plädoyers unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Die Plädoyers wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen. Begründung: darin würden auch Details aus dem Intimleben des Angeklagten zur Sprache kommen. Der Mann hatte in der Verhandlung zugegeben, im Darknet eine Plattform für den Austausch von Kinderpornografie betrieben zu haben.

Auf den meisten Bildern und Videos war der sexuelle Missbrauch von Mädchen im Alter zwischen vier und zwölf Jahren zu sehen. Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Angeklagten am Montagvormittag die volle Schuldfähigkeit attestiert.

Der 44-jährige Pforzheimer habe ausgeprägte pädophile Neigungen. Sein sexuelles Interesse beziehe sich ausschließlich auf Kinder vom Säuglingsalter an bis etwa 12 Jahre, so der Gutachter. Bei dem intelligenten und technisch begabten Mann seien darüber hinaus keine psychischen Störungen erkennbar.

Geständnis am zweiten Verhandlungstag

Gleich am zweiten Prozesstag hatte der Angeklagte von seinem Verteidiger ein Geständnis verlesen lassen. Er gebe zu, im Darknet die Kinderporno-Plattform "The Hidden Door" betrieben zu haben. Dort habe er den Austausch zahlreicher Dateien ermöglicht und auch selbst Material eingestellt. Zumeist Videos, die den sexuellen Missbrauch von Mädchen im Alter zwischen 4 und 12 Jahren zeigen.

Den Server und das komplexe Netzwerk hatte der Mann bei sich zuhause aufwändig versteckt und gesichert. Der Pforzheimer muss mit einer Freiheitsstrafe von mindestens vier Jahren rechnen.

Über 30 Mitglieder des Darknet-Rings

Verbreitet wurde das Material in einem schwer zugänglichen Teil des Internets, dem sogenannten Darknet. Jahrelange, umfangreiche Ermittlungen des Bundeskriminalamts haben zu dem 44-Jährigen aus dem Raum Pforzheim geführt.

Er soll den 32 weiteren Mitgliedern des geheimen Forums als Administrator gedient und den Server von seiner Wohnung aus verwaltet haben. Er soll aber auch selbst Inhalte eingestellt und geteilt haben. Das Forum sei hoch konspirativ und in sich geschlossen gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Ermittlungshilfe aus dem Ausland

Auch durch internationale Zusammenarbeit sei es gelungen, den sich anonym im Internet bewegenden Angeklagten zu identifizieren. Er ist bisher der Einzige, der aus der "Kinder-Porno-Bande" - so der Staatsanwalt wörtlich - ermittelt werden konnte.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
19:30 Uhr
Sender
SWR Fernsehen BW
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