Wie wird unsere Innenstadt attraktiver? Diese Frage beschäftigte die Verantwortlichen im Karlsruher Rathaus schon in den 1970er Jahren. Früh dachte man an einen Tunnel, der die Kaiserstraße von den Straßenbahnen befreit. Ein Tunnel vom Marktplatz unter dem Zoo und dem Karlsruher Hauptbahnhof hindurch in Richtung Karlsruhe-Rüppurr zum Beispiel, das war nur eine der abenteuerlichen Überlegungen.
Am Ende scheiterte man 1996 mit der "U-Strab" in einem ersten Bürgerentscheid und erst die Idee der Karlsruher Kombilösung mit Straßenbahn und Straßentunnel unter der Kriegsstraße überzeugte die Bevölkerung.
22. September 2002: Der Bürgerentscheid
Mit einer knappen Mehrheit von 55,55 % sagt Karlsruhe damals "Ja" zur Kombilösung. Immerhin geben fast 150.000 ihre Stimme ab - 82.475 Menschen sind dafür, knapp 66.000 dagegen, auch der Karlsruher Gemeinderat Johannes Honné (Grüne).
"Ich wurde damals in öffentlicher Sitzung beschimpft, als ich sagte, es wird ungefähr eine Milliarde am Ende sein. Dabei hatte ich noch viel zu niedrig gegriffen."
Karlsruhes damaliger Oberbürgermeister Heinz Fenrich (CDU) ist sichtlich erleichtert, trotz der 100 Millionen Euro die das Projekt ursprünglich einmal kosten sollte.
"Wir wollen eine Zukunft für diese Stadt und deshalb ist es gut angelegtes Geld"
Also wird 2003 die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (KASIG) als Tochterunternehmen der Stadt und als Bauherrin für die Kombilösung gegründet. 2005 beginnt das Planfeststellungsverfahren und 2008 kommt der grüne Punkt für das Projekt.

21. Januar 2010: Baubeginn der Karlsruher Kombilösung
Der offizielle Baustart mit Spatenstich für den Stadtbahntunnel unter der Kaiserstraße findet auf dem Europaplatz statt. Tunnelgegner protestieren mit Transparenten und Sprechchören gegen das "Millionengrab". Der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günter Oettinger (CDU) und der geistige Vater des Stadtbahntunnels Dieter Ludwig sind vor Ort.
"Die Kombilösung bringt Vorteile für Alle! Die Autos können besser fahren, die Straßenbahn kann erweitern, also eine All-Winner-Situation - auf gut Deutsch."
Das zweite Teilprojekt der Kombilösung startet sieben Jahre später: der Bau des Kriegsstraßen-Tunnels.
Juni 2013: Insolvenz des Tunnelbauers Alpine
Für die Verantwortlichen der Kombilösung ist dies eine böse Überraschung. Sie führt zu kurzen Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Die Tochterfirmen der Alpine werden verkauft, "Bemo Tunneling" übernimmt die Kombilösung. Aus heutiger Sicht ist das sogar ein Glück, so der damalige KASIG-Geschäftsführer Uwe Konrath.
"Im Nachhinein war das sicher besser, als hätte die Alpine das in ihrem Stil so weiter verfolgt"
Es kommt dennoch zu weiteren Pleiten, Pech und Pannen. Zuerst ist die Haltestelle Europaplatz nicht dicht, dann stößt man in der Kaiserstraße auf unerwartete Mauern, alles zusammen verlängert die Bauzeit um Jahre.
2015: "Giulia" - die Tunnelbohrmaschine ist bereit

80 Meter lang ist der Fächerwurm, der sich unter der Karlsruher Kaiserstraße durchgraben soll - zwei Kilometer in einem Dreivierteljahr. Zweimal steht "Giulia" still, weil sie sich einmal festgefressen und ein anderes Mal ein unterirdisches Loch verursacht hat, das erst stabilisiert werden muss. Doch dann ist es so weit, sie kommt am Mühlburger Tor zur Freude von Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) wieder ans Tageslicht.
"Wir sind sehr erleichtert! Das ist ein echter Meilenstein und jetzt können wir mit dem weiteren Ausbau beginnen."

4. August 2020: Die erste Bahn rollt durch den Tunnel
Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe starten den Testbetrieb. Die künftigen Straßenbahnfahrer werden geschult, die ganze Infrastruktur wird getestet und optimiert. Zuvor sorgt ein Wasserschaden für eine Verzögerung, 200.000 Liter laufen in den Tunnel und in Technikräume, teilweise müssen Kabel neu verlegt werden. Der Start der Kombilösung verzögert sich dadurch auf Dezember statt Juni 2021. Und auch der Kriegsstraßentunnel wird später fertig. Nachdem zunächst der Bundesrechnungshof seinen Nutzen anzweifelt, sorgt am Ende Materialmangel dafür, dass er erst im Frühjahr 2022 in Betrieb gehen kann. Kosten der Karlsruher Kombilösung am Ende: 1,5 Milliarden Euro.