Im Werk Rastatt der Daimler AG wird an einer A-Klasse der Mercedesstern angebracht. Ende September sollen 600 Leiharbeiter entlassen werden.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Uli Deck)

Streit zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung

Ärger im Mercedes-Benz-Werk Rastatt: 600 Leiharbeiter sollen entlassen werden

STAND
AUTOR/IN
Heiner Kunold

Im Zuge des Streits um 600 Daimler-Leiharbeiter, die entlassen werden sollen, hat die Geschäftsleitung eine Begründung geliefert. Betriebsrat und Gewerkschaft sind damit nicht einverstanden.

Der Streit um die Leiharbeiter ist nicht neu und doch schwelt es im Daimler-Werk in Rastatt gewaltig. 600 Menschen sollen Ende September entlassen werden. Die Geschäftsleitung begründet die Entlassung laut IG Metall mit einer Absage der Agentur für Arbeit. Diese hatte der Geschäftsleitung mitgeteilt, dass weitere Kurzarbeit für das Werk nicht genehmigt werde, wenn die Leiharbeiter weiter beschäftigt würden.

Gewerkschaft will juristische Prüfung

Die Gewerkschaft IG Metall glaubt dieser Erklärung nicht und betont, dass nun 600 Menschen um ihre Existenz bangen. Außerdem kündigte sie eine juristische Prüfung an.

"Aus unserer Sicht schiebt die Werksleitung fadenscheinige Gründe vor und versteckt sich hinter der Agentur für Arbeit."

Die Stimmung im Werk sei nicht gut, heißt es vom Betriebsrat. Viele Mitarbeiter seien von den Plänen der Betriebsleitung völlig überrascht worden und seien verunsichert.

SWR-Reporter Heiner Kunold berichtet vom Mercedes-Benz-Werk Rastatt:

Daimler-Betriebsrat kritisiert Entlassungspläne

Der Betriebsrat des Daimler-Werks in Rastatt nennt das Vorgehen der Werksleitung einen Skandal und verweist auf vergangenes Jahr, als Leiharbeiter gemeinsam mit der Stammbelegschaft in Kurzarbeit geschickt wurden und niemand entlassen werden musste. Außerdem könnte man den Eindruck bekommen, dass viele Leiharbeiter gerade noch rechtzeitig entlassen würden, bevor sie übernommen werden müssten, sagte eine Betriebsrätin.

Nach 48 Monaten müssen Leiharbeiter nach dem Gesetz festangestellt werden. Werden sie entlassen und drei Monate später wieder eingestellt, wenn Daimler beispielsweise nächstes Jahr wieder mehr produzieren kann, beginnt diese Frist von vorn und Übernahmeansprüche sind erloschen.

Die Geschäftsleitung hat die Vorwürfe unterdessen als unbegründet zurückgewiesen. Außerdem seien seit 2017 400 Leiharbeiter in Festanstellung übernommen worden.

Halbleitermangel bremst Produktion bei Mercedes weiter aus

Der Grund für die Entlassungen sind die nach wie vor fehlenden Produktionsteile. Vor allem der Halbleitermangel hat ernsthafte Folgen für die Produktion. Deshalb gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Kurzarbeit.

Laut einer Blitzumfrage des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall unter Unternehmen aus dem Raum Karlsruhe/Rastatt/Pforzheim ist die aktuelle Materialknappheit die größte gegenwärtige Bedrohung des Industriestandorts Baden-Württemberg.

STAND
AUTOR/IN
Heiner Kunold